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Tipps für Alleinerziehende von einer mutigen Mama

Müttersprechstunde nur für Ehefrauen?

Neulich schickte mir Nicole eine Spach-Nachricht über Facebook. Sie schaut meine Müttersprechstunde auf Instagram so gerne an, in der wir Mütter uns austauschen und über Kinder- und Mamathemen quatschen. Neulich sei ihr aber aufgefallen, dass ich oft davon ausgehe, dass Frauen einen Partner haben. Ist aber nicht so, sie sei zum Beispiel alleinerziehend.

Sie hat dreijährigen Zwillinge und ist alleine, seit die beiden drei Monate sind. Irgendwann in den ersten Jahren bekam sie einen Burnout, kein Wunder in dieser Situation. Nicole ist jedoch keine Frau, die aufgibt oder langfristig den Mut verliert, also hieß es für sie, sich zu orientieren, nach Hilfe zu suchen und zu recherchieren. Dabei stieß sie auf Instagram auf meine Müttersprechstunde und fühlte sich zunächst verstanden. Mamas, die ähnliche Probleme haben, Wut und starke Gefühle empfinden, viele Stressmomente mit Kindern durchstehen, das Gefühl der Solidarität schätzen und sich austauschen mit Frauen, denen geht es genauso geht. Sie hat sich dann abends auf dem Sofa die Live-Storys von der Müttersprechstunde angeschaut, wenn die Kinder endlich mal geschlafen haben.

Mama allein zuhaus

Die Müttersprechstunde hat Nicole abends ein wenig das Treffen mit ihren Freundinnen ersetzt. Die Kinder sind noch zu klein, um sie vom Babysitter ins Bett bringen zu lassen und bis sie schlafen, ist es schon 21 Uhr. Nach einer Weile hat sie gemerkt, dass es in den Live-Talks oft um Mütter geht, die einen Mann haben. Dabei heißt es ja Müttersprechstunde und nicht Verheirateten-Sprechstunde, das fand sie schade. Nicht nur bei mir fällt ihr das auf, sondern in vielen Medien wie Blogs, Büchern, Zeitschriften. Als Alleinerziehende(r) fühlt man sich dann irgendwie außen vor.

Nicole ist der Meinung, dass gerade die Solidarität unter Müttern wichtig ist. Dazu gehören natürlich die Mamas, die in einer losen Partnerschaft leben, in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung oder eben in gar keiner Beziehung, wie Nicole. Sie bot mir daraufhin an, mal in die Müttersprechstunde zu kommen und zu erzählen, wie das Leben denn bei ihr so ist. Sie hat nämlich die volle Ladung abbekommen, wie sie sagt. Als Alleinerziehende mit Zwillingen, eines der Kinder ist auch noch krank auf die Welt gekommen, hat sie ein ordentliches Pächchen zu tragen. Dann musste sie sogar noch den Wohnort wechseln, weil sie nach der Elternzeit versetzt worden ist und es blieb ihr kein anderer Weg, als zu lernen, mit der Situation klar zu kommen und sich enstprechend zu strukturieren. Sie hat sich dann durch Bücher, Blogs und Beratungsangebote durchgekämoft und kann viel davon erzählen, was sie politisch und gesellschaftlich so richtig auf die Palme bringt.

Ein schwieriger Weg

Es gibt wenig Möglichkeiten, sich das Leben als Alleinerziehende schön zu machen, sagt Nicole. Es ist hart und es bleibt eine ganze Weile hart und es gibt nicht DIE LÖSUNG. Wenn man Pech hat, ist man wirklich viel alleine.

Nicole macht auf mich den Eindruck, als wäre sie nicht so schnell unterzukriegen. Sie hat sich ziemlich durchgeboxt und ebnet sich Tag für Tag den Weg, was sie sicher viel Kraft kostet. Mich hat es total beeindruckt, was Nicole mir da erzählte, und ich finde, sie hat recht. Viel zu oft gehen wir in Gesprächen von dem klassischen Familienbild aus. Mütter haben oft zu kämpfen, das erwähne ich immer wieder. Und ich finde, es braucht mehr Feminismus unter Müttern, mehr Zusammenhalt und mehr Forderungen an die Gesellschaft.

In meiner Müttersprechstunde sollen sich deshalb alle Mamas angesprochen fühlen und so habe ich Nicole eingeladen. Und WOW – war das ein tolles Gespräch! Auch die Zuschauerinnen waren begeistert von dieser tollen Frau, die uns allen da in einer knappen halben Stunde so viele tolle Ideen, Buchtipps und Inspirationen für den Alltag gegeben hat. Nicole ist lebendig und sympathisch und man könnte ihr ewig zuhören. Daher möchte ich ihre vielen Tipps noch einmal zusammenfassen, die übrigens allen Eltern weiterhelfen. Nicole beschönigt nichts und sagt ganz offen, wie schwer es ist, alleine zu sein. Dabei versprüht sie aber so viel Lebensmut und Optimismus, dass man sich nach einem Gespräch mit ihr total gestärkt fühlt.

Nicoles Tipps für Alleinerziehende

Prima, um Kindern zu erklären, wieso ihre Familie irgendwie anders ist als die der meisten, ist

Du gehörst dazu: Das Große Buch der Familien* von Mary Hoffmann.

Warum ist der Papa weg? Solche Fragen schmerzen Mutter und Kind. Erklären konnte Nicole es ihren Kindern besser mit dem Buch Mondpapas. Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern*

Mama, sind wir bald da* von Pia Volk ist eine wahre Geschichte über eine alleinerziehende Mutter, die mit ihrem Kind die Welt bereist.

Stark und alleinerziehend* ist ebenfalls ein Buchtipp für Eltern, die alleine für ihre Kinder verantwortlich sind.

Schlaf endlich ein* von Helen Walsh ist ebenfalls eine Roman-Empfehlung von Nicole. Darin geht es um eine Mutter am Ende ihrer Nerven.

Nicole bleibt oft nichts anderes übrig, als sich alles so einfach wie möglich zu machen. Geholfen hat ihr dabei das Buch Slow Family. Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern* von Julia Dibbern und Nicole Schmidt, das ich auch mal rezensiert habe.

Mit dem artgerecht-Familienkalender* von Nicole Schmidt organisiert sich Nicole Termine im Alltag.

Nicole weist auf den Verband Alleinerziehender Mütter und Väter hin, der Eltern eine Anlaufstelle sein kann.

Außerdem schwört sie im Haushalt auf einen Saugroboter und da muss es nicht das teuerste Modell sein.

Sie empfiehlt allen Alleinerziehenden, sich in ihrer Stadt mal an die evangelischen Familienbildungsstätten, die Diakonien oder das Jugendamt zu wenden. Sie selbst hat den Dienst einer Erziehungslotsin in Anspruch genommen, die mit ihr über Erziehung gesprochen hat und ihr Tipps gab. In jeder Stadt gibt es solche oder ähnliche Angebote, man muss einfach mal nachfragen, rät Nicole.

Meine Ergänzungen

Mir fiel zum Thema Kinder alleine erziehen noch der neue Ratgeber von Christine Finke ein: Finanzplaner Alleinerziehende. Geld und Recht* sowie Christines Buch Allein, alleiner, alleinerziehend: Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt*.

Außerdem Caroline Rosales Buch Single Mom*

Die Blogs von Christine Finke, Mama arbeitet, von Annette Loers, Mutterseelesonnig und Johnnys Papablog sind für Alleinerziehende auch eine gute Adresse.

Ich finde Nicoles Tipps allesamt toll und ich habe eine Menge von ihr gelernt. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Internet geht nicht? Ist ganz schön blöd. Aber was solls, wir sind gesund und haben genug zu essen. Die To-Do-Liste ist ewig lang und du weißt nicht, wo du anfangen sollst? Dann setz dich erst einmal aufs Sofa und trink einen Kaffee. Sich zu sortieren und die Aufgaben zu priorisieren, das verlangt der Alltag in ihrem Fall ganz deutlich, wenn sie nicht untergehen will in all dem Stress. Und ich habe noch etwas gelernt: wir müssen uns stärker für Frauenrechte, ganz besonders die der Mütter und vor allem die von alleinerziehenden Müttern (und natürlich die der Väter) einsetzen. Danke, Nicole, dass du mich aufmerksam gemacht hast und danke, dass du deine Erfahrungen und Tipps teilst. Vielleicht schreibt Nicole bald selbst einen Blog? Zu sagen hätte sie genug!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Hinweis: Alle mit *gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate Links. Wenn du Bücher darüber kaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Wir könnten Nicole davon einen Büchergutschein spendieren. Wäre das nicht eine tolle Idee?

Hast du noch mehr Tipps für alleinerziehenden Eltern? Schreib sie mir gerne in die Kommentare, dann kann ich die Liste noch erweitern.

Mama-Support mit Sound

Schau doch mal in der Müttersprechstunde vorbei! Du kannst auch meinen Podcast abonnieren. „Lauras Müttersprechstunde“ findest du in allen Podcast-Apps, auf Itunes oder Spotify.

2 Comments

  1. Hi! Vielen Dank, für den tollen Artikel! Ich habe aber eine kritische Anmerkung: Warum schreibst du Mutter-Burnout? Ich lese den Begriff leider eher negativ, weil er mir suggeriert, dass es etwas anderes ist, als „normales“ Burnout, etwas das man abgrenzen muss. Ich sage auch nicht „Angestellten-Burnout“ oder „Arbeitslosen-Burnout“. Verstehst du, was ich meine? Der Begriff suggeriert mir, dass es etwas „Unnormales“ ist, das Mütter eigentlich nicht betrifft, dabei ist das Gegenteil der Fall.

    Viele Grüße
    Sabrina

    • Hallo Sabrina, Danke für deinen Kommentar. Nicole hatte, meine ich, selbst dieses Wort verwendet und ich benutze es auch. Aber keinesfalls abwertend, sondern im Gegenteil: es soll zeigen, dass besonders Mütter an Burnout leiden, denn sie haben einfach oft alles am Hals. Im Gegensetz zum Burnout im Job kann der Mutter-Burnout aber auch daher langen, dass Frauen sich zuhause um die Kinder kümmern und krank werden, wenn sie nicht unbedingt einer beruflichen Tätigkeit in Vollzeit nachgehen, sondern mit Mental Load belastet sind. Weil du theoretisch natürlich recht hast, denn Burnout ist Burnout, habe ich es geändert. Liebe Grüße, Laura

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