Wenn Kinder kein Gemüse essen – ein Update

Im Oktober habe ich euch in meinem Beitrag Kinder, kommt Nörgeln, das Essen ist fertig berichtet, dass unser Kinder mit dem Essen sehr, sehr wählerisch sind. Sie mögen wenig bis nichts aus der Gemüseecke. Wenn ich koche, verziehen sie den Mund. An einem Wochenende riss mir die Hutschnur. Jimmy hatte sich Frikadellen gewünscht, die ich mit frischem Hackfleisch aus der Metzgerei zubereitet hatte. Als sie fertig auf seinem Teller lagen, fragte er entsetzt, was das für dunkle Klöße seien, und dann folgte ein schlecht gelauntes „mag ich aber nicht.“ Danach war aber Polka angesagt, das könnt ihr mir glauben. Das Ende vom Lied war ein absolutes Süßigkeitenverbot.

1. Keine Süßigkeiten mehr

Ich bin eine echte Naschkatze und ich gönne meinen Kindern von Herzen etwas Süßes. Bisher durften sie sich im Supermarkt beim Wocheneinkauf immer etwas aussuchen: saure Bärchen, eine Tafel Schokolade, Lakritzschnecken oder Ähnliches. Abends gab es dann nach dem Abendbrot eine kleine Hand voll. Und auch nach dem Kindergarten sind wir öfters mal ein Eis essen gegangen, ganz zu schweigen von den Bäckereibesuchen und den himmlischen Mohnschnecken, die wir alle so lieben. Die Zeiten sind wohl vorbei, denn wer kein Gemüse isst, Fisch und Fleisch verschmäht, bei Nüssen und Trockenfrüchten „Bäh“ ruft und außer Nudeln weder Bulgur, noch CousCous oder Hirse mag, der bekommt auch keinen Krümel raffinierten Zucker mehr, das schwöre ich bei Pistazieneis und Blätterkrokant.

2. Endlich kommt die Biokiste

Außerdem hat sich noch etwas geändert. Da die Kinder ja nichts mögen und sogar Buttergemüse aus der Tiefkühltruhe verschmähen, muss ich auch keine Rücksicht mehr nehmen. Schluss mit dem Blättern in Kinderkochbüchern. Ich pfeife auf RisiBisi, Kinderpizza oder Fischstäbchen, ab jetzt gibts Erwachsenenkost. Die schmeckt dann wenigstens mir. Also habe ich endlich eine Gemüsekiste bestellt, denn das hatte ich schon lange vor. Die liefert uns jetzt jeden Freitag tolles Biogemüse, und zwar regional und der Jahreszeit entsprechend. Während Jimmy und Luise maulend am Tisch sitzen, stelle ich Rosenkohlsalat mit getrockneten Tomaten und Parmesan auf denselben. Oder ich mache einen dänischen Pastinakenauflauf mit Äpfeln und Nüssen. Mmhh, endlich gibts mal wieder Brokkoli-Vollkornudelpfanne oder Pizza mit Birne und Fenchel. Ich schwebe im kulinarischen Himmel und mache mir nichts aus den Sauertöpfen um mich herum. Wenn die beiden mal wieder ohne einen Haps zu probieren nach Nachtisch fragen, erkläre ich geduldig die neuen Regeln: es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, oder eben nicht. Hinterher gibts Obst, oder einen feuchten Schmatz. Apfelschnitze sind die Lakritzschnecken von heute!

3. Obst unterwegs

Wo wir gerade von Obst sprechen: auch unterwegs kenne ich kein Pardon mehr. Früher kam zu Banane und Nektarine auch mal eine Ritter Sport dazu, oder ich habe einfach eine Packung Butterkekse im Wagen verstaut. Aber als mir irgendwann bewusst wurde, dass die Rasselbande den ganzen Mittag nur süßes Zeug genascht hat, um abends beim Kartoffelauflauf das bekannte Sprüchlein runter zu beten, dann Zeit zu schinden, um am Ende noch einen Eisnachtisch abzustauben, habe ich den Vitaminverweigerern den Kampf angesagt. Nun stecken wir einen Apfel und eine Flasche Wasser ein. Ende Gelände. Und da gerade heute Abend wieder ein Wutanfall meinerseits durchs Haus hallte, als Jimmy und Luise Spinat, Rührei und Kartoffel-Möhren-Stampf für ungeniessbar erklärten, werde ich künftig härtere Geschütze auffahren, und auch Brezeln und Croissants auf die schwarze Liste setzen.

Wir ernähren uns jetzt also so gesund, dass es schon peinlich ist. Und sobald sich die Damen und Herren aus der Igitt-Fraktion wieder eingekriegt haben, kaufe ich gerne mal wieder ein Schokoeis. Meine große Hoffnung setze ich auf Baby Oskar. Der schaufelt sich so selig Brokkoli ins Mündchen, dass es eine Freude ist. Wie lange das hält, kann ich nicht sagen. Ich erinnere mich grob, dass ich einst mit dem einjährigen Jimmy geprahlt habe. „Der isst alles“ verkündete ich in großer Runde, und steckte ihm Oliven und Sellerie in den Mund.  Guten Appetit wünscht euch Laura

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Laura

4 Comments

  1. Wunderbar!
    Davon kann ich auch ein Liedchen trällern. 😉
    Bis vor wenigen Monaten haben meine Zwei wirklich ALLES gegessen … außer Pfannkuchen. Nun mögen sie nichts von dem, was ich ihnen vorsetze. Nichts!! Allerdings gab es bei mir bisher sowieso nur beim Frühstück Süßigkeiten (meist ein süßes Müsli) und nach dem Zähneputzen am Morgen nur noch in Ausnahmefällen. Also vielleicht 1x pro Woche. Mittags gibt es nichts Süßes, Abends gibt es nichts Süßes. Und Zwischendurchmahlzeiten gab es bei uns ohnehin noch nie. Nicht mal Apfel&co, da sie davon soviel essen, dass sie danach auch wieder die Nahrungsaufnahme verweigern. Manchmal kam es schon vor, dass sie mittags eine Gabel und abends einen Bissen gehapst haben und auf das morgendliche Frühstück gehofft haben. Aber ich bleibe (fast immer) standhaft. Unser Kinderarzt sagt immer wieder: „Kein Kind wird vor einem vollen Teller verhungern“ und damit hat er ja auch recht. Ich bin gespannt, wie es bei euch mit der Umstellung klappt. Halt uns mal auf dem Laufenden. 😀

    • Wie witzig, unser Kinderarzt hat das gleiche gesagt. Und ich sage mir diesen Spruch dann auch vor, wenn die Beiden mal wieder ohne etwas zu essen aufstehen. Ich berichte dir und drücke die Daumen für euch. Manchmal denke ich, solche Phasen gehören dazu… Liebe Grüße

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