Drei Wochen Mütterkur

Na, ziehst du dir auch jeden Schuh an? Das heißt, fühlst du dich auch immer für alles und jeden verantwortlich? Hast du verlernt, egoistisch zu sein und an dich selbst zu denken? Weißt du nicht mehr, wie Pause machen geht? Dann willkommen im Club der müden Mamas!

Es scheint ja was typisch Weibliches zu sein, dieses Kümmer-Gen. Natürlich gibt es genug Papas, die sich wundervoll kümmern. Und es gibt genauso auch Mamas, die wissen, was eine ordentliche Pause ist. In meinem Freundeskreis allerdings erlebe ich Frauen, die oft so sind wie ich. Die sich irgendwie verantwortlich fühlen für jedes kleine Familiendetail. Die viel zu schnell sagen: „Ach komm, das mache ich eben.“ Die sich ehrenamtlich engagieren, das Kassenamt übernehmen, die Geschenke für alle Verwandten besorgen und sich am Ende auch noch um Auto, Versicherung und Co kümmern.

Meine Mama-Auszeit

Huhu, ich bin so eine. Ich habe viel zu tun und wenn mich einer fragt, ob ich eben dies und das mache, sage ich: „na klar!“ Und weil ich dann hinterher auf der Strecke bleibe, muss ich mir an die eigene Nase fassen. Pausen machen, mich um mich kümmern, Nein sagen und an mich selber denken habe ich in den letzten sieben Jahren Familienleben irgendwie verlernt. Ist das nicht gruselig? Wenn ich also am Abend auf dem Sofa sitze, dann denke ich, ich mache besser noch die Wäsche. Wenn ich nachmittags Kaffee trinken könnte, plane ich lieber noch den Wocheneinkauf parallel. So gehts nicht weiter!

Aus diesem Grund bin ich für die nächsten drei Wochen weg  – und zwar in einer Mütterkur. Die Kinder sind zuhause gut versorgt und haben das beste Betreuungspersonal, das sie sich vorstellen können. Ich habe Anton so gut es geht gebrieft und bin gestern mit einem guten Gefühl in meine Mama-Auszeit gestartet. Hier sitze ich nun in meinem Zimmer nur für mich alleine. Ich kann lesen, schreiben, laufen gehen. Hier wird gekocht und Frühstück gemacht, ich besuche Yoga- und Rückenkurse, bekomme Massagen und kann auch mal mit Profis über mich und meine Probleme reden.

Ich finde es ganz wunderbar hier und herrlich und kann mein Glück kaum fassen. Ich habe etwas Bammel vor der Sehnsucht nach meiner Familie. Bisher schwebe ich noch auf der Wolke des Glücks, denn gegenüber der Kurklinik gibt es ein wunderschönes Moorgebiet zum Laufen, Wandern und Fotos machen, auf der anderen Seite eine Therme. Ohne Kinder schwimmen gehen – ein unbeschreibliches Glück, oder? Eltern wissen, wie anstrengend es sein kann, mehrere kleine nasse und müde Mäuse dazu zu motivieren, sich wieder anzuziehen, während sich Mama und Papa schwitzend in ihre Kleider zwengen und sieben Taschen mit nassem Gepöngels einzupacken versuchen. Ich gehe am Sonntag mit einer klitzekleinen Tasche und meinem Badeanzug schwimmen, muss nur mir die Haare trocknen und kein einziges Gummitier mitnehmen – Jackpot!

Warum ich dir von hier schreibe? Ich soll hier alles tun, was mir Spaß macht. Das Schreiben gehört zu meiner ganz persönlichen Therapie dazu. Und weil ich weiß, dass es auch ein Privileg ist, die Familie in so guten Händen zu wissen und mich hier um mich kümmern zu können, möchte ich dir ein wenig von meinen Erfahrungen erzählen. Was hilft mir? Wie kann ich lernen, zu entspannen? Welche Gedanken inspirieren mich, welche neuen Hobbys entdecke ich hier? Vielleicht lernst auch du etwas dabei, kannst oder willst aber selbst keine Kur machen.

Was macht dich glücklich?

Ich habe schon einmal ein paar Ideen: überleg dir doch am Wochenende mal, bei welchen Beschäftigungen du richtig glücklich bist. Ein Buch lesen (mein Kur-Tipp: Funny Girl von Anthony Mc Carten (Affiliate Link), durch die Gegend spazieren, etwas stricken, tanzen, singen, fotografieren, Freundinnen treffen? Und probier es gleich mal aus, denn wenn dich etwas glücklich macht, dann tut es dir gut und hilft dir, dich zu entspannen.

Und noch einen Gedanken möchte ich dir mitgeben. Eine gute Welt ist nicht die, in der keiner mehr müde ist. Eine gute Welt ist die, in der man müde sein darf. Ich weiß nicht, woher dieser Spruch stammt, aber ich finde ihn gut. Wir Eltern sind oft müde und dürfen das auch sein. Vielleicht tut dir ja schlafen gut?

Ich jedenfalls gehe heute früh ins Bett und genieße meine Mütterkur.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

8 Comments

  1. Pingback: Wenn Mama an die Decke geht - Ideen gegen die Wut - Heute ist Musik

  2. Es sei dir von Herzen gegönnt, die Auszeit in der Kur. Ich bin echt neidisch, freue mich aber wie Bolle für dich! Es hört sich wundervoll an und sobald mein kleines Steinmännchen alt genug ist, wird auch sofort eine Kur in Erwägung gezogen 🙂

    Genieße die Zeit weiterhin!

    • Liebe Anja, danke dir, wie lieb! Oh ja, wenn es soweit ist bei dir, empfehle ich es dir sehr. Alles Liebe, Laura

  3. Ich kann mich in so Vielem wiederfinden! Für mich funktioniert zum Entspannen: abends Podcasts hören und vorkochen (entspannend plus dann muss ich es nicht tagsüber mit Kind machen), Serien schauen/ Podcasts hören und dabei auf der Yogamatte bisschen Dehnen oder (unstressige) Muskelübungen, ein Abend ganz viel lacheb mit meinen Freundinnen, auf Kleiderkreisel oder Einrichtungsblogs stöbern. Genieß die Auszeit!

    • Liebe Bianca, das sind mal richtig tolle Tipps. Danke dafür! Liebe Grüße, Laura

  4. Liebe Laura,
    ich erkenne mich so oft selbst in deinen Texten. Mir geht es genau wie dir – ich fühle mich immer für alles verantwortlich, selbst für die gute Laune meines Mannes… Ich freue mich, dass du aus der Kur schreibst und bin sehr gespannt auf deine Erfahrungen. Vielleicht stärkt das meinen Gedanken, ebenfalls eine Kur ohne Kinder zu machen, denn mit meinen drei Kindern kann ich mir eine Kur so gar nicht vorstellen… aber ohne – auf diese Idee war ich noch gar nicht gekommen.
    Genieße deine Zeit, ihr werdet alle davon profitieren.
    Viele Grüße, Sandra

    • Liebe Sandra, ich kann es dir nur empfehlen und tut super gut. Ansonsten hoffe ich, dass ich hier ganz viel von meinen gelernten Impulsen weitergeben kann! Liebe Grüße von Laura

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