Tag

Mütter

Browsing

Meine Mütterkur neigt sich nun dem Ende zu und ich möchte dir gerne erzählen, warum die drei Wochen für mich unglaublich schön und wichtig waren. Vielleicht kommst du auch auf die Idee, eine Kur zu machen. Vielleicht aber inspiriert dich der eine oder andere Gedanke, um ein wenig Mütterkur in deinen Alltag zu bringen. Nun aber von vorne. Weshalb habe ich das gemacht, wie liefs und was habe ich gelernt?

Meine Auszeit: warum eine Mütterkur?

Jetzt, während ich hier auf meinem Bett in meinem schönen Zimmer sitze, sehe ich es noch deutlicher: der Alltag mit Kindern ist bunt und aufregend und bereichernd, aber in eben diesem Maße anstrengend. Damit meine ich nicht, dass Kinder anstrengend sind, sie sind nunmal einfach Kinder. Anstrengend ist es, mit ihnen gut um- und achtsam auf sie einzugehen, bei den ewigen Streitereien nicht auszuflippen, ihren Alltag gut zu organisieren und all die Wehwehchen zu trösten – jederzeit und ohne große Pausen.

Kein Wunder, dass ein Mensch, der die meiste Zeit für ein, zwei oder mehr Kinder zuständig ist, auf die Dauer nicht mehr kann, wenn er sich nicht die entsprechenden Pausen und Auszeiten gönnt. Ich habe sie mir nicht gegönnt, bin wie ein Duracell-Hase durch den Tag geturnt, hatte schon morgens um sieben ein ordentliches Tempo drauf und kam erst zur Ruhe, wenn ich um elf endlich ins Bett ging. Kein Wunder, dass ich Rückenschmerzen habe und oft das Gefühl verspüre, nicht mehr zu können.

Nun, wenn ich zurückblicke, verstehe ich mein eigenes Schema. Ich will immer alles erledigen und meine Aufgaben abhaken, es allen recht machen, mein Bild von einer guten Mutter erfüllen und nebenher eine unabhängige Erwachsene sein. Ich finde, das ist viel zu viel und dass es so nicht weitergeht. Die Mütterkur, das heißt drei Wochen lang für mich alleine sein mit ganz viel Zeit zum Nachdenken, hat mir ein ganzes Paket neuer Einsichten beschert und ich habe gemerkt, dass ich in der Vergangenheit das Unmögliche leisten wollte.

Mein Spiegelbild erkennen

Ein schönes Bild eines Brunnens liegt mir nun vor Augen: im Alltag ist so viel los, dass die Wasseroberfläche nicht zur Ruhe kommt. Ich erkenne mich selbst nicht mehr, weiß nicht, wer ich wirklich bin und was mir gut tut. Bastele ich Weihnachtsanhänger, weil ich glaube, das tun zu müssen, oder macht mir das wirklich Spaß? Spiele ich Lego mit dem Kleinen, weil ich denke, das tut eine gute Mutter eben, oder würde ich viel lieber mit Oskar lesen oder nur bei ihm sitzen? Reiße ich mir ein Bein für meinen Job aus, weil ich das von einer Selbstständigen erwarte, oder tue ich das doch für mich und mein Textbüro?

Hier, in den drei Wochen, bin ich sehr viel joggen gegangen – für mich der beste Weg um nachzudenken. Ich konnte aber auch prima nachdenken, während ich getöpfert oder Wirbelsäulengymnastik gemacht habe. Ganz wundervoll waren die Einzelgespräche, in denen ich mit professioneller Hilfe ein wenig tiefer in mein Inneres schaute. All das hat dazu geführt, dass die Wasseroberfläche in mir ruhig wurde. Beim Blick in die Tiefe konnte ich mich endlich wieder selber erkennen.

Mit dieser luxuriösen Ruhe, einem Bett nur für mich, morgens, mittags und abends köstliche Mahlzeiten, für deren Zubereitung ich keinen Finger rühren musste, mit Sport, Kreativangeboten und bereichernden Gesprächen mit anderen Frauen kam ich mir selber näher und kann nun viel besser verstehen, was mich so angetrieben hat.

Frauen unter Druck

Ich schreibe dir das auf, weil ich glaube, dass es sehr vielen Frauen heute so geht wie mir. Ob es Druck von außen ist, von Seiten der Familie, den Freunden, den Arbeitskollegen, den Bildern auf Instagram oder auch der Druck, den wir uns selbst auferlegen – diese Last kann krank, traurig und müde machen, wenn wir kein Ventil finden, um den Druck abzulassen. In Gesprächen mit meinen Freundinnen,  mit Leserinnen meines Blogs oder in der Müttersprechstunde auf Instagram erlebe ich das immer wieder. Und ich schreibe hier viel darüber, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ihren Teil dazu beiträgt. Krass ist auch der Punkt, dass wir es uns selbst schwer machen. Ich erlebe Frauen, denen vorgeworfen wird, dass sie mit kleinen Kindern früh wieder arbeiten gehen. Sie seien Rabenmütter und die Kinder brauchten sie doch. Ich erlebe genauso Frauen, die sich rechtfertigen müssen, dass sie eben nicht wieder arbeiten gehen und die der Anspruch belastet, schnell wieder an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch diese Zerissenheit und die Vorwürfe aus den eigenen Reihen können das Leben schwer machen.

Wo ist das Ventil?

Diesen Druck auszuhalten ist eine hohe Kunst und gelingt erst dann, wenn wir in uns hören oder in den Brunnen schauen, in dem die Wasseroberfläche wieder glatt geworden ist. Was ist mir in meinem Leben wichtig? Wie will ich meine wertvolle und viel zu knappe Zeit sinnvoll nutzen? Wie schaffe ich es, mich für das eine oder andere zu entscheiden, wenn ich nicht all das in meinen Tag stopfen kann, das ich gerne machen möchte? Wenn wir das herausfinden, können wir dem Druck von außen standhalten und den ewigen Kritikern stolz ins Gesicht sagen, dass die Gestaltung unseres Lebes unsere eigene Sache ist, denn wir haben sie gut bedacht und sie geht außer der Familie niemanden etwas an!

Wir sind alle verschieden und haben unsere individuelle Persönlichkeit. Ich habe für mich rausgefunden, dass ich beruflich nicht all das schaffe, was ich gerne möchte. Bald werde ich mehr arbeiten können, aber die nächsten Jahre ist die Zeit am Schreibtisch begrenzt. Das zu akzeptieren fällt mir schwer, denn ich möchte gerne finanziell unabhängig sein. Aber das könnte ich auch erreichen, indem ich mit Anton einen Vertrag abschließe, wie ihn Nicole Beste-Fopma in dem tollen Text bei den StadtlandMamas empfiehlt.

Termine mit mir selbst

Ich habe in der Kur nicht nur gelernt, die Dinge besser anzunehmen, sondern ich habe auch gelernt, dass ich nur glücklich sein kann, wenn ich genug Zeit für mich habe. Joggen gehen, lesen und fotografieren, das brauche ich genauso wie zwei Tassen Kaffee am Morgen oder den Kuss auf die süßen Pustebacken meiner Kinder. Logisch, so intensiv wie hier wird das im Alltag nicht gehen, aber die Termine mit mir selbst sind mir künftig so wichtig wie alle anderen, die in meinem Kalender stehen.

Der Psyche auf der Spur

Eine weitere sehr wertvolle Einsicht ist, dass ich es nicht allen recht machen kann und möchte. Es gibt da ein tolles Buch, das ich hier schon einmal vorgestellt habe. Das Kind in dir muss Heimat finden (Affiliate Link) hat mich auf die richtige Spur geführt. Nach einem Modell der Transaktionsanalyse von Arzt und Psychologe Eric Berne lässt sich unser Ich in ein Kind-Ich, ein Erwachsenen-Ich und ein Eltern-Ich einteilen.

Ich möchte es den Menschen immer recht machen und bin schnell traurig, enttäuscht oder frustriert, wenn ich das nicht schaffe, was logischerweise öfter passiert. Mein Erwachsenen-Ich sagt beispielsweise, wenn ich der Erzieherin erklären muss, dass ich es leider versäumt habe, einen Kuchen fürs Buffet zu backen: ist doch nicht weiter schlimm, es gibt genug Kuchen und du hattest so viel um die Ohren. Alles gut, keine Panik. Mein Eltern-Ich flüstert dann aber: du hattest versprochen, einen Kuchen zu machen. Was man verspricht, muss man auch halten, das habe ich dir immer gesagt. Und mein Kinder-Ich fängt an zu weinen und sagt: ich bin so traurig. Ich wollte es doch allen recht machen und jetzt ist die Erzieherin sicher enttäuscht, weil ich so eine unzuverlässige Person bin.

Dieses Kinder-Ich jammert und heult in mir den ganzen Tag, so bescheuert das auch klingt. Hier in der Kur habe ich verstanden, dasss es dies Stimmen in mir gibt. Mit denen kann ich besser umgehen und viel mehr auf mein Erwachsenen-Ich hören, das nämlich ganz gut ist im Einschätzen einer Sache.

Neue Wege: deine eigene Mütterkur

Ich mache mich also nun auf die Reise zurück in meinen Alltag und habe viele Notizen im Gepäck, wie ich die neuen Einsichten umsetzen kann. Konrete Ideen, weise Sprüche, ein Armband, das mich erinnern soll – all das sind Hilfen die hoffentlich vorbeugen, wieder in die alten Muster zu verfallen.

Ich kann dir so eine Kur sehr ans Herz legen. Vielleicht hast du ja die Möglichkeit, drei Wochen dem Alltag zu entfliehen. Es gibt Beratungsstellen der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung, die verschiedene Wohlfahrtsverbände wie die AWO, das Deutsche Rote Kreuz oder den Ev. Fachverband für Frauengesundheit e.V. zusammenfasst und dir kostenlos hilft. Google mal einfach nach deiner Stadt. Dort wird dir beim Ausfüllen der Anträge für deine Krankenversicherung geholfen oder es werden passende Kurhäuser empfohlen. Alternativ kannst du genauso nach einer Mutter-Kind oder Vater-Kind-Kur fragen. Alle Menschen in Erziehungsverantwortung haben Anspruch auf eine Vorsorge- oder Rehamaßnahme, wenn diese medizinisch indiziert ist oder dir dein Arzt oder deine Ärztin die Notwendigkeit attestiert. Übrigens hast du bei einer Mütterkur auch Anspruch auf eine Haushaltshilfe, denn es muss sich ja in deiner Abwesenheit jemand um die Kinder kümmern. Wir haben es so gemacht, dass wir die drei Wochen mit Antons Urlaub und Unterstützung der Großeltern und der Tante gut überbrückt haben. Außerdem hast du auch lange Zeit, alles vorzubereiten und zu planen. Von meinem Antrag bis zur Reise sind ungefähr zehn Monate vergangen.

Deine Kur zuhause

Solltest du dir so eine Kur nicht vorstellen können oder sind deine Kinder einfach noch zu klein, kann ich das auch gut verstehen. Es ist nicht so einfach, sich von zuhause zu lösen und manchmal fällt es auch den Kindern zu schwer. Heimweh ist nicht zu unterschätzen und ich habe viele Rückmeldungen von Frauen bekommen, die sich eine Mütterkur nicht vorstellen können. Eines ist mir aber wichtig: ganz sicher hast auch du viel zu wenig Zeit für dich selbst und nimmst dich viel zu unwichtig. Das Problem ist nicht nur, dass du sehr leidest, sondern dass auch die Familie aus dem Tritt gerät, wenn du nicht mehr kannst. Also nimm deine Pausen ernst und schaufel dir Zeit frei, und wenn es nur eine tägliche Kaffeepause von 10 Minuten sind. Spaziergänge an der frischen Luft, Bewegung in welcher Form auch immer oder kreative Hobbys wie Backen, Basteln, Bauen, Treffen mit Freundinnen oder einfach mal alleine sein… Mach zuhause deine eigene kleine Mütterkur und such dir ein Ventil. Auch so kannst du dafür sorgen, dass die Wasseroberfläche glatt wird und du dich klar und deutlich sehen kannst.

Alles Liebe für dich und bleib fröhlich und vor allem unperfekt!

Deine Laura

Vernetz dich mit Gleichgesinnten

Ich finde ja, Frauen-Support ist was richtig tolles, denn wir können uns gegenseitig super helfen und uns unterstützen. Das dachten sich auch Sabine und Charlotte und haben mit MamiConnection eine Plattform geschaffen, auf der sich Mütter mit Gleichgesinnten zusammentun. Es geht vor allem um Austausch und Unterstützung und hilft dir bei der Suche nach anderen Frauen mit Kindern.

Falls du also schwanger bist, einen Spielkameraden für dein Kind und eine Freundin für dich suchst oder vielleicht sogar ein Betreuungstandem gebrauchen kannst, hast du hier die Möglichkeit, kostenlos teilzunehmen. Nachdem ich bei den Mädels zu Gast sein durfte und von meinem Speiseplan für Kinder erzählt habe, möchte ich dir heute die Mami-Connection vorstellen. Deshalb habe ich den Gründerinnen ein paar Fragen gestellt, weil es mich sehr interessiert, wie es zu diesem Netzwerk kam und welche Ideen genau dahinter stecken!

Foto Credit: Verenafotografiert

Laura: Was war der Auslöser dafür, dass ihr MamiConnection gegründet habt?

Sabine: MamiConnection ist tatsächlich aus meinem eigenen Bedarf entstanden. Als frischgebackene Mama bewegen wir uns ja auf ganz neuem Terrain. Mit dem Mamasein bekam auch mein Leben einen ganz neuen und wunderbaren Mittelpunkt. Mein Tagesablauf kollidierte dadurch aber mit dem meiner kinderlosen Freunde und meine Interessen und Prioritäten verschoben sich. So wurde bei mir natürlich auch der Wunsch nach neuen Kontakten und nach Austausch mit Gleichgesinnten sehr groß. Das war schließlich die Geburtsstunde der Idee zu MamiConnection –  eine Plattform auf der man gleichgesinnte Mamis in der Nähe über ein Matching System findet. Das ist nun über 4 Jahre her.

Laura: Warum war es so schwer, gleichgesinnte Mamis zu finden?

Charlotte: Es ist nicht schwer, andere Mamas in der gleichen Situation zu finden – aber es ist oftmals so, dass man charakterlich nicht so richtig zusammen passt. Ich kenne Mütter, die sich aus Mangel an Alternativen einer Gruppe Mamas angeschlossen haben, obwohl sie als Typ gar nicht zueinander gepasst haben. Das muss nicht so sein. Bei uns können die Mamas zum Beispiel nach persönlichen Interessen und Hobbys suchen, oder nach Lebenssituation (z.B. alleinerziehend) und finden genau die Mamas, die ihre Interessen teilen. Damit man auch nach einem Jahr nicht ausschließlich über Windeln, Beikost und Babyschlaf quatscht, sondern auch darüber hinaus eine gemeinsame Ebene findet.

Foto: Linda Duschek

Laura: Hat das auch etwas mit der Großstadt zu tun?

Charlotte: Ich glaube nicht, dass das nur ein Großstadtproblem ist. Gerade in ländlicheren Regionen passiert es vielleicht sogar noch seltener, dass man einer gleichgesinnten Mama über den Weg läuft. Sicherlich gibt es auf dem Dorf noch die Famlie, die unterstützend zur Seite steht. Aber einer Freundin, die in der gleichen Situation wie man selbst steckt, öffnet man sich ganz anders. Jede Mama braucht so eine Mama-Freundin.

Laura: Was genau ist MamiConnection und was bringt mir der Mamifinder?

Sabine: Grundsätzlich geht es bei MamiConnection darum, mit Hilfe des Matching-Systems gleichgesinnte Mütter in der Nähe zu finden, sich mit diesen auszutauschen, sich zu unterstützen und im „echten“ Leben zu treffen. Hier sind wir Mamas ganz unter uns und können nach Herzenslust unser Mutterdasein ausleben. (Bald-)Mamas wie Du und ich finden ganz unverbindlich, Gleichgesinnte in unmittelbarer Umgebung für Betreuungstandems, Spielplatzdates, Austausch und viele nützliche Empfehlungen rund um den Mama-Alltag.

Das „Herzstück“ von MamiConnection ist der MamiFinder, mit dem sich gezielt Gleichgesinnte in der Umgebung mit gleichaltrigen Kindern, ähnlichen Interessen und Tagesabläufen finden lassen.

Foto-Credit: Verenafotografiert

Laura: Bringt mir MamiConnection auch etwas, wenn ich wieder arbeiten gehe?

Charlotte: Auf jeden Fall. Über MamiConnection kannst du als registrierte Mama ein sogenanntes Betreuungstandems bilden. Das heißt, zwei oder mehr Mamas schließen sich zusammen und organisieren die Betreuung ihrer Kinder privat und untereinander. So können beide Mamas stundenweise arbeiten, während die jeweils andere Mama die Kinder betreut. Gerade für Mütter, die bei der Suche nach einer geeigneten Tagesmutter scheitern oder einfach gern ein paar Stunden in der Woche Zeit für sich oder die Arbeit brauchen, ist dieses Modell ideal.

Sabine: Ja, und darüber hinaus ist doch auch für uns „Working Moms“ ein Austausch und Support unter Gleichgesinnten extrem wichtig!

Laura: Wieso sollten Mamis zusammen halten?

Sabine: Gerade in der überwältigenden ersten Zeit des Mamaseins ist der Austausch mit Gleichgesinnten so wichtig. Meist ist es doch so, dass die beste Freundin gerade nicht zeitgleich ein Kind bekommt. Die Suche nach Gleichgesinnten beginnt dann schon in der Geburtsvorbereitung und spätestens, wenn sich die Zeit des Wochenbetts dem Ende neigt, sehnt man sich nach Mamis mit ähnlichen Bedürfnissen und Herausforderungen. Um sich auch mal Trost zu spenden und gleichzeitig zu wissen, dass man mit seinen Schwierigkeiten nicht allein ist. Aber natürlich auch, um die schönen Momente miteinander zu teilen. Oder schlichtweg Abwechslung in seinen Alltag zu bringen. Und im besten Falle entstehen daraus echte Mama-Freundschaften.

Foto: Linda Duschek

Charlotte: Nicht nur Mamis, Frauen im Allgemeinen sollten mehr zusammen halten. Es ist schlimm genug, dass Frauen und Männer immer noch nicht gleichberechtigt sind. Gerade da ist Solidarität unter Frauen total wichtig. Neulich stieß ich auf den Hashtag #hersucessisnotmyfailure und dachte „Jaa, genau so ist es.“. Es gibt genug Gutes da draußen, dass es für uns alle reicht. Und es hilft niemandem, wenn wir neidisch auf den Erfolg anderer schauen. Lasst uns lieber gegenseitig unterstützen. Das war für uns auch der Grund, auf unserem Blog tolle und kreative Frauen und Gründerinnen zu portraitieren. Um anderen Müttern Mut zu machen und diese tollen inspirierenden Frauen gleichzeitig zu supporten.

Laura: Was kostet MamiConnection?

Charlotte: Für die Mamas kostet es nichts. Und das soll auch so bleiben J !

Laura: Was kann ich mir unter einem Mami-Tandem vorstellen?

Sabine: Über den Austausch hinaus war es mir sehr wichtig – gerade im Hinblick auf die aktuelle Betreuungsplatzmisere – die Möglichkeit zu schaffen, sich gegenseitig die Kinder abzunehmen. Auf MamiConnection kannst du als Mutter ein Betreuungstandem mit einer anderen Mama bilden. Dadurch könnt ihr euch gegenseitig – ganz bequem und nach eigenem Bedarf – die Kleinen abnehmen. Über die Chatfunktion haben die Mamis zusätzlich die Möglichkeit, spontan und direkt mit neu gewonnenen Freundinnen in Kontakt zu treten. Dabei bestimmen sie selbst, wie viel sie von sich preisgeben, nach welchen Kriterien sie suchen, mit welcher Mama sie sich treffen oder wie weit sie für ein Betreuungstandem fahren möchten.

Laura: Nutzt ihr MamiConnection auch selber? 

Charlotte: Klar, uns findet man auch bei MamiConnection. Ich hätte mir gewünscht, dass es MamiConnection schon vor gut fünf Jahren gegeben hätte. Mittlerweile bin ich aber mit zwei Kitakindern schon ganz gut vernetzt. Aber auch bei mir steht bald ein Umzug bevor – und da werde ich definitiv schauen, wer sich dann in meiner direkten Umgebung so tummelt.

Sabine: Mich findet man natürlich auch auf MamiConnection. Uns ist es sehr wichtig, mit den Müttern auf unserer Plattform ins Gespräch zu gehen und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Foto: Linda Duschek

Laura: Wie finanziert ihr euch?

Sabine: MamiConnection haben wir vor einem Jahr gelauncht und sind mit dem Netzwerk in der Grünsingsphase. So langsam fangen wir an, uns über Advertorials und Kooperationen auf unserem Blog und den Social Media Kanälen zu finanzieren. Weitere Ideen zu Kooperationen – wie etwa eine „Welcome-Box“ für alle neu registrierten Mütter – sind in Planung J Uns ist es dabei sehr wichtig, authentisch zu bleiben. Dabei steht bei uns immer der Mehrwert für unsere Mamis im Fordergrund. Für die Vorweihnachtszeit haben wir z.B. an jedem der Advents-Sonntage tolle Verlosungen rund um das Mama-Sein.

Laura: Was habt ihr mit MamiConnection vor?

Charlotte: Das Feedback auf das Netzwerk war von Anfang an großartig. Die Nutzerzahlen steigen stetig und wir bekommen tolle Rückmeldungen von Müttern zu unserer Idee. Sabine und ich hinterfragen die Features von MamiConnection regelmäßig und schauen ständig, wie wir die Community weiter optimieren können. Ein kleiner Relaunch steht vor der Tür und auch an einer App arbeiten wir gerade. Außerdem haben wir ganz neu die Sparte Events auf der Seite integriert. So kannst du als registrierte Mama ganz einfach Events in deiner Stadt/Region teilen und Mama-Freundinnen dazu einladen.

Laura: Was gibt es im Blog oder im Forum?

Sabine: Auf unserem Blog schreiben wir über Schönes und Nützliches in unserem Mamaalltag, über inspirierende Mütter mit außergewöhnlichen Businessideen, lesenswerten Blogs oder großem Engagement für ein Herzensthema. Wir schreiben über das Reisen mit Kind und über die vielfältigen Möglichkeiten einer entspannten Freizeitgestaltung als Familie. Wir zeigen gute und einfache Rezepte für die schnelle Küche. Und suchen nach Antworten auf Fragen, die werdende Mütter bewegen.

Charlotte: Das Forum bietet darüber hinaus eine Plattform für Austausch und Diskussion. Ganz egal, welches Thema dich als Mama gerade beschäftigt oder welche Frage dich bewegt, hier kannst du dich in offener Runde austauschen, Meinung/Erfahrung teilen oder um Hilfe bitten.

Sabine: Und genau das ist auch unser Credo: Scheut euch nicht nach Hilfe zu fragen, wenn ihr sie braucht. Verbindet euch mit Gleichgesinnten und unterstützt euch gegenseitig. Gemeinsam mit Anderen macht das ‚Mama-Sein’ einfach viel mehr Spaß!

Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Charotte und liebe Sabine. Und klasse, dass ihr euch so für Familien engagiert.

Wie wärs, meld dich doch bei Mami-Connection an und schau mal nach, ob da nicht in deiner Nähe eine Frau mit Kind oder Kindern lebt, mit der du dich zusammentun kannst? Gemeinsam Kaffee trinken, nicht länger alleine auf dem Spielplatz rumhängen oder auch mal jemand für die Kinder haben, wenn du einen dringenden Termin hast. Ich drück dir die Daumen!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Für noch mehr Mütter-Support schau doch mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Dort tauschen wir uns in der Müttersprechstunde regelmäßig aus und teilen Kummer, Leid und natürlich auch das große Glück!

Letzte Woche habe ich sehr an mir gezweifelt. Ich bin nicht in der Lage und ich habe auch nicht die Nerven, drei Kinder zu betreuen. Morgens schon beim Aufstehen graute mir vor all dem, was da kommen sollte. Und abends ging ich mit großem Kummer und Rückenschmerzen ins Bett. Immer wieder hämmerte mir eine Frage im Kopf herum: wie machen das denn all die anderen Eltern? Haben sie ein Geheimrezept? Stärkere Nerven? Superkräfte? Oder war ich einfach nicht dazu in der Lage, eine gute Mutter zu sein?

Morgen des Grauens

Bei uns kommt gerade alles zusammen: Oskar hat mit seinen zwei Jahren einen sehr starken Willen. Vom Zähneputzen übers Anziehen, vom Wickeln übers Schuhe aussuchen, alles ist ein einziger Kampf und eigentlich nur mit sehr viel Geduld und Ruhe zu bewältigen. Alles ganz normal, ich weiß; da muss ein kleiner Mann üben, groß zu werden. Dann habe ich da ein Schulkind, das auch völlig normal ist. Es zieht sich ganz normal an, nämlich sehr, sehr langsam. Dabei hat es tausend Dinge im Kopf, nur nicht die Schule. Das Shirt ist falsch rum, die Hose offen. Zähne putzen hat es trotz hundertfacher Aufforderung vergessen. Das Töchterlein reiht sich ein in die Riege völlig normaler kleiner Mädchen. Es möchte keine schwarze Matschhose anziehen und es ist ihr egal, dass wir das teure Ding gebraucht und für einen super Preis bekommen haben. Sie trägt kein Schwarz, da kann ich mich auf den Kopf stellen.

Ich mag nicht mehr

Nachmittags haben alle drei dann auch noch die Suppe einstimmig für eklig erklärt, die ich mit viel Liebe und Kürbis gekocht habe. Aber welches Kind mag schon Kürbis? Alles in allem ein ganz normaler Tag mit Kindern, die sich so verhalten wie es Kinder tun. Und trotzdem war es für mich schlimm. Schlimm deshalb, weil ich mir Mühe gegeben hatte, endlich vernünftige Matschsachen für Luise zu besorgen, die wasserdicht sind. Schlimm, weil ich morgens unter Zeitdruck nicht die Nerven habe, einem Kleinkind zehn Geschichten von Bobo zu erzählen, nur damit es sich die Zähne putzen lässt. Und ich hatte absolut keine Lust mehr, einem Schulkind alles hundert Mal sagen zu müssen.

Ich war fertig mit den Nerven und vor allem so müde – müde vom Mamasein. Die Tür war zu, alle Kinder aus dem Haus und mir war nur noch danach, mich auf den Boden zu setzen und zu heulen. Wieso war ich so durch mit allem? Konnten andere Eltern all das normale Theater mit den Kindern besser ab? Warum hörte ich nie die Nachbarinnen brüllen, sondern nur mein Gekeife, das durch die Gasse hallte?

Mütter-Support in der Sprechstunde

In der Müttersprechstunde auf meinem Instagram-Kanal erzählte ich wenig später von den Fragen, die ich mir stellte. Dort hat sich eine kleine Runde etabliert, in der ich vormittags live ein paar Dinge bespreche, die uns Eltern betreffen. Das Finanzprojekt #MamasUndMoneten von Sophie und mir, Mamasein im Allgemeinen, Gleichberechtigung oder sonstiges, was mir so durch den Kopf geht. Und heute erzählte ich mal ein wenig Privates von mir, und dass mir da so einiges über den Kopf wächst.

Die Reaktionen auf mein Geständnis waren zahlreich und selten habe ich so viele Nachrichten bekommen. Immer war der Inhalt ähnlich: Ganz genau wie ich hatten so viele Frauen manchmal von allem zu viel. Eine Mutter schrieb, dass sie manchmal in der Küche sitzt und weint, weil ihr der Alltag mit ihren drei Mädchen so zusetzt. Eine andere berichtete, dass sie nie so fix und fertig ist wie nach einem ganzen Tag alleine mit den Kindern. Wieder eine andere berichtete mir, ihr würden die gleichen Fragen wie mir durch den Kopf gehen und sie frage sich, ob sie in der Lage ist, eine gute Mutter zu sein.

Auch wenn mir all die anderen Mütter so leid taten wie ich mir manchmal selber, war ich irgendwie erleichtert. Ich war nicht alleine mit diesem Gefühl! Es waren sogar die meisten, die hin und wieder dachten wie ich, ihre dicken Tiefs durchstehen mussten und stark an sich zweifelten. Dabei war auch die Anzahl der Kinder völlig egal. Allen Müttern , ob mit ein, zwei oder mehr Kindern, geht es ab und an mal so, nichts mit immerwährendem Bilderbuch und heiler Welt. Und irgendwie ist das ja auch klar! Wir ziehen Kinder groß, kleine Menschen mit eigenem Kopf. Wir erziehen modern, das bedeutet, wir zwingen ihnen nicht unseren Willen auf, sondern wir nehmen sie ernst und sprechen viel mit ihnen. Wir verzichten selbstverständlich auf Gewalt, auch wenn uns ehrlich gesagt manchmal vor Wut nach einem Klaps auf den Po wäre. Und die Kinder üben ihren Willen. Sollen sie auch, aber das kostet alles ihre und unsere Kraft. Kinder mit Geduld, Spucke und Liebe groß zu ziehen ist anstrengend. Ich habe in meinem ganzen Leben auch noch nie etwas Anstrengenderes gemacht, als ein wütendes Kleinkind davon zu überzeugen, doch jetzt mit mir von der Tagesmutter nach Hause zu gehen, weil dort die Tochter sitzt, die ebenso wütend ist und gerade das Inventar des Wohnzimmers zerlegt (es gab keinen Nachtisch oder nicht den richtigen oder was weiß ich, was der Grund dafür war…). Danach hätte ich mich für drei Stunden aufs Bett legen können, um an die Decke zu starren, so alle war ich. Aber ich musste meinem Großen bei den Hausaufgaben helfen, die er heute besonders doof fand…

Lasst uns darüber reden

Ich habe mal wieder viel gelernt durch den Austausch mit anderen Müttern! Wir müssen ehrlich darüber sprechen, was uns als Eltern auf dem Herzen liegt. Wir alle zweifeln mal an uns, wir alle halten uns ab und zu für schlechte Väter oder Mütter. Aber alleine, dass wir darüber nachdenken, macht uns zu besseren Eltern. Wir machen alle Fehler, sind ungeduldig und motzen unsere Kinder an, denn wir sind alle Menschen, die jeden Tag ganz schön viel leisten. Wenn wir über diese Zweifel sprechen und zugeben, dass wir diese Fehler machen, dann werden wir alle erleichtert sein. Denken wir nicht alle mal daran wie schön es wäre, den Eltern-Job für ein paar Tage an den Nagel hängen zu dürfen und einfach nur an uns selbst zu denken?

Ich habe neulich sogar in einer Doku, die ich um Fernsehen sah, eine Nonne um ihr Leben beneidet, das sagt ja schon alles. Es geht anderen wie mir, auch andere Mütter und Väter stoßen an ihre Grenzen, auch andere Mamas sitzen mal in der Küche, weinen vor Erschöpfung und möchten gerne ihren Alltag tauschen. Das ist alles ganz normal. Lasst uns darüber sprechen, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Und jede Mutter weiß, dass nach so einer Zeit, in der einem jeder Tag wie eine einzige Aneinanderreihung von Hürden aus Trotzanfällen, Streit und Diskussionen vorkommt, wieder eine Zeit kommt, die sich anfühlt wie Zuckerwatte: Mamas, die tanzen, Kinder, die lachen und eine Familie, die Hand in Hand durchs Leben geht.

Bleib fröhlich und denk daran: wir sind alle unperfekt,

deine Laura

Im Leben tun wir Dinge, die gut, schön und wunderbar sind, aber trotzdem sehr, sehr weh tun. Ich denke da an meine Freundin, die den Jakobsweg gegangen ist. Sie hatte Gründe genug, loszulaufen, und schaut nun auf eine Reise zurück, bei der sie neue Freunde, eine Menge Erfahrungen und tiefe Einblicke in ihre Seele gewonnen hat. Aber es gab Momente, da hat sie nur geweint. Warum tue ich mir das an, hat sie sich gefragt. Sie saß mit offenen Blasen an den Füßen und bei strömendem Regen mitten auf dem Camino Frances, verfluchte ihre Idee, wollte zurück in ihre kleine, warme Wohnung in Berlin und hatte keine Lust mehr, auch nur einen einzigen Schritt zu tun.

Mein Jakobsweg

An meine Freundin denke ich oft, denn ich gehe meinen eigenen Jakobsweg. Mein Ziel ist nicht die Kathedrale in Santiago. Mein Ziel ist, drei Kinder auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten, ihnen eine schöne Kindheit mit Liebe und Geborgenheit zu schenken und sie dadurch zu herzensguten, verantwortungsbewussten und für sich selbst und andere sorgende Menschen zu machen. Dieser Weg wird sich lohnen, das weiß ich. Und Kinder zu bekommen war die beste Idee, die ich in meinem Leben hatte. Dennoch sitze ich gerade mitten im strömenden Regen auf einem kleinen Stein. Mir tut der Rücken weh, ich bin am Ende meiner Kräfte und ich weiß nicht, wie ich die vielen Schritte schaffen soll, die vor mir liegen.

Mutmacher

Oft sind es in solchen Momenten andere Menschen, die wir treffen, die uns Mut machen. So war es auch bei meiner Freundin, die mit ihrem offenen und strahlenden Wesen immer Seelenverwandte findet, egal wo sie ist auf der Welt. Die eigenen Sorgen teilen, Schwächen zugeben und herzhaft über sich selbst lachen können – mit diesem Rucksack voll Eigenschaften öffnen sich meiner Freundin Türen und Tore und sie fühlt sich geborgen, auch wenn sie fern von zuhause ist.

Mutig sein heißt, darüber zu sprechen, dass wir manchmal nicht mehr können. Dass wir Dinge hinterfragen, die in unserem Leben schief zu gehen scheinen. Wenn wir unser Unglück teilen, finden wir andere, denen es eben so geht. Dann wissen wir: wir sind nicht alleine mit diesem Berg von Sorgen, mit dieser Last.

Seelenverwandte

Ich scrollte neulich durch meine Timeline. Da ploppte ein Facebook-Post von einer geschätzten Bloggerin auf Infemme.com und erfolgreiche Autorin zahlreicher toller Bücher auf. Sie heißt Rike Drust und meldete sich mit einem Kommentar, den ihr eine Leserin zukommen ließ. Die Leserin wollte anonym bleiben und die Community um Rat in ihrer Situation bitten. Der Text war sehr lang, aber schon beim Überfliegen der Schilderungen dieser fremden Frau war ich gerührt.

Sie ist 34 Jahre alt, wie ich. Sie hat drei Kinder, wie ich. Und sie ist erschöpft, wie ich. Sie erzählt, wie kaputt sie von ihrem Alltag ist. Diese völlige Selbstaufgabe, dieses Chaos im Haus, diese Nerven kurz vorm Kollaps:

„Nur der Alltag stresst mich extrem. Drei Jungs mit unterschiedlichen Bedürfnissen wollen 24h Mama haben, die ihre Bedürfnisse befriedigt. Ich habe das Gefühl, es nimmt mir die Luft zum Atmen. Ich fühle mich oft wie in einem Gefängnis.
Es ist wirklich nur Stress. Es geht morgens schon los- früh aufwachen, obwohl die Nacht mit einer kurzen Unterbrechung nicht so erholsam war, duschen in Sekundenschnelle, Kinder fertig machen- zwei an der Zahl, mit dem großen Jungen diskutieren über Pubertätskram.
Ich schwitze, wenn ich das Haus verlasse und bin total genervt!“

Sie schreibt darüber, wie schön es ist, ein paar Stunden in Ruhe ihrem Job nachzugehen, während die Kinder in Kindergarten und Schule sind. Der Blick auf die Uhr und das Ende dieser Entspannungsphase macht ihr Bauchschmerzen. Sie schildert ihren Nachmittag, der wild und laut ist, in der keine Zeit bleibt, um alleine auf die Toilette zu gehen, weil der 2-jährige Sohn so an ihr klebt. Sie erzählt, dass sie mit schlechtem Gewissen von einem Leben ohne Kinder träumt:

„Ja, richtig, zur Zeit denke ich sehnsüchtig nach einem Leben ohne Kinder und Stress hinüber. Ich stelle mir vor, dass ich dreimal die Woche in mein Fitnessstudio gehen könnte, ich hätte zusammen mit meinem Mann „Geld ohne Ende“, ich könnte nachmittags einfach direkt nach der Arbeit in das saubere, ruhige Haus und den nächsten entspannten Weihnachtsbummel oder Urlaub mit Freunden und Mann planen.“

Sie berichtet weiter, wie sehr sie mit sich hadert, dass sie so denkt. Warum schaffen alle anderen Mütter das alles, und vor allem: wie schaffen sie es? Außerdem klingt ihre Angst mit, all diese Dinge so zu äußern. Wir alle kennen die Reaktionen im Netz, wenn eine Mutter ihre Situation beklagt. Da hagelt es Kritik und Boshaftigkeit, immer klingt der Vorwurf mit, wer sich beschwere, sei keine gute Mutter. Deshalb fragt sich die Schreiberin:

„Wieso dürfen wir Frauen das nicht fühlen und benennen in unserer Gesellschaft, ohne gleich als Rabenmutter oder psychisch instabile Persönlichkeit gesehen zu werden? Ist es nicht normal, dass man als Mensch auch Mensch sein will?“

Ich kenne diese Gefühle

Mich hat der Text so berührt, weil ich mich an vielen Stellen wiedergefunden habe. Diese Kraftanstrengungen, die es braucht, um drei Kinder zu betreuen. Diese Müdigkeit und die Erschöpfung. Der Wunsch, heute Nachmittag einfach mal keinen der Drei abholen und bespaßen zu müssen. Auch ich bin es so leid, dauernd aufzuräumen. Meine Kinder veranstalten bei uns zuhause in nur zwei Stunden ein riesen Chaos. Wo ich zuvor noch aufgeräumt und geputzt habe, ist es bald schmutzig und durcheinander. Ja, so ist es, wenn Kinder im Haushalt leben. Aber hin und wieder bin ich so müde, dauernd für Ordnung sorgen zu müssen. Unser Krabbelkind ist den lieben langen Tag damit beschäftigt, Becher auszukippen, vom Stuhl zu fallen und Krümel im ganzen Haus zu verteilen. Ich mag die Streiterei zwischen den Großen nicht mehr hören und das viele Geschrei raubt mir oft die Nerven.

Mich hat noch etwas berührt, das auch die Autorin Rike Drust zu einem Kommentar veranlasste. Beim Lesen der Zeilen schwante mir schon der Inhalt der Community-Kommentare, mittlerweile sind es 205 an der Zahl. Vermutlich würden hier wieder Hasstiraden geschwungen über Frauen, die ihre Mutterrolle nicht annehmen würden, die egoistisch seien, wo doch Frauen als Mütter klaglos Haushalt und Kinderbetreuung mit Glückseligkeit hinzunehmen hätten. Ich selber veröffentliche meine Texte, in denen ich offen und ehrlich über das Kinderhaben schreibe, immer mit einem unguten Gefühl und habe Angst vor einem Shitstorm der Mütter-Front. Aber die Community von Rike Durst reagierte ganz anders! Alle hatten großes Verständnis, schrieben, dass es ihnen ähnlich ginge. Machten Mut und versuchten, hilfreiche Tipps zu geben. Das hatte ich nicht erwartet!

Rike Durst schrieb dazu: „Eure Solidarität und Euer Verständnis haben mir eben glückliche Tränen in die Augen getrieben. ICH BIN SO VERLIEBT IN EUCH ALLE! UND ICH MÖCHTE JEDER VON EUCH EIN GEHEIMANSTECKZEICHEN GEBEN, DAMIT WIR UNS ALLE ERKENNEN KÖNNEN.“

Mütter-Support

Eben erst hatte ich meine eigene Situation beweint. Dann kamen mir die Tränen in die Augen, weil ich die Frau mit ihrem Text so gut verstanden habe. Die nächsten Tränen heulte ich aus Rührung über die Anteilnahme der anderen Frauen. Oft plädiere ich hier auf dem Blog für mehr Solidarität unter Müttern. Diese Woche habe ich einen Gastbeitrag auf Sonjas Blog Mamanotes veröffentlicht, in dem ich mich für mehr Zusammenhalt aussprach. Wie schön, dass es diese Solidarität unter Müttern tatsächlich im Netz gibt.

Ich möchte aber auch der unbekannten Mutter sagen, wie mutig ich es finde, ihre Sorgen und Nöte im Netz zu teilen. Falls du mich hörst, liebe Schreiberin da draußen: ich habe deinen Text ausgedruckt und in meinen Wintermantel gesteckt. Als ich mich gestern aufmachte, um meine Kinder abzuholen, und mir der Weg schwer fiel, weil ich wusste, dass da wieder ein ziemlich anstrengender Nachmittag kommen würde, da hat mir der Zettel ganz viel Mut gemacht. Ich wusste, dass ich nicht alleine bin. Dass es eine Tatsache ist: Kinder oder ein Kind erziehen und betreuen kann ein Kraftakt sein, der uns hin und wieder alles abverlangt. Ich wusste, dass es nicht an mir liegt, dass ich nicht überempfindlich, ungeduldig oder gar eine schlechte Mutter bin, weil ich nicht immer Glück fühle, sondern auch mal traurig und erschöpft bin. Dass es ein normales Bedürfnis ist zu wünschen, dass es mal einfach wieder um MICH geht – das war Balsam für meine Seele.

Auf nach Santiago

Wir können das Kinder-Haben sehen wie eine Reise auf dem Jakobsweg. Es wird die bereicherndste Reise sein, die wir in unserem Leben gemacht haben: da ist ganz viel Glück und Zufriedenheit. Stolz auf unsere Söhne und Töchter, unglaublich viel Zuneigung und Liebe. Tiefe Einblicke in unsere Seele, in unsere Vergangenheit und in die dunklen Seiten unseres Ichs. Und es wird immer und immer wieder Momente geben, in denen wir heulend im Regen sitzen und unsere Wunden lecken. Wenn wir dann ehrlich sind, unsere Sorgen und Ängste teilen und uns gegenseitig unterstützen, dann fassen wir Mütter neuen Mut und bekommen neue Kraft. Auf, in Richtung Santiago, Mädels, wir schaffen das – gemeinsam!

Danke für deinen Text, liebe fremde Person. Du hast in mir eine Schwester im Geiste!

Bleib fröhlich und unperfekt,

Laura

Ps.: Danke auch an Rike Drust, die vielleicht im Gefühl hatte, was die Worte in vielen Lesern auslösen würden. Ich liebe deine Bücher „Muttergefühle. Gesamtausgabe“ und „Muttergefühle. Zwei: Neues Kind, neues Glück“ und empfehle sie hiermit allen Müttern dringend weiter!

Mehr von Heute ist Musik! Wenn du Lust hast, öfter Beiträge von uns zu lesen, dann klick doch auf unserer Facebook-Seite auf Gefällt mir. Dort posten wir neben unseren Artikeln noch viele lesenswerte Texte anderer Blogger, erzählen ein bisschen aus unserem Alltag und veranstalten ab und zu Gewinnspiele. Oder du trägst dich in der rechten Seitenleiste des Blogs mit deiner Email-Adresse ein. Dann bekommst du eine Mail, sobald ein neuer Text online geht. Wir freuen uns, dich hier wieder zu treffen!

Manchmal liege ich abends im Bett. Kurz vor dem Einschlafen läuft ein Film vor meinem inneren Auge ab: ich bringe Jimmy und Luise in den Kindergarten, Luise steigt aus dem Auto, rennt über die Straße, aus den Augenwinkeln sehe ich einen Lastwagen kommen – rumms! Dann sitze ich vor Schreck senkrecht, mein Herz klopft, ich kann mich kaum beruhigen. Seit Jimmys Geburt laufen vor meinem inneren Auge immer mal wieder ganz schreckliche Filme ab, von Babys, die aus dem Fenster fallen, Kindern, die vor die S-Bahn plumpsen und andere Horror-Alpträume. Und dann wird mir wieder klar, was ich mir mit Beginn der ersten Schwangerschaft aufgehalst habe: Sorgen so groß wie der Mont Blanc und so schwer wie ein 100 Kilo-Sack Zement auf meinen Schultern. Diese trage ich mit mir herum und werde sie wohl mein Leben lang nicht mehr los. Sie drehen sich um die Kinder, um deren Gesundheit, Zukunft, Zufriedenheit und Wohlbefinden.

DSC_0075.JPG

Die Schwangerschaft ist nur der Anfang

Eine Bekannte erzählte mir neulich von ihrer Schwester, die das erste Kind bekommen hatte. „Werden die Sorgen nun weniger, wenn das Kind geboren ist?“ fragte die Neumutter hoffnungsvoll. Meine Bekannte musste ihr möglichst schonend die Wahrheit sagen: „Weißt du was? Die Gedanken um ein Baby im Bauch, ob es wohl gesund sein wird, ob es behindert oder krank sein könnte, und all die Schauergeschichten rund um die Pränataldiagnostik, das ist nur der Anfang.“

Das Schlimme ist manchmal, dass die Sorgen mit dem Alter und den Erfahrungen zunehmen, auch was die Schwangerschaft betrifft. Ich bin Anfang Dreissig, haben nun im Bekanntenkreis mehr als zwei Dutzend Mütter. Einige davon haben rund um die Geburt schlimme Geschichten erlebt oder kennen mindestens eine Geschichte aus deren Bekanntenkreis, die nicht so gut ausging. Auch Ärzte erläutern ja gerne mal, was alles passieren kann, von der missglückten Hausgeburt bis hin zu Toxoplasmose-Infektionen mit ihren fatalen Folgen.

Leider sind die Sorgen mit Geburt eines gesunden Kindes nicht hinfällig geworden. Wir Mütter fürchten uns schon, wenn das Baby nicht wie die anderen mit neun Monaten sitzen kann, und bibbern, ob der Säugling an einem frühkindlichen Autismus leidet, wenn er nicht wie im Buch beschrieben nach ein paar Lebenswochen lächelt wie ein Sonnenschein. Die ersten Lebensmonate der Kinder stand ich stündlich an Bettchen, Kinder- oder Stubenwagen und prüfte deren vorhandenen Atem. Als Luise und Jimmy nach acht Monaten länger als fünf Stunden schliefen, brachte mir das überhaupt nichts, denn nun wachte ich alle zwei Stunden auf und schaute, ob sie noch unter den Lebenden weilten. Aber das sind Kinkerlitzchen.

Oft saß ich die letzen Jahre mit rasendem Puls nachts am Bett eines fiebernden Kleinkinds, das Thermometer parat und minütlich messend, ob die Temperatur weiter steigt. „Sollen wir in die Notfallambulanz fahren?“, habe ich Anton um halb zwei gefragt, und seine rollenden Augen ignoriert.

Die anfangs beschriebenen Gruselgeschichten, die mich beim Einschlafen ins Gehirn schleichen, nähren sich aus Film, Fernsehen und sonstigen Medien, in denen traurige Kinderschicksale eine Rolle spielen. Welche Mutter kann denn überhaupt noch einen sonntäglichen Tatort sehen, in dem ein Kind entführt oder wie letzten Sonntag erschlagen wird? Ich selbst schaffe es nicht mal mehr, eine Reportage über Pinguine anzuschauen. Denn immer wird dabei gezeigt, wie die Pinguin-Papas ihr Ei verlieren, das sie auszubrüten gedenken, oder wie sich die Babypinguine verlaufen und dann erfrieren. Mein Mutterherz zieht sich dann schmerzend zusammen und ich muss unweigerlich umschalten.

Wenn ich jetzt daran denke, dass Jimmy, Luise und Oskar irgendwann mal den Führerschein machen wollen, wird mir Angst und Bange. Aber erst einmal muss ich mich daran gewöhnen, dass Jimmy im nächsten Jahr in die Schule gehen wird, und das zu Fuß und ohne mich!

Geh nicht mit Fremden mit!

Neulich ließ ich Jimmy im Supermarkt drei Minuten alleine, um mit Luise aufs Klo zu gehen. Ich wusste, ich kann mich auf ihn verlassen, und dass er brav mit unserem Einkaufswagen warten würde. Abends erzählte ich Anton davon. Der schaute mich entgeistert an und fragte, ob ich nicht Angst gehabt hätte, dass Jimmy von einem Fremden aufgegabelt würde. Ehrlich gesagt hatte ich daran nicht gedacht, aber in dieser Nacht grübelte ich lange und mir war stundenlang übel, als ich über die Gefahr nachdachte, an die mich Anton erinnert hatte.

Wie gehen wir Eltern und besonders wir Mütter mit diesen Sorgen um? Das frage ich mich häufig, denn ein Leben voller Sorgen um Dinge, die vielleicht und hoffentlich niemals eintreffen werden, ist meiner Meinung nach nicht lebenswert. Und schlimmer noch finde ich die Gefahr, die Sorgen an die Kinder weiterzugeben!

Ich habe ein passendes Sprichwort in dem schönen und empfehlenswerten Buch von Michael Hauch, „Kindheit ist keine Krankheit“, gefunden. Er zitiert hier den Polen Janusz Korczak, ebenfalls Kinderarzt und Erzieher:

Aus Furcht, der Tod könnte uns das Kind entreißen, entziehen wir es dem Leben; um seinen Tod zu verhindern, lassen wir es nicht richtig leben. (S. 67)

Wie können wir mit der Sorge leben?

Nun, was können wir tun, um uns nicht von diesen Sorgen auffressen zu lassen? Mein Ansatz ist dieser: ich möchte das Leben und meine Kinder im Moment genießen. Achtsamkeit ist das Stichwort. Der ewige Gedanke an morgen, an die Zukunft – was bringt er schon? Wir leben im Hier und Jetzt und genießen das Glück, das wir haben. Also übe ich mich in Meditation, die ja nachweislich den Gang unserer Gedanken positiv beeinflussen soll.

Ganz wichtig ist es mir, diese Sorgen keinesfalls auf die Kinder zu übertragen. Jimmy und Luise sollen nicht mit der Angst aufwachsen, ihnen oder ihren Eltern könnte jeden Moment ein Unglück geschehen. Vorsicht ist gut und wichtig, besonders an Straße und U-Bahn-Haltestelle, aber es darf im Umgang mit diesen Alltagsdingen keine Todesgefahr allgegenwärtig sein. Vor allem Jimmy, der beim Thema Gefahr sehr sensibel ist und sich zur Zeit damit beschäftigt, was alles bei Gewitter passieren kann, soll nicht mit dem Gefühl leben, dass die Welt jeden Augenblick über ihm zusammenbrechen könnte.

Seine Sorgen irgendwo abladen, das kann unheimlich helfen. Ich habe in Gesprächen mit andern Müttern gelernt, dass es nicht nur mir so geht. Nach einem Frühstück mit meiner Freundin Ruth waren wir uns sehr nah, weil wir uns vor den gleichen Dingen fürchten: dass unseren Kindern etwas passieren könnte. Es tat gut, mit jemandem zu reden und danach fühlte ich mich ein wenig sorgenfreier. Manchmal, wenn mich die Gedanken quälen, gehe ich in die Kirche und zünde eine Kerze an. Eltern, die nicht gläubig sind, haben vielleicht auch einen schönen, ruhigen Ort, der ihnen Trost verspricht. Ein Teelicht anzünden, die Ängste in den Wind sprechen und sich von Natur und Stille ein wenig trösten lassen – das tut gut!

DSC_0098

Letztendlich mache ich mir immer wieder klar, dass diese Sorgen um die Kinder von der Natur so gewollt sind, um unseren Nachwuchs zu beschützen. Dass etwas passieren könnte, ist nicht unmöglich. Die meisten Kinder werden ja zum Glück auch ohne größere Unfälle groß. Es ist wie beim Fliegen: ins Flugzeug zu steigen ist nicht ganz risikolos, dass die Maschine aber abstürzt, ist sehr unwahrscheinlich.

DSC_0036

Also, liebe Mütter! Mit den Sorgen um unsere Kinder müssen wir wohl leben, aber wir sollten unser Leben nicht von ihnen beherrschen lassen. Das Leben ist eben nicht ganz risikofrei, aber es ist schön. Das müssen wir unseren Kindern unbedingt vorleben! Immer schön gelassen bleiben, eure Laura