Das Handy, es nimmt schon einen großen Platz in nahezu jeder Familie ein. Und ich bin auch sehr froh um meinen kleinen Computer. Zunächst einmal nutze ich ihn für meine Arbeit. Emails checken, Instagram und Facebook-Seite meines Blogs pflegen, Fotos und Notizen speichern und Infos googlen. Aber auch privat nutze ich es oft und gerne. Es ist es mein Taschenrechner, meine Freundinnen-Standleitung, mein Diktiergerät, meine Uhr und mein Wetterfrosch. Ich höre damit Musik, lasse mich wecken oder mich mit Hörspielen beim Wäsche machen unterhalten.

Immer online

In den letzten Monaten aber war es mehr als nur ein hilfreiches und flexibles Gerät. Es ist mir zur Last geworden. Denn ich hatte es allzeit bei mir, damit ich immer die Uhrzeit weiß, nichts in den sozialen Netzwerken verpasse und dringende Mails beantworten kann. Wenn ich dann guckte, wie viel Uhr es ist, konnte ich auch gleich mal die Nachrichten checken. Upppsi, eine dringende Anfrage einer Kundin, dann mal eben an den Computer. Eigentlich wollte ich aber ursprünglich nur schauen, wie viel Zeit mir noch fürs Schmökern in meinem Lieblingsroman bleibt, bevor die Kinder kommen. Aber weg war die Pause und ich war wieder mit meiner Arbeit beschäftigt.

Oder aber ich googelte schnell das Tomatensoßenrezept fürs Mittagessen und sah dabei eine hitzige Diskussion im Kindergartenchat, in die ich mich dann zehn Minuten vertiefte, obwohl gleich die Kinder mit hungrigen Mäulern vor der Tür stehen würden. Mist, schon klingelte es und ich hatte nicht einmal Nudelwasser aufgesetzt.

Wenn ich ins Bett gehe, habe ich das Handy immer neben mir, um es in der Nacht als Taschenlampe zu benutzen, wenn ein Kind nach mir ruft. Außerdem lasse ich mich damit wecken. So lag es auf meinem Nachttisch und ich zückte es mal eben vor dem Einschlafen und las auf Spiegel Online die Schlagzeile über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine oder die atomare Bewaffnung der Großmächte – na toll, gute Nacht, kann ich da nur sagen.

Meiner Freiheit beraubt

To make a long story short: das Handy ging mir in der letzten Zeit ziemlich auf die Nerven, hielt mich von der Arbeit an einem Text ab oder vom Spielen mit meinen Kindern, versaute mir das Einschlafen und vergrößerte den Einfluss auf mein Seelenleben. In meiner Mütterkur hatte ich viel Zeit, um über meine Alltagsstressoren nachzudenken und kam schnell darauf, dass das Handy eine große Rolle spielte. Da ich viel mit sozialen Netzwerken arbeite, gibt es immer was zu tun. Hier einen Kommentar beantworten, dort einen Tweet absetzen. Liken, Herzen, Teilen – Social Media ruht niemals. Und dann sind da ja noch die Menschen, die Kritik üben oder auch mal was Gemeines schreiben, damit muss man eben rechnen, wenn man Texte und Bilder im World Wide Web veröffentlicht. Hin und wieder denke ich daran und ab und zu hat mir das schon ganz schön die Stimmung verdorben.

Süchtig nach dem Internet

Es ist tatsächlich eine (kleine) Sucht, die dahinter steckt: wir können nicht mehr ohne das Handy. Und ich mag das Internet ja auch sehr. Ich mag die Fülle an Infos, die Musik der Streaming-Dienste, die vielen lieben Menschen, die meinen Blog lesen und mit denen ich kommuniziere. Ich bin mit tollen Menschen in Kontakt und arbeite mit ihnen zusammen, benutze Online-Tools und verdiene mein Geld mit Social Media-Beratung. Könnte ich da nicht einen Weg finden, das Gute zu nutzen und das Schlechte auszuschließen?

Ein wichtiger Punkt bei diesen Überlegungen ist auch, dass ich ein Vorbild für die Kinder sein möchte. Auch sie werden mal ein Handy besitzen, bei Youtube surfen und stundenlang mit ihren Freunden chatten. Ist alles in einem gewissen Maße auch nicht so schlimm, wenn wir Eltern da ein Auge drauf haben und den Kindern Dinge erlauben, die ihrem Alter entsprechen. Aber ich kann den Kinden kaum Regeln erläutern und von ihnen erwarten, dass es handyfreie Zeiten gibt, wenn ich selber ständig ein Auge darauf habe. Und tatsächlich, wie eine Süchtige stehe ich manchmal hinter der Tür und starre auf den Bildschirm, checke hier was und tippe dort was ein, bin raus aus der echten Welt und nicht mehr richtig da.

Meine neuen Smartphone-Regeln

Also habe ich mir nun ein paar Regeln für mich überlegt, die ich hier niederschreibe, um vielleicht auch dich zu inspirieren. Wie können wir Eltern uns selbst schützen vor der Allgegenwärtigkeit des Internets? Los gehts:

  • ich schalte mein Handy nun jeden Abend um halb neun auf Flugmodus. So bin ich im Notfall nur noch über das Festnetz erreichbar und werde nicht mehr um 22:30 Uhr von wildgewordenen Eltern belästigt, die sich im Fußball-Whatsapp-Chat über das bevorstehende F-Jugend-Turnier unterhalten
  • außerdem komme ich so nicht in Versuchung, kurz vor dem Schlafengehen noch nervenaufreibende Nachrichten zu lesen oder mich mit Streitigkeiten auseinander zu setzen.
  • Ich habe nun eine Uhr am Handgelenk und obwohl das so simpel klingt, ist es für mich eine riesen Erleichterung. Ich brauche mein Handy nicht mehr dauernd, um die Zeit zu überprüfen. Kleiner Schritt, große Wirkung!
  • Ich nehme mir fürs gemütliche Surfen durch meine Lieblingsseiten, Blogs oder Kanäle bewusst Zeit und einen Kaffee dazu, sehe Instagram wie eine Modezeitschrift und klappe das dann irgendwann wieder zu
  • Ich habe mich aus vielen Whats-App-Gruppen ausgeklingt und die Gruppen, die wir für die Kids brauchen, unter Anton und mir aufgeteilt.
  • Auf den Spielplatz nehme ich mein Buch mit und schmökere darin. Nicht, dass ich analog lesen für etwas Besseres halte, aber ich komme viel leichter runter und entspanne, wenn ich EIN Buch habe und nicht die ganze Internetwelt mit ihren hunderttausend Möglichkeiten

So fühlt es sich gut an

Ist gar nicht so leicht, einen guten Umgang mit dem Internet zu finden und auch kein Wunder, denn so lange haben wir diese mobilen Computer ja noch nicht und das muss sich ja erst einmal eingrooven. Ich finde es nicht gut, Smartphones zu verteufeln. Früher haben wir in Zeitungen und Bücher geschaut, nun lesen wir Blogs und Online-Magazine. Aber diesen Suchtfaktor möchte ich nicht verleugnen und damit geht eine gewisse Unfreiheit einher, von der ich mich nicht länger geiseln lassen will. Ich frage mich dann, was ist das Schlimmste, das passiert, wenn ich im Netz eine Zeit lang nicht erreichbar bin? Die ehrliche Antwort lässt mich aufatmen – überhaupt gar nichts Schlimmes nämlich. So lange es den Kindern gut geht und meine Arbeitskollegen meine Festnetznummer haben, geht die Welt nicht unter. Ich aber fühle mich ohne mein Handy wieder viel freier. Und dann nehme ich es mir auch mal wieder gerne her und surfe herum. Denn ohne mein Blog und dich, liebe Leserin oder lieber Leser, wäre ich auch unglücklich. Also lass uns weiterhin in Kontakt bleiben und uns hier treffen. Ich wünsche dir, dass dir das Netz, dein Smartphone und die digitale Welt in erster Linie ein Nutzen ist und Spaß macht, du aber auch wieder lange und intensiv in die richtige Welt eintauchen kannst. Ganz ohne Smileys, Emoticons, Like-Buttons und eine Million Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben.

Bleib fröhlich und unperfekt und lass dir vom Smartphone nicht deine Freiheit klauen.

Deine Laura

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