Die Sicht der Dinge

Manchmal würde ich gerne meinen Alltag tauschen, und zwar am liebsten mit meinem Mann! Wenn sein Wecker am Morgen um halb sechs klingelt, denke ich mir Folgendes:

Jetzt in Ruhe duschen können, mich fertig machen, einen Kaffee trinken. Niemand stört mich und hängt an meinem Knie, niemand brüllt nach der Milchflasche. Dann ziehe ich mich an und gehe zum Bus. Die Fahrt ins Büro genieße ich, denn ich kann ein wenig im Internet surfen oder die Zeitung lesen. Vielleicht höre ich auch ein bißchen Musik. Im Büro angekommen, setze ich mich an den Computer. Niemand ist da, der auf die Tasten hämmern will, keiner muss gewickelt und gefüttert werden. So verbringe ich den Morgen, erledige meine Aufgaben, mache ab und zu ne Pause und quatsche mit den Kollegen. Ich gehe auf die Toilette, wenn ich will, und vorallem ALLEINE! Mittags esse ich in der Kantine. Ich muss nicht selber kochen, sondern suche mir ein Menü samt Nachtisch aus. Während dem Essen unterhalte ich mich mit erwachsenen Menschen über dies und das. Den Nachmittag verbringe ich wieder am PC, habe vielleicht hier und da ein kleines Meeting und eine Besprechung. Dann fahre ich nach Hause. Dort werde ich freudestrahlend von meinen Kindern empfangen, die sich freuen, dass ich endlich komme.

Getoppt wird dieser Tagesablauf für mich nur noch mit dem Fall, dass mein Mann zu einem Vortrag nach Frankfurt muss. Die Vorstellung, stundenlang bei Kaffee und Brötchen im ICE zu sitzen, mich anschließend belabern zu lassen und mittags im Steigenberger zu essen, ist für mich an manchen Tagen so verführerisch wie eine Lottomillion.

Manchmal würde gerne mein Mann mit mir den Alltag tauschen. Wenn sein Wecker um halb sechs klingelt, würde er gerne liegen bleiben. Später wird er von seinen beiden gut gelaunten Kindern geweckt, denen er in aller Ruhe ein Fläschchen zubereitet. Keines quängelt, während er sie wickelt und anzieht. Der Weg zum Kindergarten ist ein riesen Spaß! Zusammen entdecken sie Busse, Katzen und andere interessante Dinge und gut gelaunt gibt er den Großen bei den Erzieherinnen ab. Den Vormittag verbringt er im Internet surfend auf dem Sofa, während sich die Kleine vergnügt mit sich selbst beschäftigt. Mittags kocht er ein schmackhaftes Essen aus Gemüse und geht dann spazieren. Nachdem der Große vom Kindergarten zurück ist, besucht mein Mann mit Sohn und Tochter ein paar Freunde und sitzt mit ihnen und deren Kindern bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer. Sie bauen alle zusammen tolle Legotürme und der Gastgeber serviert ein frisches Hefeweizen. Abends ist er garnicht müde und erschöpft, was ist das nur für ein spaßiges Leben zuhause…

Ach, könnte man doch nur für einen Tag tauschen!!!

Pia Laura Froehlich

One Comment

  1. Ach könnte man doch nur für einen Tag tauschen – vielleicht auch nur um festzustellen, dass JEDE Medaille zwei Seiten hat… 😉

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