Category

Mental Load

Category

Fürsorge ist eine sehr bereichernde Arbeit. Ein Kind trösten, wenn es sich weh getan hat, für Freunde da sein, wenn es ihnen nicht gut geht, dafür sorgen, dass es alten und kranken Menschen besser geht, indem wir uns kümmern – es gibt kaum einen besseren Grund, sich anzustrengen. Ohne die Sorge füreinander geht es nicht, das spüren wir jetzt in der Krise besonders stark. „Fließbänder kann man stillstehen lassen, Kinder und Schwerkranke alleine zu lassen, ist unmenschlich“, schreibt Barbara Vorsamer in der Süddeutschen Zeitung (Bezahlschranke). Das macht deutlich, dass Fürsorge nicht nur bereichernd, sondern auch überlebensnotwendig ist. Diskriminierung von Fürsorge Wäre es nicht an der Zeit, diese Fürsorge-Arbeit endlich zu würdigen, sie besser zu entlohnen und sich einmal damit zu beschäftigen, was das für Folgen hat für die, die diese Arbeit ausführen? Auch wenn Väter sich mittlerweile viel selbstverständlicher um ihre Kinder kümmern, als sie das noch Generationen zuvor getan…

Home-Office ist jetzt in Zeiten der Krise in vielen Familien angesagt, und das stellt uns vor eine Menge Herausforderungen. Für mich ist das nichts Neues. Ich arbeite seit Jahren von zuhause aus und weiß genau, wie das funktioniert: während morgens mein Computer hochfährt, räume ich das Bad auf. Nach der Mail an die Kundin antworte ich der Oma, wie es den Kindern geht und melde die Mittlere direkt mal online im Sportverein an. Dann arbeite ich 20 Minuten am PC und auf dem Weg zur Toilette biege ich in der Wäschkammer ab, lege Kleidungsstücke zusammen und schmeiße direkt noch eine Ladung schwarze Wäsche in die Maschine. Schnell zurück an den Schreibtisch und für den Text recherechieren, den ich schreiben muss. Während ich konzentriert arbeite, ruft die Sektretärin der Schule an: der Sohn fühlt sich komisch. Ob ich ihn abholen könne? Also los, Sohn abholen, vor den Fernseher setzen, weiterarbeiten. Sohn…

Stell dich nicht so an! Ich habe mal wieder Post bekommen. Mittlerweile kann ich eine ganze Schublade mit Liebesbriefen füllen, in denen steht, dass ich ein Luxus-Problem habe. Der Inhalt der Nachrichten lautet meist ungefähr so: Wie kannst du dich nur darüber aufregen, dass du es bist, die die Rolle Toilettenpapier auswechselt? Hast du keine anderen Probleme? Übrigens: Wer sich für Kinder entscheiden, muss sich auch um sie kümmern, also jammere nicht rum. Probiers mal mit Meditation und komm runter. Unter den Absendern sind übrigens ebenso viele Männer wie Frauen, wobei es doch immer wieder erschreckend ist, dass Frauen so denken. Aber kein Wunder: Wir leben in einer patriarchal geprägten Welt, in der Frauen die unbezahlte und unsichtbare Fürsorge übernehmen. Sie kümmern sich um die Kinder, sie sorgen für kranke Angehörige und sehen diese Arbeit oft als selbstverständlich an. Vielleicht sind gerade deshalb einige wütend, wenn wir die Richtigkeit dieser…

Mama und der Mental Load Hilfe, das Kind ist krank! Abgesehen davon, dass sich Eltern Sorgen machen, wenn es den Kindern nicht gut geht, läuft der Kopf auf Höchstleistung, wenn die Tochter auf einmal fiebert oder sich der Sohn morgens auf den Teppichboden übergibt. Dann heißt es nämlich, Kindergarten oder Schule absagen, im Büro Bescheid geben, Termine verschieben, versuchen, durch die Warteschleife am Telefon des Kinderarztes durchzukommen, Tee kochen, Nasentropfen suchen, trösten, kuscheln und das weinende Kind überreden, jetzt doch endlich bitte diesen Fiebersaft zu nehmen. Nebenbei im Kopf überschlagen, was alles an Hausarbeit und beruflichen Projekten liegen bleibt und wann wir das alles wieder aufholen können. Wer übernimmt den Mega-Mental Load, wenn ein Kind krank ist? Oft die Mama! Die Denkmaschine läuft Denn die Mutter ist ja entweder sowieso zuhause oder sie arbeitet „nur in Teilzeit.“ Es könnte auch sein, dass sie wie der Papa in Vollzeit arbeitet, sich…

Mental Load in den Griff kriegen, wie geht das nur? Das fragen sich tausende Mütter im ganzen Land und gemeinam haben wir schon Einiges erarbeitet. Immer wieder bekomme ich Rückmeldungen von Frauen, die mir auf Instagram erzählen, dass sie mittlerweile mit ihrem Partner die Familienorganisation und die Care-Arbeit neu aufgeteilt haben: „Hallo, ich wollt auch mal Danke sagen, haben uns gestern hingesetzt und mal den Mental Load durchgesprochen. Übung brauchen wir noch, gleichzeitig hat mein Mann am Abend selbstständig die Wäsche aus dem Keller geholt und dann (sonst stellt er sie einfach ab) hat er sie vor dem Schlafengehen ohne ein Wort meinerseits aufgehängt.“ „Liebe Laura, es ist viel passiert in den letzten Tagen. Ich habe für meinem Mann und mich mal visualisiert, was in unserem Leben anfällt. Wow, war das eine Menge. Er ist dadurch aufmerksamer geworden und geht auch bewusster damit um.“ „Liebe Laura, Dank den vielen…

Großunternehmen Familie Wie löse ich das Chaos-Kuddelmuddel in meinem Kopf, das mich jeden Morgen befällt, wenn ich aufstehe? Jahrelang hat mich diese Frage gequält und ich habe mich intensiv mit Organisationstools befasst, einen Kalender geführt, meine To-Dos analog und digital aufgeschrieben, mir Block und Stift neben das Bett gelegt und Erinnerungen ins Handy diktiert. Auf den Listen standen dann Dinge wie – Luise hat keine Socken mehr, dringend neue im Internet bestellen. Schuhgröße messen! – Müssen dringend Kühlschrank auswischen, Obst schimmelt schnell – Geschenk für Nichte. Was mit Pferden, malt gerne – Akku vom Fahrrad ist kaputt. Vor dem Frühjahr unbedingt austauschen – Fabi und Julia einladen. Übers Wochenende? Was kochen? Was unternehmen? – Oskar endlich beim Turnen anmelden. Zeiten checken, wer bringt ihn hin? Naja, du kennst sicher all diese Angelegenheiten, die so in einer Familie anfallen. Nebenher gibt es noch zahlreiche Dinge einzukaufen, immer ist irgendwo die Seife…

Die wunderbare Marlene Hellene hat neulich mal wieder eine ihrer grandiosen und treffsicheren Feststellungen gepostet: Wussten Sie, dass es ausschließlich Müttern möglich ist, Geburtstagsgeschenke für Kinder zu besorgen oder Fragen nach Geschenkewünschen des Kindes zu beantworten? Ich wusste das auch nicht. Und wie es nicht anders von Twitter zu erwarten ist, hagelte es direkt Kommentare von Männern, die sich durch diese These auf den Schlips getreten fühlten. Ja, sich mit den eigenen Privilegien auseinander setzen zu müssen ist nicht einfach, das weiß ich. Es geht mir selber so, wenn ich Tweets von Schwarzen Menschen lese, die den weißen Rassismus zutage fördern, den wir manchmal alle nicht wahrhaben möchten. Wir wollen gute Menschen sein und wenn das in Frage gestellt wird, weil wir privilegiert sind, tut es weh und wir beginnen, uns zu verteidigen. Leider wissen wir im tiefen Inneren, dass all das wahr ist. Achtung: Privilegien Leider ist es so,…

Mama, wo sind meine Pokémon-Karten? * Sag mal, Laura, hast du eine Ahnung, wo ich meinen Geldbeutel hingelegt habe? * Was wünschen sich die Kinder eigentlich zu Ostern? * Mama, wo ist mein Eselchen? * Wie hieß nochmal dieses Restaurant, in dem wir neulich essen waren? Wann Schulferien sind? Das weiß Laura am besten! Ich würde den Kindern gerne neue Sandalen kaufen, aber Anton weiß die Schuhgröße nicht. Kannst du sie mir bitte durchgeben? Mama, wann muss ich das Referat für das Leseprojekt fertig haben? Laura, du kannst dir das immer so gut merken: wie war nochmal gleich der Code für das Fahrradschloss? Und hast du eigentlich meine Wollmütze gesehen? Mama ist das Familien-Backup, auf das sich alle verlassen. Mama weiß Bescheid, denn sie ist ein wandelnder Kalender, eine Wünschelrute mit siebtem Sinn für Kuscheltiere, weiß alles in Sachen Büro-, Schul- oder Kindergartentermine und kennt die Kleidergrößen aller Familienmitglieder. Sie…

Und, was hast du heute so gemacht? Ach, nicht viel, irgendwie ist der Tag an mir vorbeigerauscht. Dann erzähl doch mal! Also morgens habe ich Frühstück für die Kinder gemacht, ihnen die Brotboxen gefüllt und ihnen geholfen, sich anzuziehen. Etwas später bin ich zur Arbeit und habe in der kurzen Kaffeepause mit meiner Freundin telefoniert, der es gerade nicht so gut geht. Nach dem Mittagessen bin ich schnell nach Hause gefahren, habe die Kinder in Empfang genommen und mit ihnen Hausaufgaben gemacht. Anschließend sind wir zusammen zu meiner Großtante ins Krankenhaus gefahren. Sie hatte einen Schlaganfall und freut sich immer so über Besuch. Den Sohn haben wir erst beim Fußballtraining abgesetzt und hinterher wieder abgeholt. Dann war es schon Zeit fürs Abendessen. Mein Mann ist gerade auf Geschäftsreise, daher habe ich die Kinder alleine ins Bett gebracht. Ich war abends richtig platt und hatte doch das Gefühl, vieles nicht geschafft…

Wie spreche ich nur über Mental Load und wie erkläre ich meinem Partner, dass ich so viel um die Ohren habe mit all der Familien-Organsation? Und wie vermeide ich dabei diese nervigen Schuldzuweisungen, die zu nichts führen? Ich habe da mal einen Brief geschrieben, den du gerne verwenden oder umschreiben darfst. Oder er inspiriert dich zu deinem ganz eigenen? Lieber XXX, gestern haben wir uns wieder gestritten. Der Grund war eigentlich lächerlich, denn es ging um die Windeln, die du nicht gekauft hast. Ich habe mich beschwert und du hast mir geantwortet, dass ich schließlich nichts gesagt hätte, als ich dir den Einkaufszettel in die Hand gab. Mein Vorwurf an dich war dann der, dass du selber einmal an etwas hättest denken können. Aber eigentlich ist genau das unser Problem. Ich denke an alles und delegiere an dich. Du führst aus und hast Feierabend. Ich habe nie Feierabend, wirklich nie.…