Gute Gene

Heute muss ich euch alle, die sich tagtäglich in Sachen Erziehung engagieren, über eine neue Formel in Kenntnis setzen, die ich in meinem Versuchslabor unter wissenschaftlichen Bedingungen herausgefunden habe: 

Das Verhalten eines Kindes kann wie folgt abgeleitet werden:

Kind (x) = 1/20 * Erziehung + 19/20 * genetischer Code
Für die Nicht-Mathematiker unter uns bedeutet das in aller Kürze: Lasst die Kinder machen, was sie wollen, denn die Auswirkung von guter und schlecher Erziehung kann fast vollständig vernachlässigt werden. Alles hängt von den Genen ab!
Herausgefunden habe ich diese Tatsache, als die Festplatte meines alten und vergreisten PCs den Geist aufgegeben hat. Das lag nicht etwa an Verschleisserscheinungen, sondern daran, dass ich voller Wut auf seine Langsamkeit auf ihn eingeprügelt habe. Meine Musiksammlung und allerei andere Privatangelegenheiten sind für immer in den Tiefen seines Metallgehäuses eingeschlossen. Nachdem sich mein Zorn gelegt hatte, fiel der Groschen und ich sah wie einst Newton den Apfel vom Baum plumpsen: Mein Sohn ist nicht deshalb so schnell auf die Palme zu bringen und legt sich so gerne brüllend auf den Boden, weil wir ihm nicht genug Selbstbeherrschung und Nervenstärke anerziehen, sondern weil er einfach so ist wie seine Mama: eine tickende Bombe, die alle paar Stunden in die Luft geht.
Nun wurde mir noch mehr klar: die Abneigung zu Hunden und Wasser sind genau wie die blauen Augen von Opa Franz, die Lieblingsfarbe gelb von Oma Isa und die Liebe zu Zahlen sowie die Neigung zum Schnarchen eindeutig von Papa geerbt. Außerdem kann ich mir nun auch erklären, warum Jimmy auch bei 32 Grad im Schatten weder kurze Hosen und T-Shirts, Socken oder Sonnencreme akzeptiert. Opa Hans ist schließlich im sommerlichen Mallorcaurlaub in Wollstrümpfen, Flanellhemd und extra dicker Jeans unterwegs. Von ihm hat er natürlich auch die Leidenschaft für Schienenfahrzeuge aller Art.
Bei meiner Tochter kommt die Liebe zu Schuhen ganz klar von Tante Teresa aus Köln. Auch wenn meine Schwester diese lieber an den Füßen trägt als reinbeisst, hat Luischen den Tanten-Tick in ihren Genen. Meine Formel bestätigte sich abermals, als ich mich bei meiner Mutter darüber beschwerte, dass Luise Jeden beisst und im Kinderwagen angeschnallt werden muss. „Das hast du alles auch gemacht!“, war die Antwort – Na also!
Ihr lieben Mütter und Väter, die sich jeden Tag Gedanken machen, ob sie den richtigen Weg einschlagen, um aus ihren Kindern vernünftige, wohlerzogene, liberale und offene Menschen zu machen – lasst den Stress sein. Werden wir nicht selbst mehr und mehr zum Abbild unserer Eltern? Keep cool, eure Pia

Pia Laura Froehlich

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