Reichlich bekindert* – das erste Resumé

Drei Kinder: Die Eltern laufen halt so mit

Und, wie ist es so mit Dreien? Nach „Mama, hast du was zu essen dabei?“ und „Spielst du mit mir Fußball?“ die meist gestellte Frage an mich auf dem örtlichen Spielplatz. Da in meiner Umgebung ein großer Bedarf an Antworten besteht, dachte ich, ich gebe sie hier auf meinem Blog. Schließlich habe ich mir selbige Frage bis vor vier Monaten auch gestellt. Das Resumé lautet kurz und knapp: Die Eltern laufen halt so mit.

Dass das Baby halt so mit läuft, ist leider ein Gerücht. Geglaubt habe ich es sowieso nie, denn dass ich mal ein ruhiges, ewig lächelndes Kind bekommen würde, das im Kinderwagen liegt und ohne fremde Hilfe einschläft, schien mir so unwahrscheinlich wie eine durchgeschlafene Nacht in den nächsten drei Jahren. Wer jetzt denkt, die Überforderung, die Eltern beim ersten Baby empfinden, multipliziere sich einfach mit der Zahl der Kinder, den kann ich allerdings beruhigen. So müde, so kaputt und so ratlos wie nach Jimmys Geburt vor fünf Jahren bin ich seitdem nie mehr gewesen. Es ist tatsächlich so, dass Eltern mit ihren Aufgaben wachsen und was scheinbar unmöglich schien, dann nach einer gewissen Übungsphase doch ganz gut klappt, wie zum Beispiel das Ins Bett bringen von drei kleinen Mäusen oder ein Freibadbesuch mit vollzähliger Kinderschar.

Selbst und ständig

Was die Kinder allesamt in dieser kurzen Zeit gelernt haben, ist Rücksicht zu nehmen. Luise und Jimmy müssen zum Streiten, Musik machen und Rumbrüllen ins Kinderzimmer gehen oder einfach mal leise sein, wenn Baby Oskar schlafen will. Hat er Hunger, müssen die Großen eben eine Weile warten, bis ich beim Toilettengang helfe oder Sprudel nachfülle. Das hat natürlich hin und wieder für Frustration gesorgt, aber da Geduld nicht gerade zu den Stärken kleiner Kinder gehören, betrachte ich dies als feine Persönlichkeits-Schulung. Was Jimmy und Luise auch gelernt haben: sie müssen mit anpacken. Habe ich ihnen früher ihr Spielzeug, die Kindergartenrucksäcke und die Wasserflaschen hinterher getragen, müssen sie dies nun zwangsläufig alleine tun. Außerdem haben sie in der kurzen Zeit gelernt, sich alleine anzuziehen, ein Brot zu bestreichen, die Taschen für den Oma-Besuch zu packen und die Autotüren selbst zu schließen. Wer sich an dieser Stelle an den Kopf fasst und sich wundert, wieso sie das erst jetzt tun: irgendwie neigen wir Erwachsenen manchmal dazu, den Kindern viel zu viel abzunehmen, obwohl sie es schon selber können….

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Kinder haben ist wie Autofahren

Mit dem Kinder haben ist es ein bisschen wie mit dem Auto fahren. Fragt sich der Fahranfänger zu Beginn, wie er nur gleichzeitig schalten, lenken und kuppeln soll, so gelingt es ihm ein paar Jahre später, neben dem Autofahren auch noch Cappuccino zu trinken, sein Smartphone zu bedienen und Navigationssysteme zu programmieren, natürlich nur in der Theorie!

Also bin ich mittlerweile ganz fit darin, drei Kinder bis 8:15 Uhr ausgehfein zu machen und dabei noch halbwegs ruhig zu bleiben. Ich selbst sehe nicht mehr so aus wie gerade aus dem Bett gefallen und habe auch noch ein paar Taschen mit Zeug gepackt. Vor fünf Jahren kam ich nicht einmal dazu, meine Haare zu kämmen, und vor 10:30 Uhr waren Baby Jimmy und ich sowieso nicht in der Lage, das Haus zu verlassen.

Zwischenmenschliche Kontakte

Was definitiv zu kurz kommt, ist der zwischenmenschliche Kontakt zum Vater der Kinder. Ein frühmorgendliches und nicht gerade liebevoll gehauchtes „Nimm du jetzt mal das Baby“ dient als Tagesgruß, mit „da bist du ja endlich“ wird Papa Anton am Abend mürrisch empfangen. Nach vier Körben Wäsche, einer halben Stunde Fernsehen und einem freundlichen Kopfnicken in Richtung Ehepartner geht der Tag kommunikationsarm und erschöpft zu Ende. Dank aufopferungsvollen Großeltern und bester Schwester und Nichte der Welt laben wir uns hin und wieder an drei Stunden Freizeit am Wochenende, halten dringend notwendige Mittagsschläfchen und träumen dabei von gemeinsamen und kinderlosen Urlauben in ferner Zukunft.

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Die Liste

10 Dinge, die mit drei Kindern nun ganz unmöglich geworden sind, habe ich in folgender Liste zusammen gefasst:

  • eine Mahlzeit in Ruhe und ohne umstürzende Wassergläser genießen
  • Nachts schlafen
  • abends zu zweit das Haus verlassen
  • ungestört die Abendnachrichten sehen
  • beim Autofahren Radio hören
  • sich mit dem Besuch länger als zwei Minuten am Stück unterhalten
  • auf einen krümellosen und spielzeugfreien Fußboden blicken
  • einen Babysitter engagieren, der sich der Sache gewachsen fühlt
  • die Kinder bei den Großeltern abschieben
  • shoppen gehen

Warum also drei Kinder?

Wieso sollten sich Eltern überhaupt drei Kinder zulegen, wenn sie das hier gelesen haben? Tja, das kann ich beantworten. Weil Kinder einfach so unglaublich witzig sind. Egal, ob die Dreijährige genau zur richtigen Zeit Peppa-Wutz-Zitate bringt („Ok, Papa, du frecher Schlingel“ nach der Aufforderung Antons, die nasse Badehose auszuziehen) oder der Fünfjährige stolz erklärt, nun so gut Fußball spielen zu können, dass er alleine die Schweizer Nationalmannschaft besiegen könne. Wenn das Baby den halben Tag kichert, gluckst und lacht und wir uns fragen, welch verrückten Dinge es sich wohl bald einfallen lässt: ob es wie der große Bruder mit zwei Jahren meint, es sei eine Katze namens Lilly, oder ob es wie die große Schwester „Die Geschichte vom Daumenlutscherbub“ frei und mit hochgezogenen Augenbrauen aufsagen kann.

Dann ist da noch dieses Gefühl von Stolz, wenn ich in unser Auto blicke, und sich dort Kindersitze aneinander reihen. Wenn ich im Supermarkt anerkennend gefragt werden, ob das alles meine Kinder seien, und wenn ich die Rasselbande ab und zu mal für 10 Minuten im Griff habe.

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Das schönste Gefühl ist aber das Glück, das ich empfinde, wenn ich abends durch die Zimmer gehe, und in drei kleine, friedlich schlummernde Gesichter blicke, die ein bisschen so aussehen wie die von Anton und mir. Die sechs kleinen Hände, die ich dann streichel, und die vielen dicken Kugelbacken, die ich noch einmal küsse. Dann schauen wir Eltern uns aus unseren müden und rot umrandeten Augen an und wissen, dass wir doch alles richtig gemacht haben. Und dass wir ohne unsere verrückten Drei sowieso gar kein Urlaub mehr machen möchten.

*Zitat aus dem Buch von Johann König: „Kinder sind was Wunderbares – Das muss man sich nur immer wieder sagen.“ Ein Lese-Muss für alle Eltern!

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Laura

4 Comments

  1. Schön geschrieben! Ich, „alte“ Mutter von vier Kindern, wurde beim Lesen deines Artikels an so viel erinnert. Es war schon irre wieviel Energie und Ausdauer man entwickeln kann, um den Alltag zu meistern. Immer pünktlich in der Schule, egal wie alt das Kleinste war, egal wieviel man geschlafen hatte. Mutter- bzw. Elternsein ist die beste Schule der Welt!
    Jetzt sind die Kinder junge Erwachsene und das ist schon zu sehen wie sie sich entwickeln und miteinander umgehen. Schlechte Nächte gibt es immer noch aber die Gründe haben sich geändert! Mehr Zeit mit dem Ehemann? Nein, denn seine Karriere nimmt noch mehr Platz. Mein Tipp: Gönnt euch ein Babysitter und genießt die Zeit jetzt! Das habe ich definitiv zu wenig gemacht!

    • Liebe Anne-Marie, danke dir für deinen lieben Kommentar. Einen weisen Tipp gibst du da, den ich unbedingt beachten muss. Auch für die Kinder ist es unendlich wichtig, dass sich die Eltern gut verstehen und lieben… Alles Liebe, Laura

  2. Schön zusammengefasst! Alle Anstrengungen, die Müdigkeit und mit was man so zu tun hat lohnen sich! Ich wäre furchtbar gelangweilt, wenn es anders wäre! 🙂
    LG

    • Oh ja, und es ist beruhigend zu wissen, dass man anders nicht mehr leben möchte, als mit diesen lieben und anstrengenden Kinderlein!

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