Je ne regrette rien

15 gute Gründe, um ein Kind zu bekommen

Ich mache mir Sorgen, große Sorgen. Seit sich die Elternszene im World Wide Web mit dem Thema Regretting Motherhood beschäftigt, kommen mir Zweifel, ob bei all dieser überbordenden Ehrlichkeit die seit langem sinkende Geburtenrate nicht irgendwann völlig zum Erliegen kommt und wir einfach aussterben. Haben nicht schon genug Frauen Bedenken, überhaupt Kinder zu bekommen?

Nun bringen ein paar Damen die Zweifler völlig von der Sinnhaftigkeit der Fortpflanzung ab, deshalb möchte ich hier eine Lanze brechen für das Kinderkriegen und von all den Vorteilen berichten, die sich ganz objektiv aus der menschlichen Selbstvermehrung ergeben:

– Du wirst, wenn du dich für Kinder entscheidest, nicht mehr in popelige Supermärkte gehen, sondern gehst zum Bauern nebenan, zum Wochenmarkt oder beziehst eine Biokiste. Vorher erkundigst du dich, ob das auch wirklich alles bio ist und ganz wichtig: regional! Denn natürlich möchtest du deinen Nachkommen keinen CO2 Fuß-Abdruck hinterlassen, für den diese sich dann später schämen müssen!

– Du wirst neben Bankkarte und Personalausweis immer eine Dauerkarte für den Zoo im Geldbeutel haben, kennst die Fütterungszeiten diverser Säugetiere und weißt genau, wo sich dort die sieben öffentlichen Toiletten befinden.

– Du musst dir nie wieder im Auto dämliche Radiowerbung anhören und musst auch nicht mehr stundenlang in deiner mobilen Mediathek nach passender Mucke wühlen, sondern wippst im Takt und summst den Text zu „Rolf Zukowskis Top 100“.

– Du machst keine kalorienreichen, ungesunden Sahnetorten mehr, sondern in deinem Ofen backen Früchte- oder Karottenkuchen mit vielen Vitaminen.

– Du brauchst nie wieder einen Wecker zu stellen.

– Du wirst von fremden Menschen in der U-Bahn warmherzig angelächelt.

– Du kümmerst dich um deine Umwelt und übernimmst Verantwortung, in dem du Kippenstummel auf Spielplätzen einsammelst, Autofahrer mit wilden Handzeichen zum Langsamfahren bewegst und Hundebesitzer samt Hund mit warnenden Blicken in ihre Schranken weist.

– Deine Eltern werden sich nicht länger um dich sorgen und sich auch nicht mehr nach deinem Befinden erkundigen. Ihre Fragen beziehen sich nur noch auf deinen Nachwuchs. Den Schokohasen und -nikolaus bekommt ab jetzt auch ein Anderer.

– Du kennst dich im Ikea so gut aus, dass du selbst mit verbundenen Augen in die Kinderabteilung und zum Restaurant findest.

– Du ekelst dich vor nichts und empfindest endlich auch keine Scham mehr dabei, auf der Toilette die Tür aufzumachen oder frei von der Leber weg zu erzählen, was du da genau gemacht hast.

– Egal ob langweiliges Familienfest, dröge Verantstaltungen oder lausiges Abendprogramm, du hast immer einen Grund, früher zu gehen.

– Du musst nie wieder Fenster putzen, denn sonst wärst du schön blöd. Ganz Hartgesottene verzichten auch für 18 Jahre auf das Aufsaugen von Sand auf dem Fußboden.

– Du hast ganz viele neue Freunde, mit denen du spannende Diskussionen über Wirkung von Homeopathie, den Sinn und Nichtsinn des Impfens und Für und Wider einer Ganztagsbetreuung von Unter-Sechsjährigen führen kannst.

– Du wirst bis zum Rentenalter keinen Kater mehr haben, nachdem du einen Morgen mit Brummschädel um halb sechs von einem Kleinkind geweckt wurdest, um die nächsten vier Stunden Legos zusammenzubauen.

– Du musst dir keine Gedanken um die Urlaubsdestination mehr machen, sondern buchst einfach vier Mal im Jahr einen Bauernhof-Urlaub im Allgäu.

Und, überzeugt? Dann wünsche ich Erfolg und ganz viel Spaß und sage herzlichen Dank für das Erhalten unserer Art.

Diesen Post widme ich meiner lieben Mütterkollegin mit dem CD-Player im Auto, in dem ganz viele kleine Münzen stecken. Schade, nie wieder Rolf Zukowski…

Pia Laura Froehlich

2 Comments

  1. Liebe Verena, danke für dein nettes Kommentar. Und ehrlich gesagt fällt mir das mit dem Humor mit etwas Abstand und beim Schreiben am PC leichter. In Momenten des Familienwahnsinns bin ich keinesfalls lässig und witzig, sondern eher genervt und verzweifelt. Lieber Gruß von Mutter zu Mutter, Laura

  2. Danke, ich hab schon an mir gezweifelt, ob ich normal bin, oder ob ich jetzt auch irgendwas regretten muss. Ich bin nämlich auch gern Mama auch wenn ich den ganzen Familienkosmos bei weitem nicht immer so humorvoll begegnen kann wie du das oben so lustig machst. Immerhin kann ich DANACH drüber lachen… ganz lustig ist übrigens auch das Augenlid hochziehen, wenn Mami droht unerlaubterweise beim Vorlesen oder ähnlich bedeutenden Tätigkeiten einzuschlafen! Lieben gruß von Vere Mami Rocks

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