Familie

Keine Lust auf Kinderkram? Studie über die Unlust von Vätern, zuhause zu bleiben

Neulich saß ich morgens am Frühstückstisch und blätterte durch die Zeitung. Ein Artikel erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Zu sehen war ein Bild mit einem Papa, zwei Kinder auf dem Arm, im Hintergrund die Wäsche. „Was ist bloß mit den Vätern los? Von wegen Vereinbarkeit! Sich um die Kinder zu kümmern macht Männer unzufrieden, sagt der Soziologe Martin Schröder“, lautete der Titel (Die Zeit, 21, Juni 18, Nr. 26)

„Da siehst du es!“ rief ich Anton zu, der gemütlich seinen Kaffee schlürfte. „Die Väter haben eben auch keinen Bock auf die Hausarbeit und den Vereinbarkeitswahnsinn. Aber wir Frauen sollen das ohne Murren machen.“ Bei diesem Thema geht mir ja immer die Hutschnur hoch, denn mindestens einmal pro Tag fluche ich, über die Dreckwäsche oder meine ewig streitenden Kinder gebeugt, dass ich es bin, die einen Großteil des Haushalts übernehmen muss. (Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen) Dass Anton währenddessen gemütlich mit Kollegen plauscht und es sich in der Kantine mit Burger und Pommes gut gehen lässt, so stelle ich es mir jedenfalls in solchen Momenten vor, regt mich dann richtig auf und ich hadere mit meinem Schicksal. (Na klar, natürlich ist es nicht so. Anton hat einen Haufen Arbeit, Stress und manchmal keine Zeit, mittags essen zu gehen, ich weiß…)

Die schockierende Studie

Im Text ging es wirklich um eine wissenschaftliche Untersuchung. Der Soziologe Martin Schröder wertete Daten von fast 60.000 Personen aus dem Jahr 1984 bis 2015 aus. Gefragt wurde nach der Lebenszufriedenheit auf einer Skala Null bis Zehn. Demnach sind Männer mit Kindern am zufriedensten, wenn sie 50 (!) Stunden die Woche arbeiten. Besonders daran ist, dass nichts anderes so viel Einfluss auf ihr Lebensglück hat wie die Dauer der Arbeitszeit. Das findet sogar der Soziologe schockierend. Übrigens wurden dabei relevante Faktoren wie der Wohnort, die Art des Arbeitsplatzes und der Gesunsheitszustand der Männer mitberücksichtigt. Bei Müttern ist das anders, ihre Zufriedenheit hängt nicht von der Zahl der Arbeitsstunden ab. Spannend ist übrigens auch, dass die Zufriedenheit der Frauen mit der Arbeitszeit des Partners ebenfalls steigt, bis sie bei mehr als 50 Stunden außer Haus wieder sinkt.

Die Ergebnisse scheinen also all dem zu widersprechen, was viele moderne Familien progagieren: dass Mutter und Vater sich die Arbeit zuhause und außerhalb der Familie teilen sollten. Denn stell dir vor, selbst dann, wenn beste Bedingungen für Mann und Frau herrschen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheinbar optimal klappen müsste, ist dieses Muster zu erkennen, und sogar noch deutlicher als in Familien, in denen das kaum möglich ist.

Die Erklärung

Der Soziologe erklärt sich dieses Phänomen so: in Deutschland ist es bisher immer noch normal und die Regel, dass der Mann in Vollzeit arbeitet. Und wir kennen das ja alle – es lebt sich angenehmer, wenn man es so macht wie alle anderen. Jede Frau, die berufstätig ist und nicht bei den kleinen Kindern zu Hause bleibt, kennt diese (vorwurfsvollen) Fragen. Warum machst du es nicht so wie alle anderen guten Mütter und bleibst daheim? Kein Wunder, dass sich auch die meisten Väter nicht gegen das wehren möchten, was eben schon immer so war; Der Mann als Ernährer der Familie geht tagsüber zum Geld verdienen ins Büro.

Im Übrigen verweist der Soziologe darauf, dass das alles Durchschnittswerte sind und es in vielen Familien natürlich anders sein kann. Aber die Zahlen belegen nun einmal, dass sich die meisten Männer mit der Reduzierung der Arbeitszeit schwer tun. Das kann ich als Feministin natürlich ätzend finden, aber Unzufriedenheit ist nun einmal ein Fakt, der nicht wegzudiskutieren ist.

Das ist unfair!

Auch Journalist Christoph Gurk meldete sich im Newsletter des SZ Familienmagazins zu der Studie. Er ist gerade nach einem Monat Elternzeit ins Arbeitsleben zurückgekehrt und noch ganz bezaubert vom Babyglück. Dann gibt er aber zu:

„Es ist schön, wieder im Büro zu sein. Ich mag meine Arbeit und meine Kollegen. Und die Wochenbett-Höhle ist ja auch oft eine Wochenbett-Hölle. Der Schlafmangel, das weinende Baby, die fordernde Vier-Jährige: Da ist es im Büro viel entspannter.“

Ich verstehe Journalist Gurk zu gut. Ich jedenfalls hätte mir wirklich an vielen Tagen mit einem kleinen Kind gewünscht, ins Büro fahren zu dürfen. Ich hätte jedes stressige Projekt gegen ein brüllendes Baby getauscht und auch heute noch würde ich keine Sekunde zögern, wenn mich jemand fragt: Wäsche oder Meeting? Aber als Frau spüre ich, dass ich in dieser Hinsicht benachteiligt bin. Weil mich mein Arbeitgeber nach der Schwangerschaft nicht mehr wollte, hätte ich gar nicht ins Büro gehen können. Frauen, die Kinder kriegen, sind oft raus aus dem Job, die Erfahrung haben viele andere Mütter gemacht.

Was macht uns zufrieden?

Was trägt denn überhaupt dazu bei, dass wir zufrieden sind? Ich denke, da ist in erster Linie das Gefühl, selbstwirksam zu sein. Dass das, was wir tun, einen Sinn und einen Nutzen hat. Wir möchten in unserem Leben dazu beitragen, dass es uns und unserer Familie gut geht, dass wir ein Teil einer Gemeinschaft sind und etwas bewirken können, wenn Probleme auftauchen. Schlimm ist das Gefühl, nichts ändern zu können. Hier kommt der Punkt: ich selber habe manchmal das Gefühl, als Frau an meiner Situation nichts ändern zu können. Daher hadere ich auch so oft mit meiner Rolle als Mutter, die den Großteil der Hausarbeit stemmt. Wer kennt nicht das Gefühl, den ganzen Tag für die Kinder hin und her gerannt zu sein, sich Wäsche und Kochtopf gewidmet zu haben und doch am Ende des Tages zu dem Ergebnis zu kommen: „Ich habe nichts geschafft!“ Klar, das ist nicht der Fall. Kinder zu versorgen, sie in den Arm zu nehmen, wenn sie weinen, auf sie aufzupassen und nebenher zu schauen, dass die Bude nicht völlig in Chaos versinkt, das ist eine große und wichtige Aufgabe. Aber es fühlt sich nicht immer so an. Dagegen fühlt es sich schon ziemlich gut an, wenn am Ende des Monats ein Gehalt überwiesen wird, mit dem die Rechnungen bezahlt werden können. Ich verstehe die Männer ja, sogar sehr gut.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich macht das alles sauer. Es sind nicht die Männer, denen meine Wut gilt, es sind vielmehr die beruflichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Wenn du länger hier liest, kennst du meine Meinung zu diesem Thema. Frauen und Männer sollten die Wahl haben. Eine Frau, die sich freiwillig entscheidet, bei den Kindern zu bleiben und ihren Beruf aufgibt, die soll das auch tun dürfen. Genauso sollten aber auch Frauen arbeiten gehen können, wenn die das möchten. Das Mindestmaß von allem ist, dass sich Eltern gleichberechtigt für ihren eigenen Weg entscheiden, der für BEIDE passt.

Wie gehts weiter?

Ich bin optimistisch, dass sich die Verhältnisse für Luise, Jimmy und Oskar ändern werden. Wenn meine Kinder groß sind, werden immer mehr Männer länger zuhause bei den Kindern bleiben und sich mit ihren Partnerinnen Erziehung und Haushalt teilen. Wenn dieses Bild von einem Vater zur Normalität wird, werden die Männer auch zufriedener sein, da bin ich mir sicher. Insofern ist für mich die Schlussfolgerung aus dieser Studie, dass wir Eltern weiter für die Vereinbarkeit kämpfen müssen, denn ich sehe es wie der Soziologe: „Es wäre nach diesen Ergebnissen sinnvoller, den Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, auch die Chance, länger zuhause zu bleiben. Dann würde sich vielleicht auch das traditionelle Rollenbild ändern – und damit das Empfinden dessen, was uns glücklich macht.“

Lust auf Diskussion?

Und nun interessiert mich, ob es hier auch Väter unter den Lesern gibt, die zu diesem Thema etwas zu sagen haben. Versteht ihr die Ergebnisse der Studie, weil es euch ebenso geht? Fühlt ihr den Druck, wie alle Männer zu sein und so viel wie möglich arbeiten zu gehen? Oder ist es bei euch im Bekanntenkreis schon normal, sich Haushalt und Betreuung zu teilen? Ihr dürft auch ruhig sagen, wenn ihr sehr gerne ins Büro geht. Es soll keiner für sein Empfinden verurteilt werden!

In meiner Umfrage unter Eltern, die sich Job und Kinderbetreuung teilen, haben sich viele Männer gemeldet. Aber das waren immer Väter, die sich bewusst für die Kinder und gegen einen 100%-Job (gegen einen Teil des Geldes oder oft auch gegen Aufstiegschancen) entschieden haben und damit in ihrem Kollegenkreis ziemlich alleine dastanden. Wie siehst du das alles und was würdest du dir für dich und deine Familie wünschen?

Ich freue mich, wenn hier respektvoll und kräftig diskutiert wird. Vielleicht haben ja Elternblogger und -bloggerinnen Lust, das Thema aufzugreifen und ihre Texte hier zu verlinken? Besonders die Väterblogger möchte ich aufrufen, denn deren Meinung würde mich sehr interessieren! Falk vom wunderbaren Blog Papa macht Sachen ist schon mal dabei und wird demnächst einen Text veröffentlichen. Ich bin gespannt, was er zu der Studie sagt…

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Völlig out of topic, ich weiß, aber nach so viel ernster Kost muss man sich das Leben wieder etwas versüßen. Bist du zufällig auch auf Instagram unterwegs? Dann freue ich mich, wenn du auf meinem Kanal vorbei schaust! Da gibst zum Beispiel Rezepte für kleine Lecker-Schmecker-Sachen wie ein ratzifatzi Marshmallow-Nachtisch, Yummy!

20 Comments

  1. Ich habe zwei Kinder, knapp 3 und knapp 1. Und ich bin definitiv nicht die geborene Hausfrau. In meinem Job war ich besser als bei diesen ganzen Haushaltsgeschichten. Da hat sich leider auch in drei Jahren nur wenig dran geändert. Meine Elternzeit endet in zwei Monaten, dann möchte ich in einem neuen Job wieder durchstarten. Zumindest so die Theorie. Aber wie schwer es ist, trotz sehr guter Ausbildung, Berufserfahrung etc. etwas zu finden, musste ich bereits bei meinen Bewerbungsversuchen nach der ersten Geburt feststellen. Früher wurde ich von Headhuntern angeschrieben, mit Kind dann trotz passendem Profil nicht mal mehr zu Bewerbungsgesprächen eingeladen.
    Und dann auch noch die Vollzeit- Teilzeit Frage. Eigentlich möchte ich meinen Kindern keine Vollzeit arbeitende Mutter zumuten. Dafür finde ich sie noch zu jung. Aber Teilzeitjobs sind schwer zu finden, zumindest, wenn man etwas mit Verantwortung machen möchte. Für dieses Dilemma gibt es wohl nicht die perfekte Lösung – und letztendlich muss ich wohl sehen, was angeboten wird.
    Aber schon traurig. Alle wollen, dass Familie gefördert wird, Gleichberechtigung etc. Und in der Praxis sieht es in den meisten Firmen immer noch ganz anders aus!

    • Hallo! Kommentare wie diese machen mich traurig, wirklich. Denn ich teile deine Erfahrungen voll und ganz. Egal wie viel schon in die richtige Richtung getan wird, auch in meinem Umfeld haben es hoch qzalifizierte Frauen mit Kindern sehr schwer, in den Beruf einzusteigen. Fachkräfte werden gesucht, tolle Leute wie du sitzen zuhause. Ich denke, die Wirtschaft wird sehr bald merken, dass es so nicht mehr weitergeht. Ich wünsche dir trotzdem alles, alles Gute und drücke feste die Daumen! Liebe Grüße von Laura

      • Vielen Dank!
        Werde auf jeden Fall weiter versuchen, zu überzeugen und das passende zu finden!
        Ich denke, wichtig ist auch, sich selbst und seinen Wert weiterhin zu schätzen und sich nicht runterziehen zu lassen. Irgendwann glaubt man ja selbst an seine „Makel“ als Mutter (zeitlich unflexibel, Kind krank, etc. ) und das merkt dann der Gegenüber auch. Als ob das die Qualität unserer Arbeit beeinflussen würde.
        Nein, wir sind immer noch genauso gut wie vorher! Vielleicht sogar besser, denn in der Elternzeit lernt man eine Menge und entwickelt sich weiter. Und irgendwann werden das die Entscheider auch merken bzw. merken müssen, wenn sie vernünftige Fachkräfte haben wollen!

  2. Liebe Laura, klingt nach ner längeren Debatte, vielleicht nix fuer die Kommentarspalte. Ein potentielles Missverstaendnis mag ich noch versuchen auszuräumen: „Und sich in einer Beziehung vorher darüber im Klaren sein, was es heißt, Kinder zu haben“
    Das geht in der Tat auch aus meinem Blickwinkel nicht 100% (und da hab ich auch nicht drueber gesprochen. Auch nicht über die Kompromisse von Notfallplänen wenn Dinge schiefgehen. Ich sprach vom sich-individuell-klar-machen was ich mir vom Leben erwarte und ob das realistisch ist oder welche Konsequenzen das hat). Was m.a.n. geht, und dafuer braucht man(n) weder akademische Ausbildung noch überzogen Planungserwartungen an das weisgott unwägbare Leben (da bin ich völlig bei Dir!): Ich beschränke mich mal ganz bewusst auf die Filterblase derer die mir in Gesprächen und Blogs begegnet sind und die oft am lautesten Klagen, gern als gut ausgebildete Studienabgänger*innen (also Achtung Cliché und ja, ich bin mir bewusst dass es 1000+1 Lebenslage gibt in der das Luxusüberlegungen sind, aber irgendwo muss mensch anfangen): wenn ich mit nem Jura- oder Psychologiestudium bei ner Grosskanzelei oder ner Beratungsfirma oder nur in ner grösseren Firma anfange, dann WEISS ich dass das 50-70 Wochenstunden Arbeit heisst und dann WEISS ich, dass das inkompatibel mit viel Zeit mit dem Kind/den Kindern verbringen ist. Und ich WEISS das Kinder Zeit meines Lebens benötigen und verdienen. Das also beides nicht gleichrangig zu haben ist. Egal ob mann oder frau. Findest Du es wirklich zu viel der Anforderung daraus dann fruehzeitig Konsequenzen zuziehen? Von Beginn an nenn Job suchen der besser kompatibel ist, den Job zu wechseln, zu schauen ob ich die Jobintensivphase durch nenn anderen Job abloese, wenn klar ist, dass das Kind auch wirklich kommen soll. Sind so Überlegungen wirklich zu viel verlangt? Ich frag mich das ernsthaft, nicht als Provokation oder Besserwissertum.

  3. Ich bin Mutter von zwei Kindern und arbeite ca. 15-18 Stunden die Woche in einem kleinen Büro. Mein Mann arbeitet Vollzeit. Ich gehe grundsätzlich gerne zur Arbeit, allerdings mache ich aufgrund der fehlenden Zeit nur vorbereitende Dinge ohne wirkliche Verantwortung. (Und als Teilzeitkraft wird man ja teilweise schon als eher kästig als nützlich abgestempelt). Dementsprechend wenig verdiene ich auch. Dazu kommt der Stress wenn die Kinder krank werden oder Ferien sind. Wir haben viel Unterstützung aber ständig auf Hilfe angewiesen zu sein fühlt sich auch nicht gut an. Ich halte meinem Mann gerne den Rü ken frei damit er beruflich ereichen kann was er sich vorstellt. Ich selber habe noch nicht herausgefunden wo meine Stärken liegen, dann würde ich mich nämlich beruflich gerne verändern und von zu Hause aus arbeiten. Das ist sicher nicht leicht, aber ich könnte bei den Kindern sein. Die fehlende Anerkennung und ein Stück die Abhängigkeit von meinem Mann ist schon manchmal blöd, andererseits ist mein Job auch keine Erfüllung und eher Stress als Nutzen. Es ist einfach schön mal an was anderes zu denken als den Haushalt. Mein Mann ist ein ganz toller Papa und kümmert sich sobald er da ist voll um die beiden Jungs. Er würde sicherlich gerne ein paar Stunden weniger arbeiten, aber seinem Job stark reduzieren eher nicht. Und solange ich mir beruflich unsicher bin, sorge ich gerne dafür das es zu Hause läuft. Ich denke auch, dass Zufriedenheit damit zusammenhängt wie wertvoll man für eine Gruppe ist und das auch spürt. Die Tätigkeit spielt dann keine Rolle. Andererseits ist Zufriedenheit auch eine innere Einstellung und eine Form von Dankbarkeit. Manche Menschen haben alles und sind trotzdem unzufrieden.

    • Liebe Madeleine, ich danke dir für deinen Bericht. Es ist gut und wichtig, hier die Erfahrungen auszutauschen. Liebe Grüße udd alles Gute für euch!

    • Liebe Madeleine,
      ich finde mich in Deinem Kommentar so wieder. Ich habe eine Tochter und arbeite seit zwei Monaten wieder 20 Stunden/Woche, vorher habe ich 8 Monate lange 10 h/Woche gearbeitet. Mein Mann arbeitet auch Vollzeit. Bei mir ist es auch so, dass ich nur vorbereitende Dinge mache oder irgendwelche organisatorischen, denen sich sonst keiner annehmen will. Eigentlich wollte ich gerne 25 Stunden machen, aber mein AG hat nur 20 Stunden zugestimmt und daher ist auch mein Verdienst entsprechend niedriger als „geplant“. Das hat mir am Anfang sehr zu schaffen gemacht. Nicht weil wir auf das Geld angewiesen sind, sondern weil es für mich eben auch die Wertschätzung meiner Arbeit und meiner Leistung darstellt. Ich habe, gerade in den letzten Wochen, auch immer wieder den Gedanken, mich beruflich verändern zu wollen, aber habe auch meine Stärken oder Talente noch nicht gefunden. Da sich aber bisher in meinem Leben vieles gefunden hat, auch wenn man vorher nicht damit rechnen konnte, bin ich auch zuversichtlich, dass sich hier alles finden wird. Ich hätte nur nie, nie, nie gedacht, dass man sich mal so aufs Abstellgleis geschoben fühlen kann…

      • Danke für deine liebe Rückmeldung! Ich habe es leider jetzt erst gesehen. Ich nehme mir aus deinen Worten auch noch was mit. Du hast nämlich Recht, manchmal muss man gar nicht aktiv suchen… Liebe Grüße und alles Gute

  4. „Aber die Zahlen belegen nun einmal, dass sich die meisten Männer mit der Reduzierung der Arbeitszeit schwer tun. „.
    Nö. Selbst auf die Gefahr hin dass das alles bekannt ist und sich nur im Blog nicht widerspiegelt: Erstmal ist es eine nicht reproduzierte Studie die eine Korrelation aufzeigt. Spannend und Grund für weitere Untersuchung, aber keine valide Aussage über Männer (in Abgrenzung zu Frauen). Wenn mir jemand ein paar vergleichbar grosse Studien mit 60.000 anderen Befragten aufzeigt mit genügend Übereinstimmung zu dieser, dann mag ich dass als valide Aussage über Männer im untersuchten Zeitraum in Mitteleuropa (?), Deutschland (?) sehen. Vorher perpetuiert diese Darstellung erstmal Stimmung, Meinung, kurz Cliches. Hilft das der Sache frag ich mich. Dann lieber ne ehrliche, auch als solche bezeichnete Annekdotensammlung dazu, den von mir vermuteten Zweck die Diskussion und das Nachdenken zum Thema anzuregen dient es ja dann trotzdem find ich. Deswegen ausdrücklich Danke für das Aufgreifen des Themas, meine eigenen Erfahrungen und Vermutungen schreib ich dann bei Papa macht Sachen.

    • Lieber Magnus, ich gebe dir Recht, dass diese Darstellung, wie ich sie aus dem Zeitungsartikel übernommen habe, Stimmung erzeugt. Ehrlich gesagt müssen die Überschriften aber auch ein wenig provozieren, denn ansonsten interessiert sich für das Thema kein Mensch und das ist vor allem für uns Frauen bitter. Ich bin außerdem der Meinung, dass die Ergebnisse der Studie schon etwas über Männer aussagen, auch in Abgrenzung zu Frauen. Barbara Vorsamer von der SZ hat darauf hingewiesen, dass eine Studie, die aktuell durchgeführt würde, sicher zu anderen Ergebnissen käme, weil sich mittlerweile viel geändert hat. Dennoch ist es für mich Fakt, dass in den meisten Familien der Vater arbeiten geht und die Frau Haushalt und Kinder übernimmt, oft noch in Teilzeit arbeitet und somit noch mehr unter der Doppelbelastung leidet. Außerdem trägt sie deshalb ein größeres finanzielles Risiko. Ich finde, das muss sich ändern und deshalb müssen wir darüber reden. Klasse finde ich, dass du dich zu Wort meldest, denn es ist unabdingbar, dass Männer ihre Meinung sagen. Sie sollen in diesem Zusammenhang in keiner Weise als Sündenbock herhalten. Gemeinsam müssen wir dafür kämpfen, dass Eltern Beruf und Familie unter einen Hut bekommen können. Ich denke, wenn wir Schritte in diese Richtung gehen, werden Männer auch zufriedener sein mit ihrer Rolle als Teilzeit-Hausmann. Liebe Grüße, Laura

  5. Ich bin zwar erst seit zwei Monaten Papa und das zum ersten Mal, aber dennoch war mir von Anfang an klar, erst einmal die Möglichkeit voll auszuschöpfen und meine Freundin Zuhause 4 Monate zu unterstützen. Das Geld, das wir zur Verfügung haben ist ausreichend und ich bin wirklich froh drüber so viel schöne Zeit mit unserem kleinen Murkel zu haben, auch wenn meine Rolle erst einmal eine Nebenrolle ist. Während der letzten Wochen ist mir auch klar geworden, dass es wesentlich wichtigeres als Karriere, Job, Aufstiegschancen etc. gibt. Die Zeit ist das kostbarste Gut, das wir haben und wenn ich mir vorstelle ich müsste anstatt bei meiner Familie bei der Arbeit sein, tut es echt weh. Mein Appell an alle Papas: Nehmt euch alle Zeit für eure Kinder die ihr habt und auch die, die ihr (vermeintlich) nicht habt. Wenn man sich für Familie entschieden hat, dann sollte man auch die Familie annehmen.

    • Lieber Gunnar, danke für deine Wortmeldung. Und es wäre so schön, wenn die Väter noch viel länger Elternzeit nehmen könnten! Liebe Grüße, Laura

    • Liebe Laura, ich mag nur noch davor warnen Korrelation und Kausalität zu verwechseln. Da hätte ich dann schon gern mehr Einblick in die jew. Lebensverhältnisse, Bildungsschicht, Beruf, familiäre Situation, das mag nämlich viel mehr prägen als das Geschlechtsmerkmal. Da wäre ich einfach vorsichtig. So nach dem Motto: ja, wenn es regnet ist die Strasse nass Aber nicht jedesmal wenn die Strasse nass ist, hat es geregnet. Meine Hypothese zum Thema wäre übrigens geschlechtsunabhängig eine andere: zufrieden bin ich mit Entscheidungen wenn ich sie selbst getroffen hab, mir frühzeitig klar gemacht hab was ich will und was nicht und die Freiheit hab sie auch zu leben. Egal ob Mann oder Frau, den Aspekt vermisse ich bei den meisten Paaren mit Kindern, die ich im Gespräch treff und wo die Unzufriedenheiten gross sind. Oder um es härter zu formulieren: Kerle, Frauen, überlegt euch verd… nochmal bevor ihr Kinder bekommt was ihr wollt und ob ihr es gemeinsam und ob ihr das gleiche gemeinsam wollt. Und dann organisiert von der Berufswahl angefangen bis hin zum Alltag euer Leben drum rum. Und wenn ihr euch bei so essentielen, irreversiblen Dingen wie Kindern nicht vorher einigt und nicht während dessen flexibel umstellen wollt ans notwendige: bekommt einfach keine. Entweder net miteinander oder garnicht. Ich bin mitlerweile so hart und sage: Nenn Mann oder ne Frau die dauerhaft unzufrieden ist im Zusammensein mit Kindern sollte einfach keine bekommen. Und daher: frühzeitig klarkriegen wer man ist und was man will. Ich werd den Verdacht nicht los, dass die externen, auch von Dir beschworenen, Strukturprobleme (die ja real sind) nur deswegen so sind, weil sich die emotionalen Angriffsflächen und Bequemlichkeiten bieten. Welche Firma könnte es sich denn wirklich erlauben nicht zu reagieren, wenn die Mitarbeitenden schon beim Einstellungsgespräch klarziehen: Job ist nur die Hälfte des Lebens wenn mensch Kinder hat. Denn die einzigen die ernsthaft Ansprüche haben die nicht verhandelbar sind, sind im Zweifel die Kinder. Zu hart? Maybe.

      • Laura

        Nicht nur Maybe, sondern yes. Dann darfst du weitere Forderungen stellen: wer Geld verdienen soll, muss sich eben gut ausbilden, wer Frieden will in der Welt, muss Kompromisse schließen. Wer eine Beziehung führt, die funktionieren soll, muss sich vertragen. Ich denke, mit deiner Forderung an künftige oder berufstätige Eltern machst du es dir sehr einfach. Und sich in einer Beziehung vorher darüber im Klaren sein, was es heißt, Kinder zu haben – wie soll das denn gehen? Das wird einem erst klar, wenn man Kinder hat. Und dann will man es um nichts in der Welt rückgängig machen, egal, wie anstrengend es ist. So funktioniert die Welt nicht. Wir alle können scheitern, in einer Beziehung, mit dem Job…. ich könnte auf deinen Kommentar noch viel mehr schreiben, was mir aber in deiner Argumentation fehlt, ist die Menschlichkeit und der Umstand, dass das Leben, so wie du es dir vorstellst, nicht planbar ist. Deine Ansprüche empfinde ich als unrealistisch und hart. Ich wünsche dir alles Gute, Laura

      • Lieber Magnus, auch ich halte deine Sichtweise für zwar vielleicht erstrebenswert, weil damit viele Konflikte vermieden werden könnten, aber leider auch massiv vereinfacht und vor allem unrealistisch. In welchem Alter oder in welcher Lebensphase glaubst du, dass Menschen in der Lage sind, zu wissen, was sie (für den Rest ihres Lebens!!) wollen? Haben sich deine Wünsche und Lebensvorstellungen noch nie geändert? Was ist deine empfohlene Berufswahl (bedenke: diese Entscheidung fällt meist so zwischen 14 und 18, also in einem Alter, das i.A. deutlich vor dem Kinderkriegalter liegt) für Leute, die mal Kinder haben wollen? „Dürfen“ gewisse Berufsgruppen dann einfach keine Familie gründen bzw. zumindest dann nicht jammern? Ich sehe es wie Laura, dass es unmöglich ist, im Vorhinein zu wissen, wie es mit den Kindern (und nicht nur mit denen, sondern auch mit Partner, Job, etc.) sein wird. Klar, dass es chronischen Schlaf- und Zeitmangel geben wird, das spricht sich relativ schnell herum. Aber wie es sich für den einzelnen dann wirklich anfühlt, ob die große Glückseligkeit hereinbricht oder eben nicht, wie stark die Nerven dann tatsächlich sind und wie die Vorlieben dann liegen, das kann niemand verlässlich vorhersagen. Kleines Detail am Rande: deine Sichtweise lässt völlig außer Acht, dass es trotz aller verfügbarer Verhütungsmethoden immer noch jede Menge „Überraschungskinder“ gibt – deren Eltern hätten demnach dann auch keinerlei Mitgefühl verdient..?
        Ich möchte nicht abstreiten, dass sich manch eine(r) vorab vielleicht mehr Gedanken über seine/ihre Wünsche und Ziele machen könnte/sollte – eine Garantie für spätere Zufriedenheit ist das aber aus meiner Sicht leider auch nicht. Das „Hinausreden“ auf strukturelle Probleme mag manchmal Bequemlichkeit (bzw. Unvermögen, die eigene Situation zu ändern) sein, ich denke aber nicht, dass das immer und vor allem auch nicht auf Heute ist Musik zutrifft.
        Die Studie selbst, die ich bis jetzt nur aus Lauras Beitrag kenne, kann man natürlich sehrwohl hinterfragen – bzw. ihre Interpretation. Erstens finde ich es wichtig zu sagen, dass das eben eine Statistik ist, und die Lage im einzelnen Fall ganz anders sein kann. Zweitens finde ich so Studien zur Zufriedenheit grundsätzlich spannend, denn müsste man genau genommen nicht die befragten Personen in zwei konträre Situationen stecken, um wirklich herauszufinden, was zufrieden(er) macht? Nicht realisierbare Voraussetzung dabei: der gleiche persönliche Entwicklungsstand zum Zeitpunkt des Versuchs (Stichwort Änderung der eigenen Vorstellungen)… Drittens: ich vermute, dass es in der Studie um die jeweils aktuelle Zufriedenheit ging. Was aber ist in zehn Jahren, wenn die Väter draufkommen, dass die 50 h im Büro (in denen übrigens erwiesenermaßen kein Mensch kontinuierlich volle Leistung bringen kann, wie das bei 40 h vielleicht noch halbwegs geht) zwar verhältnismäßig ruhig waren, die Kinder aber inzwischen groß geworden sind, ohne dass sie es richtig mitbekommen haben und die Familienbande in der Zeit massiv gelitten haben? Gibt es dann nochmal so eine Studie und die Option „hätte ich doch…“? Und schließlich glaube ich auch, dass das Gefühl der Zufriedenheit durchaus von der gesellschaftlichen Norm abhängt. Insofern bleibt also noch viel zu tun und ich danke dir für dein Engagement, liebe Laura! 🙂

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