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Mutmach-Texte

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Neulich habe ich dir Eltern vorgestellt, die beide ihre Arbeitszeit reduzieren. Männer, die ganztags arbeiten gehen, kennst du vermutlich eine ganze Menge. Aber wie sieht es eigentlich aus, wenn Mütter viel arbeiten und sogar eine eigene Firma auf die Beine stellen? Vielleicht kennst du Laura Lehmann und ihr Modelabel Lalou. Ich wollte unbedingt wissen, woher die Powerfrau ihre ganze Kraft nimmt und habe sie befragt. Herausgekommen ist ein tolles Interview mit einer ganz sympathischen und lieben Unternehmerin, die eine Menge Arbeitsplätze schafft, extrem hart arbeitet und beweist, was Frauen alles schaffen können.

Lalou: Born und Made in Stuttgart

Vor über sechs Jahren war Laura schwanger mit ihrem ersten Sohn. Als sie auf der Suche nach schönen Babysachen war, wurde sie nicht fündig. Alles war kitschig und hellblau; aus diesem Grund hat sie sich selbst das Nähen beigebracht.

Laura: Erst habe ich Mützen für Freundinnen genäht und dann für die Freundinnen der Freundinnen. Als nächstes habe ich mir ein Logo ausgedacht, Labels bestellt und an die Sachen genäht. Es wurden immer mehr Bestellungen und verschiedene Artikel, aber los ging es vor allem mit den Bettschlangen. Ich wollte so ein bequemes Polster für das Bett meines Sohnes machen. Die erste war weiß, die zweite habe ich aus vielen Stoffresten genäht. Eine Freundin bestellte sie in rosa und ich habe ein Foto auf meinem privaten Instagram-Account hochgeladen. Auf einmal wollten alle diese Bettschlangen und das war der Startschuss für Lalou. Weiter ging es mit Krabbeldecken, Beanies und Namenkissen. Damals war dieses Patchwork-Design noch nicht so verbreitet und die Idee kam super gut an.

Als ich zum zweiten Mal schwanger war, habe ich weiter von zuhause aus Bettschlangen genäht. Diesen Job konnte ich einfach gut mit Kindern vereinbaren. Außerdem hatte ich schon seit ich 18 Jahre alt war einen Gewerbeschein, bin gelernte Werbekauffrau und Rechnungen schreiben und all der Bürokram war ür mich kein Problem.

Marketing á la Laura

Laura ist aber nicht nur gut im Nähen, sondern hat auch eine erfolgreiche Marketing-Maschine angeschmissen: Ihr Instagram-Profil wurde öffentlich und ihre selbstgenähten Sachen schickte sie ihrer Lieblingsbloggerin Sandy Smith aus Österreich. Damit gab es einen Follower-Knall und Laura hatte ihre ersten 1.000 Abonnenten zusammen. Durch die steigende Fan-Zahl hat sie noch mehr Kindersachen verkauft und war bald am Ende ihrer Kapazitäten.

Laura: Ich habe gemerkt, dass ich das nicht mehr alleine schaffe und mir eine erste Angestellte gesucht, die für 450 Euro Bettschlangen genäht und gestopft hat. Vom Kopf her war das schon eine Überwindung, aber ich habe gemerkt, dass es anders nicht geht, denn ich habe irrsinnig viel gearbeitet. Tagsüber habe ich die Kinder betreut, sie ins Bett gebracht und dann von 20 Uhr bis 2 Uhr nachts genäht, Rechnungen geschrieben, Emails beantwortet.

Ich bewundere Lauras Zielstrebigkeit und ihren Fleiß. Nach außen sieht ihr Leben so locker aus, aber hinter ihrem Erfolg steckt eine ganze Menge Arbeit. Welche Mutter schafft es schon, neben zwei kleinen Kindern auch noch eine ganze Firma aufzubauen? Sie erzählt, dass sie einfach der Typ für sowas ist. Sie braucht immer ein paar Projekte, um die sie sich kümmern kann.

Der nächste große Schritt: ein Atelier

Laura: Im Februar 2016 habe ich dann ein Atelier angemietet, damit Lalou weiter wachsen kann. So, wie es jetzt lief, konnte ich keine Aufträge mehr annehmen. Das war übrigens der einzige Schritt, bei dem mich mein Mann ein wenig gebremst hat. Sonst hat er mich bei jeder Entscheidung unterstützt, aber bei dem Atelier war er erst unsicher. Es war aber definitiv die richtige Entscheidung und ich habe ziemlich zügig drei weitere 450 Euro-Kräfte angestellt. Nun waren auch endlich alle zusammen vor Ort.

Ich habe professionelle Maschinen angeschafft, denn die Haushaltsmaschinen sind dieser enormen Masse nicht gewachsen und waren nur noch bei der Wartung. Die Industrienähmaschinen konnte ich durch mein organisches Wachstum finanzieren, das war natürlich Glück. Ich musste nie einen Kredit aufnehmen, auch wenn ich als Start up begonnen habe. Am Anfang war Lalou eine reine Finanzierung meines Hobbys, aber das hat sich dann über die Jahre geändert.

Im August 2016 haben wir den Online-Shop eröffnet. Zuvor war die Abwicklung der Aufträge mit meinem Warenwirtschaftssystem sehr aufwendig. Mein Stiefsohn Marvin hat mir geholfen und als Lernprojekt für seine Ausbildung meinen Online-Shop aufgebaut. Das war eine große Entlastung und ich konnte mich wieder um neue Produkte zu kümmern.

Im Atelier wurde es nun voller und enger. Nähmaschinen, Stoffe, Mitarbeiterinnen, zwei Computerarbeitsplätze auf 45 Quadratmeter war eine Herausforderung und als Waren-Pakete vor der Tür gestapelt wurden, hat Laura nach einem Jahr ein größeres Atelier angemietet. Ein Glückstreffer, denn die neuen Räume waren gleich um die Ecke. Es gibt seitdem ein großes Lager, Bürofläche und genug Platz zum Nähen und Designen.

Laura hat bald darauf den nächsten mutigen Schritt gewagt, denn ihre Minijobberin war fertig mit dem Designstudium. Sie stellte Laura vor die Wahl: entweder arbeitet sie nun festangestellt oder sie sucht sich einen neuen Job. Aber Laura wäre nicht Laura, wenn sie diese Chance nicht ergriffen hätte und so stellte sie die Designerin fest ein. Durch einen unglücklichen Zufall hatte diese Mitarbeiterin einen Unfall und fiel für Monate aus. Parallel bewarb sich eine weitere Angestellte, die passte. Und so hatte Laura nach der Genesung der Designerin auf einmal zwei Mitarbeiterinnen in Festanstellung. Ein halbes Jahr nach dem Umzug wurde auch der Online-Shop noch einmal modernisiert. Immer am Ball bleiben, das ist wohl auch ein Schlüssel zum Erfolg. Und bei Laura und ihrem Team tut sich immer etwas.

Das Team wird größer

Eine weitere Frau im Team kam über Instagram dazu. Sie bot Laura nach einem nächtlichen Verzweifelungs-Post über die viele Arbeit an, zum Helfen zu kommen. Die Mutter von zwei Kindern ist jetzt für den Versand zuständig. Über Aushänge und Ebay-Kleinanzeigen hat Laura Näherinnen gesucht und ihr Team langsam erweitert. Aber nicht nur, dass hier Mütter mit Kindern einen flexiblen Arbeitsplatz finden. Laura hat eine Frau aus Bosnien eingestellt, die nur durch dieses Arbeitsvisum nach Deutschland kommen kann. Ihre Familie zieht bald nach und sie lernt momentan fleißig Deutsch. Da eine andere Mitarbeiterin serbisch spricht, sind auch die Sprachbarrieren kein Problem. Laura ist total happy mit ihren Mädels:

Laura: Besonders die beiden serbischen Näherinnen arbeiten unglaublich flott und effizient. Und nur weil ich so gute Mitarbeiterinnen habe, die auf Masse nähen können, kann ich weiterhin in Deutschland produzieren. Der nächste Schritt wäre eigentlich, die Produktion ins Ausland auszulagern. Aber Lalou steht für „Born und Made in Stuttgart“ und für Handarbeit und das soll auch so bleiben.

Manchmal kann ich das selber nicht so glauben, was ich mit Lalou geschaffen habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich eine Macherin bin und nicht so viel grüble, sondern so von A nach B purzele. Auch auf Instagram hat sich der Erfolg einfach ergeben. Die Mischung aus Privatleben und Firma war zunächst exotisch; meine Kunden sind meine Follower und andersrum. Und die Bilder auf dem Kanal sind eine Menge Arbeit: ich mache für manche Fotos erst einmal eine Stunde Shooting, das ist dann auch ein Job.

Als ich zum dritten Mal schwanger wurde, hatte ich unglaublich viel Arbeit, war labil und weinerlich. Zum Glück hat mein Mann mir geholfen und ist sogar komplett ins Business eingestiegen. Er hat Emails beantwortet und den Handelsvertrieb übernommen. Als ich erfahren habe, dass wir noch ein Baby bekommen, habe ich erst gedacht, dass das jetzt wirklich nicht passt. Aber am Ende war es genau richtig so, die Schwangerschaft sollte so sein. Ich habe mich aus der Produktion zurückgenommen und mache  im Moment nur noch Buchhaltung und Kontoführung, Marketing und Werbung. Artikel fotografieren und in den Online-Shop einstellen mache ich von Zuhause aus.

Für die nächsten Jahre planen kann ich nicht so richtig und wir nehmen die Dinge bei uns in der Familie so hin. Wir unterstützen uns gegenseitig und mein Mann macht den Haushalt mit mir zusammen, sonst würde das alles gar nicht funktionieren.

Danke, liebe Laura, dass du uns so viel von dir erzählt hast. Ich finde es aber klasse, dass es Frauen gibt, die loslegen, eine Firma gründen, Arbeitsplätze schaffen, zu Marketingspezialistinnen werden und sich gemeinsam mit ihrem Partner um die Familie kümmern. Das geht aber auch nur mit ziemlich viel Engagement und Verzicht auf Freizeit. Und mit einem Mann, der seine Frau bei allem, was sie da tut, unterstützt!

Gewinnspiel

Ich liebe Lauras Musselin-Schals, die sie auch auf ihrem Instagram-Account oft trägt. Sie hat mir ein wunderschönes Exemplar zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Du kannst es als Schal für dich selber verwenden, dein Baby einpucken oder es als leichte Sommerdecke für Kinder benutzen. Ich kann ja nicht mehr ohne Musselin-Schals und freu mich schon auf den Herbst, wenn ich sie wieder jeden Tag tragen kann. Der Stoff von Lauras Schal ist ganz besonders hochwertig, das spürst du auch sofort. Lass einfach einen Kommentar da, dann hüpfst du mit in den Lostopf. Ich freue mich außerdem sehr, wenn du Laura und mir auf Instagram folgst.

 

 

Am Gewinnspiel teilnehmen darf, wer über 18 Jahre alt ist und in Deutschland wohnt. Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse mitteilst. Deine Adresse nutze ich nur zum Versand des Schals und lösche sie anschließend. Eine Auszahlung, sowie der Tausch eines Gewinns ist nicht möglich. Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigen den Ausgang des Gewinnspiels nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehr Infos zum Gewinnspiel findest du hier.

Das Gewinnspiel beginnt heute, am 10. August 2018, und endet am 17. August 2018 um 23.59Uhr. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird danach per Los ermittelt und von mir per Mail benachrichtigt.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Ps.: Weil ich hier auf Lauras Shop verlinke und du einen Schal gewinnen kannst, muss ich den Text als Werbung kennzeichnen. Wundere dich also nicht, wenn es hier von Werbekennzeichnungen nur so wimmelt. Ich versuche, für dich als Leserin alles so transparent wie möglich zu machen, aber für uns Blogger ist das gerade alles sehr undurchsichtig, was wir kennzeichnen müssen und was nicht.

Warum scheitern wir oft daran, Familie und Beruf zu vereinbaren? Der Frage gehen wir seit Jahren nach und finden doch keine allgemeingültige Lösung. Das liegt wohl daran, dass dieses Thema extrem vielschichtig ist. Es gibt sie schon, die guten Bedingungen. Elterngeld, Elternzeit, Homeoffice und Kitaplätze für kleine Kinder, aber zu vieles ist immernoch im Argen. Die Kitaplätze reichen nicht, viele Unternehmen schaffen zu selten elternfreundlichen Voraussetzungen und Elternzeit über acht Wochen hinaus nehmen meist nur die Frauen.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Ich finde, es kann sich noch sehr viel tun in der Gesellschaft. Arbeitnehmer und Politiker dürfen gerne und am besten schneller bessere Bedingungen schaffen, damit wir Eltern Familie und Beruf vereinbaren können. Aber kann es sein, dass auch wir Eltern etwas tun müssen? Ich denke, ja! Und ich fange mal bei mir an, bei mir, einer Frau und Mutter. Bei einer, die in ihrem Leben ein paar Mal hätte mutiger sein können. Denn manchmal finde ich, dass wir Frauen uns nicht genug zutrauen. Folgendes möchte ich dazu erzählen:

Viel zu wenig zugetraut

In der Mittelstufe auf dem Gymnasium hatte ich anderes im Kopf als Mathe. Mein Lehrer fand mich faul und ich hielt mich schnell für unbegabt. Physik, Chemie, all die Naturwisschenschaften – dafür bin ich am Ende vielleicht zu blöd, habe ich gedacht und einfach nicht mehr zugehört. Ein paar Jahre später war ich bei einer Informationsveranstaltung der zahnmedizinischen Fakultät in Ulm. Ich dachte, Zahnärztin zu werden, das wäre doch was für mich. Als ich hörte, dass man in Chemie und filigraner Handarbeit ziemlich gut sein muss, war die Idee für mich gestorben. Habe ich mir einfach nicht zugetraut.

Am Ende landete ich bei einem großen Automobilhersteller aus Stuttgart an der Berufsakademie. Ziemlich viel Wirtschaftsmathe und Angeber-Typen, die sich schon im Vorstand sahen, haben mich abgeschreckt und ich habe hingeworfen. Literatur und Geschichte wurde es am Ende und ich bin auch froh, sowas Schönes studiert zu haben. Aber ohne Moos nix los, daher war mein Einkommen nach dem Studium als Volontärin ziemlich mies. Anton und ich wollten dennoch früh Kinder haben und so kam es, wie es kommen musste: weil er als Controller mehr als das dreifache verdiente als ich in meinem Redakteurs-Job, war klar, wer mit dem Baby zuhause bleibt. Teure Mieten in Stuttgart und Umgebung machten es schlichtweg unmöglich, von meinem Gehalt zu leben, zumal mein Vertrag befristet war.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Warum war ich so feige?

Tatsächlich frage ich mich heute, warum ich so oft gekniffen und mir viel zu wenig zugetraut habe. Ich bin ehrlich: ich habe es mir immer ein wenig einfach gemacht. Ich hatte Bammel davor, das Zahnmedizin-Studium nicht zu packen. Ich hatte nicht den Mut, mich zwischen den Angebertypen an der Berufsakademie durchzusetzen. Und ich nahm nach dem Studium ganz bequem die erstbeste Möglichkeit für einen Job wahr, anstelle darauf zu vertrauen, dass noch etwas besseres kommt. Ein Festvertrag mit einem anständigen Gehalt zum Beispiel. Ich habe mir Kinder gewünscht und wollte ein Jahr zuhause bleiben. Ein bisschen lag es auch daran, dass mir mein Job keinen Spaß gemacht hat und ich nicht ganz undankbar war, da erst einmal raus zu sein.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Wenn ich nicht so bequem, sondern ein wenig mutiger gewesen wäre, wenn ich mehr Vertrauen in mich gehabt hätte, würde ich heute ordentlich Geld verdienen. Heute traue ich mir viel mehr zu, das liegt sicher auch daran, dass ich Kinder habe. Wer einen Tag lang mit drei Kindern einen Supermarkteinkauf hinlegt und danach noch lachen kann, der kann auch auf ein Physikum lernen oder Kronen bauen, wenn er sich anstrengt.

Warum ich so oft daran denke? Ich habe mich als Frau mit schlechtem Gehalt in eine sehr ausweglose Situation begeben und für mich fühlt sich das nicht richtig an. Ich gebe die Schuld gerne meinem Arbeitgeber, der meinen Vertrag während der Elternzeit auslaufen ließ. Ich schimpfe auf den Staat und manchmal ein bisschen auf meinen Mann. Aber dass ich schlecht verdient habe und es schwer hätte, im Notfall meine Familie zu versorgen, das habe ich mir ein Stück weit selbst zuzuschreiben.

Die Sache mit dem Gehalt

Warum verdienen Frauen in vergleichbaren Berufen so viel weniger? Ich denke, oft liegt es daran, dass Frauen für Arbeitnehmer das größere Risiko sind, denn sie können Kinder kriegen und für ein oder mehrere Jahre ausfallen. Das ist dann vielleicht schon in das Gehalt miteinkalkuliert. Das Problem könnten wir lösen, wenn auch Väter länger Elternzeit nehmen, denn dann wäre das Risko der Geschlechter gleich groß. Ein anderer Grund könnte sein, dass Männer die besseren Verhandler sind. Neulich habe ich folgende Geschichte gehört: Gehaltsgespräch zwischen Bewerberin und Chef. „Wie sehen ihre Gehaltsvorstellungen aus?“ Sie: „Liegen bei ca. 60.000 Euro im Jahr, ist aber verhandelbar.“ Der Chef hat die Dame nicht eingestellt, weil ihm sowas mächtig auf die Nerven geht. Wenn die einknickt, noch bevor ich ein Gegenangebot gemacht habe, dann kann die sich ja nirgends durchsetzen, hat er vermutlich gedacht. Ehrlich gesagt, die Dame hätte ich sein können.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Geld ist nicht die Lösung

Was will ich mit meinem Text nun sagen? Alle Frauen sollen Zahnärztinnen werden und ordentlich Geld verdienen, dann wird alles gut? Nein, auf keinen Fall. Nicht immer ist ein gutes Gehalt die Lösung, auch wenn das natürlich unabhängig macht. Und es gibt einfach viele Jobs, die (leider) unterbezahlt sind. Demnach dürfte es bald keine ErzieherInnen, KrankenpflegerInnen oder Sozialpädagogen mehr geben. Aber ich will sagen, dass wir Frauen vielleicht manchmal zu wenig Mut haben. Darum stecken wir oft in einer für uns unguten Situation.

Frauen und Männer sind unterschiedlich, die einen mehr, die anderen weniger. In der Mehrzahl aber sind wir Frauen die sozialen und kommunikativen Menschen. Wir fühlen uns gut in andere ein, wir können vermitteln und Gespräche führen. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen im Allgemeinen auch etwas harmoniebedürftiger und weniger konfrontativ sind als Männer. Das hat viele Vorteile. In Sachen Gehalt, Job und Karriere ist das aber in mancherlei Hinsicht ein klein wenig nachteilig.

Wir Frauen sollten uns aber generell etwas zutrauen und mehr darauf pfeifen, was die anderen denken, meinst du nicht? Mutig zu sein bedeutet für mich übrigens nicht nur, sich zuzutrauen, einen Job zu ergreifen, der eine Familie ernährt. Es bedeutet genauso, als Frau bei den Kindern zu bleiben und den Beruf aufzugeben. Sich außerdem dafür einzusetzen, dass Care-Arbeit endlich als wichtiger und richtiger Job angesehen und entsprechend mit genug Rentenpunkten vergütet wird. Und sich von Menschen mit erhobenem Zeigefinger nicht den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. Mutig sein bedeutet genauso, einen Beruf zu ergreifen, der schlecht bezahlt ist, wie der der Erzieher oder Krankenpfleger. Diesen mit Leidenschaft zu tun und dafür zu kämpfen, dass es am Ende für die Familie reicht. Mutig zu sein kann genauso heißen, dass beide Eltern reduzieren und sich für die wertvolle Zeit in Sachen Konsum und Urlaub einschränken. Mutig sein bedeutet, für das, was wir möchten, einzustehen. Sich selbst zuzutrauen, den Wunschweg einzuschlagen und zu verfolgen.

Bist du mutig?

Nun bin ich gespannt, was du dazu sagst. Natürlich ist das hier ein wenig verallgemeinert. Es gibt haufenweise Frauen, die eiskalte Gehaltsverhandlungen führen, sich locker zutrauen, den Nobelpreis in Atomphysik zu bekommen oder vier Kinder kriegen und zuhause täglich und mit Leidenschaft ihre Frau stehen. Aber viele Frauen sind zögerlich, was ihr eigenes Leben angeht, und ab und an kommt mir der Gedanke, dass wir viel mehr Mut brauchen, um die Gleichberechtigung und die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren, voranzutreiben. Wenn irgendwas richtig schlecht läuft, schieben wir gerne den Schwarzen Peter anderen zu. Und vieles läuft für uns Frauen noch lange nicht optimal. Ein wenig können wir an uns selber arbeiten und Mut ist da ein Schlüssel für mich. Egal, ob es um Gehaltsverhandlungen, Berufswahl oder die Entscheidung geht, zuhause bei den Kindern zu bleiben.

Es gibt niemals diesen einen Grund, warum Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht gut funktioniert. Es gibt hundert Gründe und sie sind individuell. Ich hätte mir für mich gewünscht, mutiger zu sein. Ich bin die Art von Mutter, die gerne finanziell auf eigenen Beinen steht. Es kann sein, dass du eine ganz andere Mutter bist. Dass dir andere Dinge wichtig sind. Ich hoffe sehr, dass du den Mut hattest und dir zugetraut hast, die für dich wichtigen Dinge in Angriff zu nehmen. Vielleicht hast du Lust, uns davon zu erzählen?

Frauen, die nach den Sternen greifen: Gewinnspiel

Ich habe ein ganz wunderbares Buch für dich, das du hier gewinnen kannst. „Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen. 50 Portraits faszinierender Wissenschaftlerinnen“ von Rachel Ignotofsky (Affiliate Link). Darin sind 50 außergewöhnliche Frauen in spannenden Geschichten und wunderschönen Illustrationen portraitiert. Noch immer gibt es zu wenig Frauen in Vorständen und Führungsetagen, noch immer dominieren Männer Wirtschafts- und Finanzsektoren. Frauen haben es schwerer, sich in wissenschaftlichen Bereichen durchzusetzen oder in öffentliche Ämter gewählt zu werden. Aber Frauen haben schon sehr viel erreicht, das beweist dieses Buch:

Im Laufe der Geschichte haben zahlreiche Frauen im Dienste der Wissenschaft alles riskiert. Dieses Buch erzählt die Geschichte einiger furchtloser Frauen, die – ob im antiken Griechenland oder in der modernen Welt – angesichts der ihnen in den Weg gelegten Steine sagten: „Ich lasse mich nicht aufhalten.“

Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen, Einleitung, Rachel Ignotofsky, 2018

Wenn du das Buch gewinnen möchtest, um es mit deiner Tochter zu lesen, zu verschenken oder dich selbst inspirieren zu lassen, dann schreib mir einfach einen Kommentar unter den Text. Gibt es Momente, in denen du hättest mutiger sein können, oder bist du ganz anderer Meinung als ich und findest, Frauen sind keineswegs zu zurückhaltend?

Am Gewinnspiel teilnehmen darf, wer über 18 Jahre alt ist und in Deutschland wohnt. Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse zur Weiterleitung an den mvg-Verlag mitteilst. Deine Adresse wird nur zum Versand des Buches genutzt und anschließend gelöscht. Eine Auszahlung sowie der Tausch eines Gewinns ist nicht möglich. Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigen den Ausgang des Gewinnspiels nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Gewinnspiel beginnt heute, am 08. August 2018 und endet am 15. August 2018 um 23.59Uhr. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird danach per Los ermittelt und von mir per Mail benachrichtigt.

Mehr Heute ist Musik?

Kein Problem, dann hüpf mal rüber zu Instagram. Da gibts im Insta-TV tolle Familienhacks zum Thema Ordnung und Organisation sowie ein paar Inspirationen für den Elternalltag. Kaffee, Zitate und andere Dinge, die dir den Tag versüßen!

Mein Kind ist krank

Na, wie oft hast du dich schon gefragt, ob ihr eine normale Familie seid? Ob das ein oder andere Kind vielleicht nicht der Norm entspricht, sein Verhalten wunderlich ist oder sein Charakter irgendwie abnorme Züge hat? Dann hast du gegoogelt, verschiedene Antworten bekommen, eine Diagnose erstellt und sie mit allen Freunden und Verwandten ausgiebig besprochen, oder?

Tja, dann ist wohl alles ganz normal. Denn ist es nicht so, dass wir irgendwie alle am liebsten normal wären und aus diesem Grund jede Abweichung, vor allem die unserer Kinder, besorgt betrachten und gedanklich bis zum Gehtnichtmehr bearbeiten? Ehrlich gesagt vermute ich, dass die meisten kleinen Abweichungen von der scheinbaren Norm eben eines sind: normal. Die meisten Eltern müssten sich eigentlich überhaupt keine Sorgen machen, könnten sich viele Arztgespräche und Therapien sparen und mal ganz gechillt die Füße hochlegen. Das ist aber nicht so einfach, schließlich sind die Kinder das wichtigste, das wir haben und ihr gesundes Großwerden unser bedeutendstes Ziel.

Natürlich gibt es viele Krankheiten, psychisch und physisch, die eine Behandlung oder eine Therapie mit sich bringen (müssen). Ob ADHS, eine Intoleranz, Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat und viele andere Dinge – aber das alles meine ich hier nicht. Ich meine vielmehr folgende Überlegungen, die eine Mutter von drei Kindern vielleicht in dieser oder ähnlicher Form angestellt haben könnte, natürlich nur ganz theoretisch.

Diagnosen einer Mutter

  • Das ewig brüllende Kleinkind hat eine Persönlichkeitsstörung, vermutlich ausglöst durch das sorgenvolle Herumgegrübele in der Schwangerschaft über schadstofffreie Wickelunterlagen. Therapiert werden muss mit dreierlei Globuli, einem Badeeimer, Bernsteinketten und dem Lesen von drülfzig Baby-Ratgebern.

Dr. Laura würde heute raten: nur die Ruhe, einige Babys brüllen nun mal besonders viel, da beisst die Maus keinen Faden ab. Diagnose: Alles normal, Therapie: Durchatmen und Durchhalten!

  • Weil selbes Baby ausschließlich den Vater, nicht aber die Mutter anlächelt, ist die Mutter sicher, das Kind habe Baby-Autismus. Sie googelt und überlegt, es in der Pädiatrie vorzustellen.

Dr. Laura würde heute raten: das Baby ist genauso genervt von der Mutter wie sie von ihm. Es freut sich, endlich ein anderes Gesicht zu sehen und außerdem ist Papa im Gegensetz zu Mama immer völlig entspannt und googelt maximal nach neuen Kopfhörern oder einem Mountainbike. Diagnose: Alles normal, Therapie: chillaxen und Google abschalten.

  • Das Kleinkind läuft nicht, sondern liegt kurz vor dem ersten Geburtstag wie ein Käferlein auf dem Boden. Die Mutter attestiert eine Muskelschwäche und hyperventiliert, als der Kinderarzt sagt, dass sie bitte in einem halben Jahr mit dem Käfer wieder vorstellig werde, denn die meisten Kinder würden zu diesem Zeitpunkt wenigstens krabbeln.

Dr. Laura würde heute raten: Mutter, sei froh, dass dir der Käfer noch nicht davondüst und genieß die Zeit. Irgendwann laufen sie alle, die einen früher, die anderen später. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich in den Park legen und all den nervösen Eltern zuschauen, die ihren Einjährigen hinterherrennen müssen.

  • Das Kleinkind interessiert sich nicht für Sand und Eimer, Frühmusizieren oder Klatschreime, es sehnt sich ausschließlich nach Straßenbahnen. Die Kindergärtnerin merkt an, das Kind würde den lieben langen Tag ausschließlich die Haltestellen der Linie U8 aufsagen. Die Mutter diagnostiziert sofort eine multiple Persönlichkeitsstörung und informiert sich über Hochbegabung und Asperger Syndrome.

Dr. Laura würde heute raten: kleine Kinder haben die abnormsten Interessen, bei denen sogar erfahrene Psychatrieärzte mit den Ohren schlackern. Das eine Kind geht nicht ins Bett, ohne ein Kaminwerkzeug fest umschlungen zu halten, das andere kann weder Mama noch Papa, dafür Trizaterops Trizeraldos sagen. Wieder andere gehen nicht ohne Taucherbrille aus dem Haus oder tragen im Hochsommer Gummistiefel. Diagnose: Alles normal, Therapie: sich einfach selber eine verrückte Eigenart ausdenken und diese zelebrieren.

  • Das Kind bekommt eine Schwester und interessiert sich keinen Zentimeter für das Baby. Es guckt nicht, spricht nicht und streichelt nicht. Die Mutter ist sich sicher, es verfüge über mangelnde soziale Fähigkeiten und würde vermutlich sein Leben lang keine menschlichen Beziehungen entwickeln können.

Dr. Laura würde heute raten: es gibt Brüder, die lieben ihre Schwester und zeigen das von Anfang an, es gibt aber auch Brüder, die lieben ihre Schwester, würden sie aber auch sofort gegen eine Miniaturstraßenbahn eintauschen. Das wird sich im Leben vielleicht sogar niemals ändern. Diagnose: Alles normal, Therapie: Menschen, die das Wort „Geschwisterplüsch“ verwenden, meiden, dafür unbedingt das Buch von Marlene Hellene, Man bekommt ja so viel zurück (Affiliate Link), lesen, der ging es nämlich genauso.

Einen Fall habe ich noch!

  • Das Kind hat zu Schulbeginn Schwierigkeiten, einen Stift zu halten, weil es zuvor noch nie einen Sinn darin gesehen hat, einen solchen zu benutzen. Die Mutter kommt noch einmal auf die Muskelschwäche zurück und denkt kurz darüber nach, mitsamt den andern Kindern einmal die Woche zu einer anstrengenden Ergotherapie-Sitzung zu dackeln (die in ganz vielen Fällen durchaus sinnvoll ist), auf die das Kind aber noch weniger Lust hat als aufs Schreiben.

Dr. Laura würde heute raten: Kinder, die nicht gerne malen, gibts genau so oft wie Kinder, die nicht gerne rechnen. Alles ist eine Frage der Übung und meist klappts nach einem halben Jahr schon viel besser. Diagnose: alles ganz normal. Therapie: Stifte mit Glitzerfußbällen oben drauf kaufen, Fußball-Sammelalben zum Ausfüllen besorgen oder Briefe an das Christkind schreiben lassen, zur Not auch im Hochsommer.

Alles normal, oder?

„Es ist normal, nicht normal zu sein“, lautet eine schöne Überschrift im Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung, Mai/Juni-Aushabe von 2018. Darin spricht die Politikwissenschaftlerin Ursula Stark Urrestarazu über das Phänomen, dass Eltern so viel über die Eigenheiten ihrer Kinder nachdenken. Sie rät, dass sich Eltern bewusst machen sollten, wie vielschichtig und veränderbar Kinder sind. Jedes von ihnen trage so viele Eigenschaften, Interessen und Begabungen in sich, die sich ergänzen und auch widersprechen würden und fügt hinzu, dass die Bandbreite des Normalen viel größer ist, als wir denken.

Wenn ich auf Instagram poste, wie schlimm sich meine Kinder streiten, dann melden sich viele andere Eltern, die das gleiche erleben. Mir und ihnen tut es dann total gut zu wissen, dass das also normal ist. Denn wenn alles so läuft, wie es soll, dann haben wir ein gutes Gefühl und wissen, es geht in die richtige Richtung. Selbstverständlich sind wir und unsere Kinder in vielen Punkten auch ein wenig außergewöhnlich. Meine Kinder zum Beispiel streiten sich außergewöhnlich viel, der kleine Oskar wirft sich gerade außergewöhnlich intensiv brüllend auf den Boden und ich gehe in den Ferien außergewöhnlich oft in die Luft – und das ist eigentlich auch ganz normal!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Falls du Lust hast, zu unserer obercoolen Eltern-Austausch-Community dazuzustoßen, dann schau doch mal bei Instagram vorbei. Da kann man ganz passabel miteinander quatschen, sich austauschen und merken, dass es in jeder Familie laut, chaotisch, anstrengend und doch irgendwie ungemein lustig zugeht.

Lieber kleiner Oskar,

so einfach haben wir es gerade nicht, wir beide! Daher schreibe ich dir einen Brief. Ich bin eine müde Mama mit viel Stress, du bist ein zweijähriger Junge, der die Welt entdeckt. Was wir gemeinsam haben: wir kommen täglich an unsere Grenzen. Meine Grenzen sind seit jeher meine Nerven, deine Grenze ist vor allem die Sprache. In deiner lustigen Bobo-Siebenschläfer-Manier versuchst du uns mitzuteilen, was du möchtest. Wenn du dein Müllauto suchst, können wir dir helfen.  „Müüüh“ rufst du dann. Auch „Hamham“ verstehe ich gut, du hast Hunger oder Durst. Und dein kleines Rutschauto heiß „Tutut“, wenn du das aussprichst, vibrieren deine Lippen und es klingt wie ein kleiner Traktor. Aber ganz oft weiß ich auch nicht, was du möchtest. Du bist dann wütend, versuchst, mir etwas zu sagen. Ich verstehe dich nicht und dann schmeißt du dich auf den Boden. Ich kann dich nicht trösten, du drückst mich weg oder fängst in deiner Empörung an zu beißen. Ich weiß, jetzt am besten einfach neben dir sitzen bleiben und dir zeigen, dass es in Ordnung ist, zu toben und deinem Kummer Luft zu machen. Aber oft muss ich Jimmy bei den Hausaufgaben helfen, die Wäsche aus der Maschine holen oder das Telefon bimmelt in genau diesem Moment.

Alles eine Phase

Ich weiß, dass diese Phase normal ist. Damals bei deinem großen Bruder habe ich mir noch Sorgen gemacht. Was ist nur mit dem Kind los? Wieso flippt es dauernd aus und nölt den ganzen Tag rum? Was mache ich als Mama falsch? Nun ist mir alles klar. Beim Welt entdecken stößt du dauernd an Grenzen, nicht nur sprachlich. Du möchtest Gummibären in rauen Mengen essen, Bobo Siebenschläfer-Hörspiele hören, bis deinen Eltern die Ohren bluten. Du möchtest morgens früh um sechs mit deinen Geschwistern spielen oder abends bis zehn Uhr aufbleiben. Du möchtest alles alleine machen und die Glasflasche selber tragen. Und du verstehst einfach nicht, warum wir dauernd all die schönen Dinge verbieten. Ich weiß, am besten ist es, wir nehmen uns für dich Zeit. Wir hören dir zu, knien uns zu dir runter, nehmen dich ernst und helfen dir, wo es nur geht. Dann klappt es mit uns immer ganz gut. Dein Papa kann das auch ganz wunderbar, mir gelingt es manchmal nicht. Ich bin nicht so geduldig mit dir oder habe keine Lust, deine Schreiattacken stundenlang zu begleiten. Das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Zu wenig Geduld

Gestern bin ich mit dir zum Bäcker gegangen, wir brauchten dringend ein Brot zum Abendessen. Weil du gerne ein Eis gegessen hättest, hast du fürchterlich geweint und bist aus deinem Wagen rausgesprungen. Ich musste nach Hause, weil Jimmy bald kommen sollte. Er war bei einem Freund zu Besuch. Dein Wutgeschrei ist mir sehr auf die Nerven gegangen, weil ich zuvor auf einem Kindergeburtstag war, bei dem alle kleinen Gäste in Trillerpfeifen gepustet haben. Mein Kopf war ein einziges wummerndes Fass. Deshalb habe ich dich immer wieder in den Wagen zurück gesetzt und dich am Ende angeschnallt. Das hat dir nicht gefallen, ich weiß!

Zuhause hast du dich an die Treppe zur Garage gesetzt und nach Papa gebrüllt, ich habe Essen gemacht und hätte mir gerne die Ohren zugehalten. Ich wundere mich ja auch gar nicht, dass du so ein Papa-Kind bist. Ich an deiner Stelle würde es genauso machen. Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich dich ernst nehme und mir so gerne mehr Zeit nehmen würde für dich und eine Wünsche. Weißt du was, bald fahren deine Geschwister in den Urlaub und wir beide sind alleine hier. Wir lesen dann Bobo so oft du willst, gehen gemeinsam in den Märchengarten und werden ganz viele Gummibärchen essen. Vielleicht bekommst du sogar mein Handy, denn damit fotografierst du so gerne. Mein liebes kleines Bärchen, wir haben es nicht so leicht zur Zeit. Aber ich habe dich so unglaublich gerne. Ich liebe es, wie du die Familie zusammen hältst und immer nach Nanna und Tatta fragst, wenn sie mal nicht da sind, wie du lauhals lachen kannst und mit so großem Appetit und Konzentration isst und genießt.

Bitte entschuldige, wenn ich mal wieder ungeduldig bin, kleiner Bär. Es tut mir sehr leid. Deine Mama

Mehr Gedanken zum Elternsein gibts auf dem Heute ist Musik-Instagram-Kanal. Ich freue mich auf dich und den Austausch mit dir!

Immer mal wieder schreibe ich hier, wie viel ich zu tun habe, dass ich unentspannt und gestresst bin. Ich überlege, wie mein perfekter Alltag aussehen würde, schreibe über Methoden zum Entspannen oder initiiere ein Entspannungsprojekt. Aber trotzdem ich mich andauernd mit dem Thema beschäftige, wird es nicht besser. Erst neulich war ich wieder der Verzweifelung nahe, weil ich nicht wusste, wie ich die Arbeit, die Kinderbetreuung, den Haushalt und all das schaffen soll. In den Instagram-Storys erzähle ich oft von meinem Dilemma und habe andere um Rat gefragt. „Kennt ihr das Gefühl auch, diesen ganzen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können? Habt ihr einen Rat?“

Das Risiko

Ich habe ganz liebe Rückmeldungen bekommen, eine davon hat mich besonders beschäftigt. Mir schrieb eine Mutter, dass es ihr bis vor ein paar Jahren ähnlich ging. Auch sie war hin und hergerissen zwischen Familie, gesellschaftlichen Verpflichtungen, Job und Haushalt – bis sie einen Schlaganfall erlitt und daraufhin ihr Leben komplett änderte. Krass, habe ich gedacht. Das kann eben auch passieren, wenn wir uns ewig gestresst fühlen. Natürlich ist ein Schlaganfall ein sehr seltenes Resultat, aber gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Stress sind auch mir bekannt. Ich bekomme Rückenschmerzen, wenn die Kinder so viel streiten. Und manchmal geht mir schon um acht am Morgen der Puls, wenn ich an meine To-Do-Liste denke.

Die alte Leiher von der Vereinbarkeit

Mir wurde bewusst, dass dieser Zustand, in dem ich mich befinde, kritisch ist. Für meine Psyche, meine Gesundheit und meine Familie. Vielleicht geht es dir manchmal ähnlich und dazu muss man keine drei Kinder haben. Manchmal reicht ein Kind, ein fordernder Job oder ein Hausbau-Projekt. Ärger mit dem Partner, zu viele Termine rund um Kindergarten und Schule oder Sorgen um die Gesundheit von Angehörigen. Wir leben heute in einer sehr rasanten Zeit; in den 30ern findet meist alles auf einmal statt: Paare bekommen Kinder, arbeiten an ihrer Karriere, bauen ein Haus und sparen für die Ausbildung ihrer Söhne und Töchter. Weil aber die äußeren Umstände für Eltern schwierig sind, vor allem in der Arbeitswelt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwer zu managen. Das Resultat: einer von beiden arbeitet weniger (meist die Frau), kümmert sich dann um Kinder und Haushalt (meist die Frau), ist gestresst und unzufrieden. Der andere arbeitet viel, weil Kids, Miete und Co so teuer sind (meist der Mann), verbringt zu wenig Zeit mit den Kindern (meist der Mann) und ist gestresst und unzufrieden. Ideen für Wege aus der Vereinbarkeitsfalle gibt es, aber die Voraussetzungen stimmen (noch) nicht. Wenn einer von beiden ganz zuhause bleibt und die gesamte Care-Arbeit übernimmt, muss er auch für den Notfall abgesichert sein. Was passiert, wenn der Partner krank wird oder sich trennt? Was ist, wenn der andere seinen Job verliert? Hier sind immernoch am Ende die die Leidtragenden, die die wertvolle und notwendige Care-Arbeit übernommen haben. Eine andere Möglichkeit sehe ich in der Idee, dass jeder Mensch ein Zeitkonto hat. In einer Phase des Lebens kann er seine Arbeitszeit reduzieren. Ob er ein Sabatical macht, kranke Angehörige pflegt oder sich um seine kleinen Kinder kümmert, ist ihm überlassen. Aber auch das ist noch Zukunftsmusik.

Es muss sich etwas ändern

Auf die Zukunft kann und will ich nicht mehr warten, darum habe ich nun beschlossen, etwas zu tun. Ich will nicht mehr länger darüber schreiben, dass mir alles zu viel wird, sondern handeln. Die Kinder sind noch klein und brauchen mich oder Anton. Weil ich aber selbstständig bin und Anton mit seinem Festvertrag das meiste Geld für Miete, Windeln und Essen erwirtschaftet, liegt zumindest im Moment die Kinderbetreuung am Nachmittag in meinen Händen. Und auch wenn sich da mein Feministinnenherz meldet, es ein finsteres Gesicht zieht und laufend „ist ja wieder mal typisch!“ schreit, akzeptiere ich den Umstand. Bleiben noch mehrere Baustellen, die größte davon ist mein Job. Und so habe ich mich selbst vor die Entscheidung gestellt: Entweder gebe ich mein Textbüro auf oder Heute ist Musik. Ersteres mache ich mit Herzblut und viel Leidenschaft, zweiteres fühlt sich mittlerweile an wie mein viertes Kind. To make a long story short: ich werde für die nächste Zeit mein Textbüro schließen und meine Arbeit für die wunderbare Elternzeitung, für die ich jahrelang tätig war, sowie für viele andere Kunden einstellen. Das ist ein großer Schritt, denn die Menschen, für die ich texte, liegen mir sehr am Herzen und ich liebe es, zu schreiben, zu lektorieren und für Unternehmen zu bloggen. Aber Heute ist Musik habe ich so lange aufgebaut und gehegt, dass ich mir nicht mehr vorstellen könnte, aufzuhören.

Kurzer Einschub: Ich möchte hier hinzufügen, dass ich mit dem Blog mittlerweile auch Geld verdiene. Wie das funktioniert, kannst du hier nachlesen. Denn einfach den Job an den Nagel zu hängen ist natürlich ein Luxus, den ich mir finanziell auch nicht einfach so leisten könnte. Generell bin ich mir darüber bewusst, wie gut wir es haben, dass bei uns die Kohle einigermaßen reicht. Es gibt genug Menschen, die diesem Mörder-Stress aus Vereinbarkeit und Familie ausgeliefert sind und keine große Wahl haben, weil sie Vollzeit arbeiten müssen. Das ist ein Grund, warum ich mehr politische Unterstützung für Familien fordere, zum Beispiel in der Sache mit den Kindergartengebühren.

Nein sagen lernen

Ein weiterer Punkt ist mein soziales Engagement. Irgendwie fällt es mir schwer, „Nein“ zu sagen, wenn es um Elternbeirat, Kuchen backen und Co geht. Aber ich kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Also habe ich mich nun dazu entschieden, mein Engagement auf die Grundschule zu begrenzen. Chor, Kindergarten oder Kirche ist einfach nicht drin. Als Texterin werde ich oft gefragt, ob ich mal diesen oder jenen Bericht schreiben könnte. Neulich habe ich kurz darüber nachgedacht, beim Kindergottedienst-Team mitzumachen. Aber ich muss einfach lernen, dass nicht alles geht und der ausgelutschte Spruch wahr ist: jedes „Nein“ ist ein „Ja“ zu dir.

Angst vor Ablehnung

Warum erzähle ich dir das alles? Ich möchte hier auf diesem Blog nicht immer nur schreiben, dass wir alle nur mehr Yoga machen müssen und den Moment genießen, damit alles besser wird. Nein, wir müssen uns an die eigene Nase fassen und Prioritäten setzen. Was möchten wir und was ist uns wichtig? Und was geht einfach nicht mehr? Ich glaube, dass es vor allem uns Frauen schwer fällt, nein zu sagen. Wir möchten niemanden vor den Kopf stoßen und wir möchten nicht, dass uns andere nicht mögen. Mir zum Beispiel ist es ein Graus, wenn andere denken, sie könnten sich nicht auf mich verlassen oder ich wäre eine faule Socke. Vielleicht sollte ich noch einmal dieses Buch zur Hand nehmen, das hat mir damals den Grund dafür ziemlich gut erklärt. Vielen Frauen in meinem Umfeld geht es ganz genauso. Aber wenn wir etwas an unserem Leben ändern wollen, dann müssen wir handeln, Mut fassen und auch von ein paar liebgewonnen Dingen Abschied nehmen.

Falls dir auch manchmal die Ohren sausen und du ab und zu das Gefühl hast, dich nur noch verkriechen zu wollen, dann zieh die Notbremse. Fasse den Mut, etwas in deinem Leben zu ändern. Ob du mehr arbeitest, deine Kinder nachmittags betreeuen lässt und so mehr Luft hast, oder zuhause bleiben möchtest, um bei den Kindern zu bleiben – tu es. Wenn immer alle etwas von dir wollen, dann versuch es mal mit dem ersten „Nein“. Wir sollten lernen, auf uns zu hören und auf die Meinung von außen zu pfeifen. Denn am Ende tun wir es für uns selbst und unsere Familie. Wir haben nur das eine Leben!

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Pin it, Baby!

Weil ich mich entschieden habe, meine berufliche Power in den Blog zu legen, freue ich mich sehr, wenn du Lust hast, mich dabei zu unterstützen. Kommentare und respektvolle Diskussionen sind immer willkommen und halten den Blog lebendig. Vielleicht hast du auch Lust, mir auf Facebook oder Instagram zu folgen? Auch das hilft mir ungemein, denn ein Blog funktioniert am besten, wenn sich viele beteiligen, klicken, lesen oder etwas schreiben. Nein, du hast keine Zeit? Dann herzlichen Glückwunsch zu diesem ersten „Nein“ – Weiter so!

„Dreht er sich auch schon?“, fragte die Frau im Bus, die ich aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannte. Ich blickte herab auf Jimmy, der brüllend in seinem Wagen lag. Er lag da auf dem Rücken wie ein Käferchen, wie ein sehr unzufriedenes und unmotiviertes Käferchen. Die Kleine im Kinderwagen daneben grinste zahnlos vor sich hin, stützte sich munter in Bauchlage auf die Unterärmchen und gurrte zufrieden. „Milla dreht sich immerzu, wenn ich sie auf den Boden lege“, schwärmte die stolze Mutter. Gleich erzählt sie mir noch, dass ihre Tochter durchschläft, dachte ich neidisch. Ich schaute noch ein bisschen kritischer auf Jimmy, der die meiste Zeit des Tages richtig wütend war, wie jetzt auch, und der nicht im Traum daran dachte, sich auf die Ärmchen zu stützen, geschweige denn sich zu drehen. Alle Kinder waren scheinbar ruhiger, mobiler, zufriedener. Und da war es, dieses Vergleichen. Dieser seltsame Blick auf das eigene Kind. Warum war es nicht so, wie alle anderen? Hatte es eine Störung, war irgendwas nicht in Ordnung? Hatte ich schon in den ersten Monaten etwas falsch gemacht?

Wenn ich heute an diese Sorgen denke, bin ich froh, dass mir so etwas nicht mehr in den Sinn käme. Mittlerweile ist Jimmy sieben und ich habe noch zwei andere Kinder. Nun weiß ich, dass jedes Baby mit einer Menge Gaben und auf die Welt kommt. Viele Dinge fallen ihm zu, aber Einiges muss es in seinem Leben auch schwer erlernen. Manches klappt vielleicht nie richtig. Das eine Kind ist besonders sensibel und feinfühlig, das andere hat ein großes Selbstbewusstsein. Das eine traut sich viel, das andere ist schüchtern.

Trotzdem schauen wir Eltern oft kritisch, wenn unser Kind etwas nicht kann. Das ist sicher in gewissem Maße normal. Denn im Grunde ist da die Angst, unser Kind könnte es nicht schaffen. Es könnte in der Schule scheitern, keine Freunde finden, traurig, einsam und isoliert werden. Davor wollen wir unsere Kinder beschützen und so leuten die Alarmglocken, wenn das Kind immerzu alleine spielt, erst spät redet oder seinen Namen nicht schreiben kann.

Im Nachhinein lache ich mich kaputt, weil ich Jimmy ständig das Laufrad vor die Füße stellte. „Probier es doch mal, es macht total viel Spaß“ habe ich ihm gesagt und dabei nach Kindergartenkumpel Jonas geschielt, der auf seinen zwei Rädern durch die Gegend düste. Jimmy hatte einfach kein Interesse am Fahren und verstand nicht, warum seiner Mutter dieses Laufrad doch so wichtig war. Bei Oskar ist es mir nun ziemlich egal, ob er gerne fährt. Wir bieten es ihm an, aber wenn er nicht will, passt das auch. Ehrlich gesagt nervt es mich zur Zeit total, dass Jimmy und Luise immer noch nicht schwimmen. Aber es interessiert mich nicht, wenn es andere Kinder in diesem Alter längst tun.

Dennoch kenne ich das Vergleichen der eigenen Kinder mit anderen nur zu gut. Und ich kenne auch diese Angst, die dem Vergleichen zu Grunde liegt. Aber ich kann dich vielleicht ein wenig beruhigen. Die wichtigen Sachen lernen die Kinder alle irgendwann, der eine früher, der andere später. Ich kenne Kinder, die lagen noch am ersten Geburtstag auf dem Rücken und sind nun wieselflinke Fußballspieler. Ich kenne Kinder, die wollten nie Laufrad fahren und rasen nun mit Skiern den Berg hinab. Kinder, die die ersten drei Jahre nichts sprachen, labern den Eltern das Ohr blutig und solche, die nur brüllten, sind ein kleiner Sonnenschein geworden.

Wir lieben unser Kind von Anfang an so sehr, aber schauen doch immer wieder kritisch auf dessen Entwicklung. Vielleicht müssen wir selbst in den meisten Fällen viel mehr lernen, als das Kind, nämlich in erster Linie, ihm zu vertrauen. Denn Kinder sind von Natur aus wissbegierig, sie wollen lernen, sie wollen mitmachen und einen Beitrag leisten, das liegt in unseren Genen. Wirkliche Probleme werden uns nicht entgehen, dafür ist das Kontrollsystem aus Kinderarztuntersuchungen und Erzieher-Entwicklungsgesprächen sehr eng. Alles andere kommt in den meisten Fällen von alleine.

Schüchterne Kinder zu unterstützen und ihnen als Eltern Mut zu machen, ist schön und wichtig. Am Ende ist es aber auch ok, wenn es mit großen Gruppen und fremden Menschen Probleme hat. Geht es einem der Eltern nicht selbst genau so? Es ist auch in Ordnung, wenn ein Kind keine Sportskanone ist. Lassen wir es ein paar Sportarten ausprobieren, aber Lebensglück erlangen Menschen auch ohne Fußball, Tennis oder Ballett. Auch ein Abitur ist nicht immer das Ziel einer Schulkarriere. Aber eine schöne Schulzeit, die sollte das Kind haben, und das gelingt sicher am besten ohne Druck.

Unsere Kinder sind ziemlich gut so, wie sie sind. Ihnen das zu vermitteln ist das wichtigste, finde ich. Wenn sich also dein Baby nicht drehen möchte, das Kleinkind Laufrad fahren doof findet oder dein Schulkind mit den Buchstaben fremdelt, warte ab und gib ihm Zeit. Meist klappt alles von alleine, früher oder später. Meredith Haaf hat im aktuellen Heft der Südeutsche Familie einen schönen Text zu diesem Thema geschrieben, der sehr rührend endet:

„Denn das tollste Geschenk, das man einem Menschen machen kann, ist nicht die tollste Förderung und das aufmerksamste Fordern. Das eigentliche Geschenk ist, dass man ihm lässt, was am Anfang an da war: das große, gute Genaurichtigso.“

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Mehr von Heute ist Musik? Morgen erscheint der sensationelle Newsletter. Du kannst ihn ganz einfach auf der rechten Seite des Blogs abonnieren. Und auf meinem Instagram-Kanal puste ich ein bisschen Glitzer in den Mama-Alltag. Ich freu mich auf dich!

Die Zeit mit einem Neugeborenen ist ja immer ganz besonders und vor allem die ersten paar Wochen mit dem ersten Kind wird wohl keine Mutter jemals vergessen. Nie wieder widmet man sich einem einzigen kleinen Menschlein so sehr. Schon beim zweiten Baby ist das nämlich ganz anders, denn es gilt nun, zwei Mäuse zu versorgen. Und beim dritten Kind, nun ja, du kannst es dir denken – da wird das schlafende Bündel manchmal sogar ein wenig zur Nebensache, während Kind eins Hilfe beim Anziehen braucht und Kind zwei wütend in der Ecke sitzt, weil es seine Puppe nicht finden kann. Heute erzähle ich dir mal, wie ich diese erste Zeit mit den Babys wahrgenommen habe und wie die Unterschiede waren. Vielleicht bist du ja auch bald in dieser Lage oder du blickst auf ganz andere Erfahrungen zurück?

Das erste Baby: so viel Neues und ziemlich viele Tränen

Als Jimmy vor sieben Jahren auf die Welt kam, war ich echt baff. Diese Erfahrungen, die wir Eltern bei der Geburt des ersten Kinders machen, auf die kann uns kein Buch der Welt und keine Hebamme richtig vorbereiten. Es ist unglaublich: so schön, so besonders und manchmal auch unglaublich anders als gedacht. So war das jedenfalls bei mir. Dass mit einem Baby nicht ausschließlich eitel Sonnenschein herrscht und ich dauernd selig lächelnd im Park sitze und ein Jahr lang die Füße hochlege, darauf war ich vorbereitet. Dass aber meine Augen brennen vor Schmerz, mir die ganze Zeit zum Heulen ist und das niedliche Baby einfach immer unzufrieden zu sein scheint – das ging dann doch über meine Vorstellungskraft. Zunächst einmal habe ich im Krankenhaus dieses hübsche Kerlchen bewundert, das da neben mir lag. Dunkle Haare, ein klitzekleines Näschen und so winzige Hände, dass es eine Wonne war. Zuhause angekommen aber wollte das hübsche Kerlchen nicht aufhören zu weinen und meine Nerven lagen blank. Nachts schlief er auf Anton oder mir, tagsüber trugen wir ihn durch die Gegend und wehe, man legte Jimmy mal in seinen Kinderwagen. Er mochte keine wärmende Badewanne, kein Tragetuch und kein Kirschkernkissen. In diesem Sommer, es war jeden Tag über 30 Grad heiß, mochte er ausschließlich in unseren Armen liegen oder unter dem Heizöfchen. Ich erinnere mich an eine Zeit ständigen Schwitzens und einen Kopf, der sich so dick anfühlte wie bei einem fetten Sangria-Kater. Die Mamas aus der Krabbelgruppe lächelten zufrieden und manche sogar ausgeschlafen, als wir uns trafen. Sie tranken Stilltee und legten ihre Babys neben sich auf eine Decke. Mir lief der Schweiß von der Stirn, wenn ich nur das Wort Tee hörte und man traf mich dauer-laufend-, -schunkelnd- oder -wiegend mit einem Jimmy im Fliegergriff, der unglaublich wütend auf diese inkompetente Frau zu sein schien, die sich seine Mutter schimpfte.

Das zweite Baby: Alltags-Routine und Kontakt zur Außenwelt

Kurzer Spoiler: die inkompetente Mutter hat es überlebt und sich trotz dieser Erfahrung für ein zweites Kind entschieden. Das kam dann zwei Jahre später auf die Welt und was soll ich sagen – angesichts des ganzen Elends der ersten Wochenbettzeit war ich auf alles vorbereitet und dieses Mal positiv überrascht. Auch Luise war kein Baby vom Typ „weint nur, wenn es Hunger hat und liegt zufrieden im Stubenwagen rum“, aber ich wusste doch, dass Neugeborene nun einmal viel weinen. Sie war auch keineswegs so überanspruchsvoll und genoss das Tragen im Tragetuch, wir konnten sie mit einem warmen Bad glücklich machen und sie hatte zwar alle zwei Stunden Hunger, schlief nach der Mahlzeit aber schnell wieder ein. Es ist ein wenig wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei: ist zuerst die Mutter gestresst und wirbelt das Baby auf oder umgekehrt? Egal, ich denke, diese Geschichten von einer ersten anstrengenden und einer zweiten stressfreieren Zeit kann wohl fast jede Mutter erzählen. Ich jedenfalls fand die Tatsache entspannend, dass wir trotz winzigem Baby recht flott wieder einen normalen Alltag bestritten. Dadurch, dass Jimmy in den Kindergarten ging, kam ich raus, hatte Kontakt zur Außenwelt und war vor allem routiniert. Mit Baby Jimmy war ich unsicher und von der Welt abgeschieden, das waren für mich die zwei Hauptgründe, warum die erste Zeit mit dem ersten Baby irgendwie unharmonischer war.

Das dritte Baby: Zu viel zu tun, um müde zu sein

Ich mag es gar nicht, wenn Mehrlingseltern auf eine Mama mit dem ersten Kind herunterschauen und süffisant grinsend „Ein Kind ist kein Kind!“ kalauern. Lass dir das niemals einreden. Ich selber war mit dem ersten Baby viel angestrengter als mit dem zweiten oder dritten. Mit dem ersten Baby war ich um die Mittagszeit nicht einmal geduscht, mit dem dritten Kind stand ich fix und fertig um halb neun mit drei angezogenen und satten Kindern vor der Kindergartentür und trug sogar selbst Hose und Pullover. Es ist ein wenig so wie mit einem Marathon. Ein ungeübter Läufer ist nach 20 Minuten Joggen am Rande seiner Kräfte. Ein Läufer dagegen, der täglich trainiert, kann sogar nach einer halben Stunde noch Bäume ausreißen. So war es auch mit dem dritten Baby. Manches musste ich doch noch einmal bei der Hebamme erfragen, aber die grundsätzlichen Dinge rund ums Wickeln, Stillen und Einschlafen wusste ich noch. Und ich wusste vor allem auch, dass Nerven bewahren der einzige und wichtigste Leitsatz des Tages war. Keine Sorge, ich lief mit dem dritten Kind nicht auf einer Entspannungswolke durch die Gegend. Auch mit Baby Oskar habe ich mal geheult, konnte nicht mehr oder wäre am liebsten einfach davon gelaufen. Aber ich wusste, die schlimmen Momente gehen vorbei, das große Glück über den neuen Erdenbürger überwiegt und irgendwann werden sie alle groß und flügge.

Heute bin ich froh, dass wir aus dem gröbsten Babyalter raus sind. Eltern haben echt ne Menge zu tun, wenn die Kinder so klein sind. Es ist eine wunderschöne und unvergessliche Zeit und sie zu genießen ist das Beste, was du machen kannst. Solltest du also gerade oder in den nächsten Wochen ein Baby zuhause haben, dann wünsche ich dir, dass ihr das große Glück festhalten könnt. Und mach dir bitte keine Sorgen, wenn es sich in machen Augenblicken in Luft aufzulösen scheint. Es ist ein Märchen, dass frisch gebackene Mütter immerzu strahlen. Es ist nun einmal ein verdammt harter Job, Eltern zu sein und da darfst du auch mal heulen und dich nach deinem alten Leben sehnen. Hab viel Spaß beim aufregendsten Abenteuer der Welt und sei dir bewusst, dass du zwar Mutter, aber auch immer noch ein ganz normaler Mensch mit dem Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe bist!

Gewinnspiel

Du bekommst bald ein Baby, hast bereits eines oder kennst eine Frau, die Mutter wird? Dann wäre dieser Gewinn sicher etwas für dich! Ich darf ein wunderbares Verwöhn-Paket von der Bahnhof-Apotheke in Kempten verlosen. Es besteht aus einem Baby-Pflegeset mit Baby-Kinderduschgel, Babyöl für empfindliche Haut, Windelbalsam, Fenchel-Kümmel-Öl fürs Bäuchlein und einem Seidenpüppchen, das mit Kamille gefärbt ist. Außerdem ist in dem Gewinn enthalten ein Mutter-Kind-Probier-Set mit Wochenbettbauchmassageöl, Stillöl, einem Sitzbad sowie ein paar hilfreichen Kleinigkeiten für die Babypflege. (Das rote Püppchen gehört Luise 🙂

Am Gewinnspiel teilnehmen darf, wer über 18 Jahre alt ist und in Deutschland wohnt. Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse mitteilst. Deine Adresse wird nur zum Versand des Sets genutzt und anschließend gelöscht. Eine Auszahlung sowie der Tausch eines Gewinns ist nicht möglich. Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigen den Ausgang des Gewinnspiels nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehr Infos zum Gewinnspiel findest du hier.)

Das Gewinnspiel beginnt heute, am 12. Juni 2018, und endet am 20. Juni 18 um 23.59Uhr. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird danach per Los ermittelt und von mir per Mail benachrichtigt.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

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Ich habe dir hier neulich von meiner geplanten Mutter-Kur erzählt. Im Herbst fahre ich drei Wochen lang nach Oberschwaben in eine Kurklinik. Dort habe ich mein eigenes Zimmer, morgens und abends ein leckeres Buffet, Sportangebote und Zeit für mich. Neulich aber stand das Vorhaben auf der Kippe.

Schreckliches Heimweh

Als ich für die große Bloggerkonferenz Blogfamilia in Berlin war, also echt weit weg von zuhause, kamen mir große Zweifel. Zwei Tage lang habe ich die Reise in die Wahnsinssstadt genossen. Alleine abends durch die Straßen zu ziehen, Herr meiner Zeit zu sein, mich um Niemanden kümmern zu müssen, dazu diese fantastische Stadt mit ihrer Lebendigkeit – ich war selig. Sonntags dann, einen Tag vor der Abreise, bekam ich unglaubliches Heimweh nach Anton und den Kindern. Ich kam mir so alleine vor, ich habe die Kinder schmerzlich vermisst und ich wollte endlich von Anton in den Arm genommen werden. Ich hätte mich am liebsten heulend an den Straßenrand gesetzt, Berlin kam mir laut und gruselig vor und ich überlegte kurz, mich einfach sofort in den Zug zu setzen.

Wie soll ich es nur aushalten, drei Wochen lang weg von meinen Lieben zu sein? Dieser Gedanke traf mich wie der Blitz und die Kur erschien mir nicht länger wie ein großes, fernes und schönes Ziel, sondern wie ein schrecklicher Fehler.

Alleine verreisen, dürfen Eltern das?

Wenig später schrieb meine Bloggerkollegin Alu vom Blog Grosse Koepfe von ihrer kleinen Auszeit in Griechenland. Die Überschrift lautete: In den Urlaub fahren ohne Kinder, darf man das?  Na klar, darf man das, schoss es mir sofort in den Kopf und ich beteiligte mich ein wenig an der Diskussion auf Facebook. Man muss sogar, rutschte es mir heraus, worauf mich eine andere Mutter fragte: „Ja, warum denn?“

So habe ich mir Gedanken gemacht, warum wir Eltern meiner Meinung nach auch mal alleine sein müssen. Ich finde wirklich, das müssen sie. Nicht gleich drei Wochen, wie bei einer Kur, aber ab und an ein paar Stunden sind meiner Meinung nach unerlässlich. Mütter und Väter müssen ganz oft ziemlich stark sein. Das Leben mit Kindern ist anstrengend und nervenzehrend. Es gibt alleinerziehende Eltern, Eltern von sehr kranken Kindern, Eltern, die selber krank sind, Familien in Armut oder mit Schicksalsschlägen anderer Art, die verdaut werden müssen. Und auch Familien, die gesund sind, genug Unterstützung, einen Arbeitsplatz und Freunde haben, kämpfen doch tagtäglich mit Vereinbarkeit, Schulproblemen, Streit mit den Kindern oder ihrer Wohnsituation. Diese Kraft, die wir als Eltern brauchen, können wir nur aufbringen, wenn wir Zeit für uns selber finden. Ein Abend alleine auf dem Balkon, eine halbe Stunde Laufen, Ausgehen mit der besten Freundin, ein Wanderwochenende mit der alten Clique, Wellness zu zweit oder sogar ein ganzer Urlaub alleine, das lädt die Akkus auf und lässt die Seele baumeln. Und noch was anderes passiert dabei: wir kommen dazu, über uns selbst nachzudenken. Das ist nicht immer leicht, aber es ist nötig. Wenn wir uns mit uns selbst nicht auseinandersetzen, gährt da etwas in uns. Jeder hat Ängste und Sorgen, kann sich mal selbst nicht leiden, fragt sich, ob der jetzige Weg der richtige ist. Wenn wir diese Dinge mit Arbeit und Emsigkeit zuschütten, holen uns diese Sorgen irgendwann ein.

Wege zu mir

Ich merke das vor allem, wenn ich Stress habe. Wenn viel zu tun ist und ich nicht weiß, wie ich diesen turbulenten Alltag schaffen soll. Wenn dann auch noch größere Sorgen hinzukommen, sagen wir mal über die finanzielle Zukunft meiner Selbstständigkeit, dann werde ich von Tag zu Tag aufbrausender. Dahinter stecken all die Ängste, mit denen ich mich nicht auseinandersetze. Gehe ich dann eine Runde laufen und habe Zeit, ein wenig nachzudenken, oder teile bei einem Glas Wein meine Sorgen mit Anton, dann geht es besser.

Ich komme zurück zum Thema: von der Mutter-Kur verspreche ich mir, ein wenig näher zu mir selbst zu finden. Das macht nicht immer Spaß und ich werde auf Stolpersteine stoßen. Aber Zeit mit mir alleine wird mir gut tun, das weiß ich. Ich stelle oft zu hohe Ansprüche an mich, der Stress, den ich mir dann mache, ist auch für meine Familie spürbar. In der Kur werde ich die Gelegenheit haben, etwas an mir selbst zu ändern. Dazu brauche ich Zeit und Abstand, auch wenn dieser Abstand schmerzen wird.

Insofern bin ich der Meinung, dass alle Eltern Zeit für sich selbst brauchen. Das Heimweh macht mir Kopfzerbrechen, aber ich werde mich davon nicht abbringen lassen. Manchmal schleicht sich in mir der Verdacht ein, dass man sich auch hinter seinen Kindern verstecken kann. Ich brauche sie und sie brauchen mich, darum kommt eine Kur nicht in Frage, könnte ich sagen. Klar, wenn einer in der Familie für eine Zeit lang weg ist, wird das für alle schwierig. Andererseits werden alle davon profitieren: Mama kommt erholt nach Hause und mit etwas Glück rettet sie die Erholung in den Alltag. Papa schafft den Haushalt auch, vor allem dann, wenn alle mitanpacken. Die Kinder vermissen die Mama und es ist nicht schön ohne sie. Aber auch diese Zeit geht rum und jeder hat etwas Neues dazu gelernt.

Angst vor der eignen Courage

Auch Alu hat in ihrem schönen Text beschrieben, wie sie sich Gedanken machte. Geht es allen gut zuhause, darf ich die Kinder überhaupt alleine lassen? Aber irgendwann konnte sie ihren Urlaub genießen:

Ich habe Angst mich manchmal selbst wieder zu entdecken ohne das Label Mutterschaft im Hintergrund. Ich tue mich schwer mit dem Loslassen und dem Dasein im Moment und bin lieber in Strukturen gebunden als zu frei. Nach 48 Stunden geht es dann doch irgendwie, der Schalter kippt um, ich sitze allein am Strand und schaue aufs Meer. Ich genieße die Zeit ohne Logistik, ohne Termine und ohne Plan. Ich sehe mich selbst an und sehe noch viel mehr als nur eine Mutter oder eine Freundin. Ich sehe mich.

Wir Mütter sind nicht ersetzbar, keine Frage. Aber für eine Zeit lang geht es auch mal ohne uns, da bin ich mir sicher. Vielleicht hast auch du den Mut, eine Kur zu machen oder mal ein paar Tage wegzufahren. Mach dich wieder auf den Weg zu dir selbst nach einer langen Zeit, in der du dich tagtäglich gekümmert hast. Du bist vor allem Mutter, aber eben nicht nur. Du bist auch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Träumen. Ich denke, es ist ein wenig so wie mit der alten Weisheit: nur wenn wir uns selbst lieben, können wir von ganzem Herzen Liebe verschenken. Und nur wenn wir mit uns selbst ganz zufrieden sind, können wir diese Zufriedenheit auch zuhause weitergeben. Ich war zuhause oft genug unzufrieden und habe gemeckert. Das möchte ich ändern.

Deshalb bin ich der Meinung, dass Eltern unbedingt auch mal Urlaub alleine machen dürfen. Wenn es bei dir im Moment nicht für mehr reicht als einen Abend alleine auf dem Balkon: auch das kann eine kleine Mutterkur sein. Und von meiner Kur werde ich dir im Herbst berichten. Vielleicht können wir gemeinsam etwas lernen!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Jeannine vom Blog Mini and Me hat sich auf ihrem Instagram-Kanal eine tolle Aktion ausgedacht: #facesofmotherhood. Das hat sie dazu geschrieben:

WIE SIEHT DENN EINE MAMA AUS? Ich bin eine Mama, also sieht eine Mama wohl aus wie ich. Und wir sind Mütter, also sehen Mütter wohl aus wie wir. Groß, klein, jung, alt, kurze Haare, lange Haare, dunkel, hell, kantig, weich, sportlich, erotisch, abgemüht, strahlend, traurig, stark, sexy, kühl, Augenringe bis zum Boden oder das blühende Leben. Wer bestimmt, wie Mamas aussehen? Wie wir aussehen sollten? Wie wir uns kleiden sollten? Wie wir „sein“ sollten? Mutterschaft hat viele Gesichter. So viele, wie es Mütter gibt. Zeig deines! Mit #facesofmotherhood!

Und weil ich das Thema so ansprechend finde, habe ich sofort bei der Aktion mitgemacht und einen eigenen kleinen Text geschrieben, den ich hier auf dem Blog noch weiter ausführen möchte. Ich selbst habe als Mutter ganz unterschiedliche Gesichter, die durch alle Gefühlsnuancen gehen. Zum Beispiel habe ich oft eine echte Fratze. Niemals haben mich andere Menschen so auf die Palme gebracht, wie meine Kinder das ab und zu tun. Ich glaube, wenn ich mich selbst beobachten würde, wenn ich mal so richtig auf Krawall gebürstet bin, dann hätte ich Angst vor mir. Und mein genervter Gesichtsausdruck, wenn der dritte Becher Milch umkippt und das 120. Mal „Mamaaaa“ durch die Gegend gebrüllt wird, ist sicherlich auch nicht gerade entzückend.

Allerdings ist mein Gesicht entspannt und ruhig, wenn ich abends in die schlafenden und süßen Gesichter meiner Kinder schaue oder wenn ich die Augen schließe, weil mich zwei kleine Ärmchen fest umschlingen. Denn ist nicht das Gesicht das allerschönste, aus dem diese Liebe spricht? Da stört kein Fältchen, keine ungerade Nase, da braucht es keinen Highlighter und keine Wimperntusche. Die Sanftmut, mit denen wir unsere Kinder in diesen wunderbaren Momenten betrachten, die macht ein wahres Muttergesicht aus, da bin ich mir sicher. Und wenn wir noch so genervt sind vom Mamasein, uns weit weg wünschen und die Nachmittage verfluchen, in denen uns Wäscheberge und Turnstunden auf die Nerven gehen – an jedem Tag gibt es mindestens einen Moment, in dem wir strahlen, und zwar aus ganzem Herzen, findest du nicht auch?

Muttersein hat viele Gesichter. Aber dieses eine, dieses sanftmütige, haben wir alle. Übrigens gilt das ganz sicher nicht nur für leibliche Mütter. Alleine das enge Zusammensein mit diesen kleinen Menschen, die nichts Böses im Schild führen, die noch nichts wissen von Gemeinheit, Krieg, Hass und Intoleranz, das verändert ein Erwachsenengesicht und macht es sanfter und weicher.

Mich hat es verändert, das Muttersein. Ohne Kinder wäre meine Haut wahrscheinlich glatter, meine Augen offener und meine Nerven entspannter. Aber ich hätte nicht so viele Lachfältchen und wüsste nichts von dieser unglaublichen und ausufernden Liebe, die über alles geht.

Ich bin in erster Linie ich selber und definiere mich nicht nur über meine Familie. Aber niemand hat mich mehr geprägt als diese drei Menschen um mich herum. Probier doch mal was aus: Schau dich heute im Spiegel an und denk darüber nach, wie dich deine Kinder ansehen. Für sie hast du das schönste Gesicht, das es gibt. Vielleicht kannst du ihren Blickwinkel einnehmen und erkennen, wie schön du bist.

Mütter haben viele Gesichter. Sie dürfen laut, stark, schwach, müde, wunderschön, ausgeschlafen, aufgeregt, sinnlich, wütend oder auch frech sein. Sie dürfen auch eine Fratze ziehen, die Nase rümpfen und die Augen verdrehen. Das gehört dazu! Aber was auch dazu gehört ist, dass wir uns selbst freundlich und wohl gesinnt im Spiegel betrachten können.

Bleib fröhlich und unperfekt,

deine Laura

Schau doch mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Hier gehts um die kleinen und schönen Momente, um Genuss, Kaffeeliebe, Buchperlen, Blumenglück, feine Kleinigkeiten und vor allem ums Mamasein.

Zum Muttertag, da wünsch ich mir,

nicht länger mehr Pralinen

ich wünsche mir, dass Frauen heute

endlich mehr verdienen

Zum Muttertag, da wünsch ich mir

nicht nur meine Ruh

ich wünsche mir mehr Mitgefühl

mit Opfern von Me too

 

Zum Muttertag, da wünsch ich mir

kein Rezept für ne Diät

ich wünsche mir unter Frauen

viel mehr Solidarität

 

Zum Muttertag, da wünsch ich mir

wenn Mama allein erzieht

dass sie vom Staat

ein dickes Geschenk an Steuerentlastung kriegt

 

Zum Muttertag, da wünsch ich mir

den nötigen Respekt

für Eltern, die den Haushalt schmeißen

das fände ich korrekt!

 

Zum Muttertag, da wünsch ich mir

ein Kabinett in Bayern

mit ein paar Menschen mehr am Tisch

und zwar welchen ohne Eiern

 

Zum Muttertag verbiet ich mir

Raps von Sido und Kollegen

über deren Worte könnt ich mich

den ganzen Tag aufregen

 

Zum Muttertag, da wünsch ich mir

keine Sahnetorte

ich wünsche mir einen riesen Berg

voll Anerkennungs-Worte

 

Denn was Mamas all time

schaffen, liebe Leute,

das ist wohl ziemlich großartig,

und gehört gefeiert, nicht nur heute!

 

Liebe Mamas da draußen, lasst euch nicht abspeisen mit ein bisschen Hellau, einem Bügelbildherz und einem Strauß Löwenzahn. Feiert euch jeden Tag, und zwar mit Konfetti und Juchuu! Ihr töstet, kümmert , liebt, räumt, putzt, schuftet und sortiert ohne Unterlass. Nehmt euch die Zeit, euch auszuruhen und für euch selbst zu sorgen, und zwar nicht nur am 13. Mai.

Bleibt fröhlich und unperfekt

eure Laura