Tag

Vereinbarkeit

Browsing

Sophie und ich habe das Finanzprojekt #MamasUndMoneten gestartet. Gemeinsam mit dir möchten wir uns über finanzielle Themen kümmern, ganz besonders wichtig ist dabei die drohende Altersarmut für Frauen. Sophie begann neulich, über ihre Situation zu bloggen und ich habe mich sofort wiedererkannt. Außerdem fand ich es toll, feministisch und mutig, das Thema anzugehen. Also habe ich Sophie angeschrieben und wir machen nun gemeinsame Sache. Wir starten eine…

…Blogparade…

…und bei Sophie gehts mit diesem Text hier los. Dort findest du auch alle Infos, wie du selbst mitmachen kannst. Falls du kein Blog hast, wäre es wunderbar, wenn du einen Kommentar dalassen möchtest. Hast du dir schon einmal Gedanken um das liebe Geld, deine Rentenvorsorge oder Absicherung für Notfälle gemacht? Habt ihr als Eltern gemeinsame Regelungen, einen Ehe- oder Partnervertrag? Ist dir das alles völlig gleichgültig oder bist du schockiert von all den blauäugigen Mamas wie ich eine war? Mein Beitrag zur Blogparade wird sein, unser erstes Finanzgespräch wiederzugeben. Vielleicht findest du dich in einer von uns wieder. Oder du bist ganz anders drauf als wir? Auf jedenfall haben wir also das hier gequatscht:

Sophie und Laura im Gespräch

Laura: Feiner Text, den du da geschrieben hast. Wie kamst du eigentlich auf das Thema, was war der Anstoß?

Sophie: Eigentlich rede ich mit meinem Mann seit Jahren darüber, dass wir irgendwie familienintern einen Ausgleich schaffen müssen, weil wir so ein bisschen in die klassische Rollenverteilung gerutscht sind: Er verdient voll, zahlt in die Rentenversicherung ein und zusätzlich in eine Betriebs- und eine Riesterrente. Und ich „verdiene dazu“, wie man so schön sagt, weil ich mich zeitlich deutlich mehr um die Kinder kümmere. Und seit ich freiberuflich arbeite, sorge ich kaum fürs Alter vor. Jedenfalls hat keiner von uns beiden mal den Hintern hoch gekriegt, auch weil das Thema eben irgendwie einschüchtert, wenn man zu wenig Wissen hat.

Laura: Sophie, wir sind tatsächlich finanzielle Zwillinge.

Sophie: Haha, ja das dachte ich mir schon. Und ich wette, so geht es so vielen anderen Frauen auch!

Laura: Wir haben das gleiche Problem und ich bin regelmäßig sauer, weil ich nicht so viel arbeiten kann und dementsprechend wenig Geld verdiene. Ich fühle mich abhängig von meinem Mann und mein Konto ist dauernd leer.

Sophie: Genau und eigentlich sollten wir aus dem Familieneinkommen trotzdem für uns individuell vorsorgen. Aber das muss man eben erst mal in die Wege leiten. Und da war immer der Haken: Ich wusste einfach nicht, wie. In einer Beratung hieß es, Rürup sei nichts für mich, weil ich noch nicht sagen kann, ob ich in 5 oder 10 Jahren immer noch selbstständig bin. In einer anderen Beratung wurde mir erzählt, dass ich als Selbstständige gar nicht riestern kann (was falsch ist, da ich verheiratet bin!). Man kriegt so viel Blödsinn erzählt. Und daher dachte ich jetzt: Stop, ich muss mir das Wissen eben selbst drauf schaffen!

Laura: Ich war geschockt, nachdem ich deinen Text gelesen und die Reportage Frauen in der Rentenfalle angeschaut habe, wie naiv wir Frauen sind. Ging es dir auch so?

Sophie: Ja, schon. Bei mir ist es vor allem so, dass ich mich immer total rausgeredet habe. So nach dem Motto: Ich bin noch jung, das ist nur vorübergehend. Langfristig wollen wir beide nämlich eher gleich viel arbeiten und am besten auch gleich viel verdienen. Aber unterm Strich ändert das ja nix daran, dass es jetzt gerade total ungerecht zugeht.

Laura: Ja, genau. Ich habe mir darüber auch nie Gedanken gemacht. Ich habe eher gedacht: ich will endlich auch mal ordentlich was verdienen, damit ich mir einen heißen Fummel leisten kann. Dass mir der heiße Fummel nix bringt, wenn ich später ne arme Kirchenmaus bin, das habe ich irgendwie nie bedacht.

Sophie: Haha, kenn ich. Ich hab jetzt nach der zweiten Schwangerschaft echt viel Geld für Klamotten ausgegeben, so nach dem Motto „Das hab ich jetzt verdient“.

Laura: Haha, genau!

Sophie: Ich muss ehrlich sagen, dass mich dein Text vor kurzem doch geschockt hat, in dem du geschrieben hast, dass du deinen Job erst mal aufgibst. Ich fand so traurig, dass es eben immer ein Zeitproblem ist.

Laura: Ja, das war auch keine leichte Entscheidung. Aufgegeben habe ich meinen Job nicht, aber ich schaffe nicht mehr alles: Blog und redaktionelle Arbeit. Daher habe ich mich von einigen Kunden verabschieden müssen, ich konnte die Aufträge nicht mehr alle abarbeiten. Die Zeit, das ist das Problem! Und mittags kommen die Kinder nach Hause und möchten essen. Ist denn der AG deines Mannes familienfreundlich?

Sophie: Ja total. Marius hat ja jetzt immerhin schon mal von 40 auf 35 Stunden reduziert und das war gar kein Thema. Langfristig wollen wir ca. auf „30 beide“ raus. Zum Glück ist keiner von uns beiden so ein totaler Workaholic. Wir arbeiten beide gerne, aber ich denke, auch sehr effizient. Übrigens etwas, was Arbeitgeber immer sehr schätzen!

Laura: Ich bin ganz deiner Meinung. Anton ist auch nicht auf die steile Karriere aus, da bin ich so froh. Er ist einfach sehr pflichbewusst und hat das Gefühl, dass seine wichtigste Aufgabe ist, den Großteil des Geldes für die Familie zu verdienen. Mein Ziel wäre, dass wir beide 75 % arbeiten, wenn die Kinder alle in der Schule sind. Damit wir alle mehr Zeit haben.

Sophie: Da muss man manchmal vielleicht auch eine Lanze für die Männer brechen: Die rutschen ja auch schnell da rein, wenn die Frauen in Elternzeit gehen, dann nur reduziert arbeiten usw. Irgendwoher muss das Geld ja kommen. Ich denke, man darf einfach den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem man sich spätestens wieder gleichberechtigter organisiert. Und wenn dann auch das Mindset oder wie man es nennen will, so festgefahren ist, muss man sich da erst mal wieder locker machen. Verantwortungsbewusstsein ist ja super, aber irgendwann muss man die finanzielle Verantwortung auch wieder besser aufteilen. Und vor allem muss man halt zusehen, dass man finanzielle Ausgleiche schafft.

Laura: Wie ist das denn bei den Frauen, die du so kennst, kümmern die sich um das Thema finanzielle Vorsorge?

Sophie: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass z.B. ein Großteil der anderen Kitamütter sich gar keine Gedanken darüber macht. Ich befürchte, das Thema wird oft einfach nicht besprochen. Läuft ja alles, die Wohnung muss abbezahlt werden, die Hobbys der Kinder werden teurer usw. Und an Scheidung oder Todesfall will ja auch keiner denken. Ansonsten habe ich viele Freundinnen, die noch keine Kinder haben. Die kommen gut zurecht, aber so richtig versiert in finanziellen Dingen, z.B. geschickt im Geld anlegen, sind die glaube ich auch nicht unbedingt. Manchmal gibt es Väter, die sich auskennen und dann dabei helfen. Aber Frauen, die das so richtig alles selbst in die Hand nehmen, kenne ich eigentlich kaum.

Laura: Ich habe durch deinen Anstoß einen Termin bei der Rentenversicherung vereinbart. Dort werde ich mir ausrechnen lassen, wie viel Geld mir durch Elternzeit und Teilzeit flöten ging. Das können wir dann später gemeinsam in meine Rentenkasse einbezahlen.

Sophie: Hast du da schon eine Idee, wie ihr das machen wollt? Tatsächlich in die gesetzliche Rente einzahlen? Oder eher irgednwo geschickt anlegen, aber konkret auf deinen Namen?

Laura: Das wäre vielleicht eine Frage, die wir der Geldfrau stellen könnten, oder? Ich frage erst einmal bei der Dt. Rentenversicherung nach, was die so meinen. Ich bin ja bei privaten Sachen auch immer sehr kritisch.

Sophie: Ja das wäre super! Madame Moneypenny z.B. ist ja eher klar dafür, geschickt zu investieren und salopp gesagt dem Staat kein Geld in den Rachen zu schmeißen, weil die Rente eh nicht sicher ist.

Laura: Das sind die wichtigen Fragen, bei denen ich mich noch weniger auskenne. Ich finde es bezüglich unserer Reihe spannend, wie du vorhin sagtest, mal nach finanziellen Anlegemöglichkeiten zu recherchieren. Fonds und sowas. Und jetzt muss ich mich aber an die Arbeit machen. Gleich muss ich Oskar abholen!

Sophie: Ich mache auch weiter. Wir hören voneinander!
So, das war unser Finanz-Gespräch. Und du siehst, wir haben viel vor. Bald werden hier ein paar Expertinnen befragt, Sophie und ich lesen uns mal durch unsere Riesterverträge und ich trinken ein Schnäpschen, weil wie durch Zufall genau diese Woche mein Rentenbescheid kam. So viel sei verraten: wenn es so weitergeht, sieht es für mich später einmal zappenduster aus.
Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura
Hier findet ihr die bisher erschienenen Artikel aus der Themenreihe #MamasUndMoneten:
Sophie: Mutig sein und ran an die Finanzplanung
Sophie: Mein Plan, wie ich Kontrolle ins System bringe
Laura: Raus aus der Armutsfalle und ran an die Finanzplanung
Hast du Lust auf mehr Musik? Dann komm doch mal rüber zu meinem Instagram-Kanal. Hier gibts Motivation für Mamas, feine Kaffee-Rezepte und unsere Müttersprechstunde am Morgen. Ich freu mich auf dich!

Mütter in der Zerreißprobe, zweiter Teil

Mütter in der Zerreißprobe, so hieß mein Text, den ich im Dezember letzten Jahres veröffentlicht habe. Darin ging es um die Zerrissenheit, die viele von uns schlaucht. Grund für meine Gedanken waren viele Freundinnen, die bei mir am Tisch saßen. Beim Kaffee trinken erzählten sie von zuhause und berichteten alles das gleiche: Die viele Arbeit im Haushalt und mit den noch kleinen Kindern, die Doppelbelastung mit dem Job und die Abwesenheit der Männer quälte sie.

Die Generationen vor uns

Ich recherchierte und stieß auf eine WDR-Reportage, die diese Zerrissenheit beschrieb und ein paar Erklärungen lieferte. Wir Frauen waren ein bis zwei Generationen früher in einer anderen Situation. Es war normal zu heiraten, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu führen. Es war kein entspannteres Leben, denn Haushalt und Kids waren und sind ein Fulltime-Job. Aber Frauen haben von ihren Müttern gelernt, das als gegeben hinzunehmen. Noch meine eigene Oma hätte niemals meinen Opa dazu aufgefordert, ihr bei der Wäsche zu helfen. Ohne zu murren hat sie geschuftet, meinen Opa mittags und abends bekocht und dafür gesorgt, dass er nach der Arbeit seine Ruhe hatte. Sie hat ihr Leben nie in Frage gestellt und wusste auch, dass ihr Mann sich niemals trennen würde. Ob das jetzt rosige Aussichten sind, ist Ansichtssache. Aber ein wenig Sicherheit hat sie immerhin genossen.

Die Mütter-Generation danach war schon ein wenig selbstbestimmter, dennoch haben in Westdeutschland der Großteil der Frauen nach der Geburt der Kinder nicht gearbeitet. Sie waren zuhause, haben sich um Haushalt und Nachwuchs gekümmert und hatten vor allem dann Glück, wenn die Ehe hielt und sie von der Rente ihres Mannes leben konnten. Scheidungen gab es zwar nun öfter, aber immerhin konnten die Frauen vom Unterhaltsgesetz profitieren, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Heute ist alles besser? Pustekuchen!

Wir Frauen heute leben anders. Einerseits geht es uns besser, denn wir haben viel mehr Freiheiten. Wir können Kinder bekommen und dann wieder halbtags arbeiten, wir können zuhause bleiben oder wir können ganztags arbeiten, theoretisch. Andererseits sieht alles ganz anders aus. Denn wenn wir Kinder bekommen und halbtags arbeiten, haben wir den Job unserer Mütter und Großmütter an der Backe UND noch einen Arbeitgeber, der Anwesenheit und Leistung fordert. Kein Wunder, dass wir ausgebrannt sind. Denn wer sich dieses Modell schön redet sagt, dass wir beides haben, Beruf und Kinder. In Wahrheit strampeln wir uns ab, zerreissen uns zwischen Kindererziehung und Karriere. Verdienen immer noch zu wenig und haben mit dem Halbtagsjob kaum Aufstiegsmöglichkeiten, weil in Deutschland gilt: Karriere macht nur, wer ganztags arbeitet und alles gibt, inklusive Überstunden. Also macht das wenn überhaupt der Vater, und das oft auf Kosten der Mutter. Sie darf sich zuhause und im Büro abrackern, kann alles immer nur „halbfertig“ machen und muss hinnehmen, dass der Mann spät nach Hause kommt oder im Ausland verweilt. Sie lebt das Leben unserer Großmütter, hat aber oben drauf noch die Pflicht, zum Einkommen dazu zu verdienen. Außerdem darf sie sich berechtige Sorgen darum machen was passiert, wenn die Beziehung nicht halten sollte. Ein Unterhaltsgesetz gibt es längst nicht mehr.

Wenn wir ganz zuhause bei den Kindern bleiben, haben wir diese Doppelbelastung nicht. Aber es ist ein großes finanzielles Risiko, wenn wir uns nicht absichern. Unsere Rente wird ein Lacher sein, wenn der Partner sich trennt oder ihm etwas passiert, denn dann stehen die Frauen schlecht da. Wenn eine Scheidung droht, gibt es keinen Unterhalt mehr, der unseren Müttern im Fall der Fälle noch ein wenig Geld in die Kasse spülte. Wer von den Frauen sichert sich für diesen Fall ordentlich ab? Ich vermute, es ist nur ein kleiner Teil, denn wir vertrauen ja gerne darauf, dass die Liebe hält. Eheverträge und Lebensversicherungen sind uns einfach zu unromantisch.

Wenn wir ganztags arbeiten und Kinder haben, haben wir auch Probleme an der Backe. Denn irgendwer muss sich ja um Kinder und Haushalt kümmern. Immer noch machen viel zu wenig Väter diesen Job, der nicht bezahlt und in der Gesellschaft schlecht anerkannt wird. Auch Vätern sitzt das Erbe im Nacken, das besagt, dass der Mann für das Geld zu sorgen hat. Schwingt er den Putzlappen, ist er ein Lappen, so lautet die befürchtete Resonanz von Freunden und Familie. Denn Vorbilder gibt es einfach (noch) nicht.

Schlechte Aussichten

Irgendwie sind all diese Möglichkeiten nicht so doll, oder? Und ich habe den Eindruck, dass Mütter oft die Leidtragendsten sind. Das spürte ich damals auch bei den Gesprächen mit meinen Freundinnen. Ich spürte auch, dass Frauen schnell unter Druck geraten. Es ist heute dank Sportkursen und Ernährungsratgebern möglich, nach einer Geburt schnell wieder schlank zu sein. Es ist auch möglich, mit Hilfe von Youtube-Videos Motivtorten zu backen und Stoffwindeln selbst zu nähen. Mütter können Sport treiben, sich bilden, kreativ  und nebenbei eine tolle Partnerin sein. Männer freuen sich, dass sie so eine vielseitige Frau haben, die nicht wie ihre Großmütter einzig und allein grübelte, wie sie den Fleck aus dem Hemd bekommen sollte. Nein, die Frau von heute macht den Haushalt UND bildet sich weiter, sie macht die Wäsche UND einen interessanten Job, sie ist eine liebevolle Mutter UND eine attraktive Partnerin.

Kein Wunder, dass so manche Frau nicht mehr kann. Denn leider gibt es da noch ein Problem, an dem wir Frauen nicht ganz schuldlos sind. Denk noch einmal an unsere Großmütter. Die waren ausschließlich zuständig für Haushalt und Co. Die haben sich nicht beschwert, sich ihrem Schicksal gefügt und haben das ja so von ihrer Mutter gelernt. Diese Einstellung haben sie natürlich an ihre Töchter weitergegeben, weil das nicht ausbleibt. Unsere Mütter waren emanzipierter, aber die Verpflichtung, immer für die Familie da zu sein, lässt sich nicht so eben abschütteln. Haushalt ist Frauensache, Kinder erziehen auch. Wusstest du, dass diese Auffassung nur in Deutschland so verbreitet ist? Aber in uns steckt sie auch immer noch fest. Hast du schonmal beim Einkauf mit Unbehagen daran gedacht, wie dein Partnern das mit den Kids und der nassen Wäsche wohl hinkriegen wird, obwohl er es am Ende ohne Probleme gewuppt hat? Siehst du!

Meine Mädels schon wieder

Meine Freundin Miri, die drei Tage die Woche ganztags arbeitet, erzählt, dass sie gegenüber ihren zwei kleinen Jungs ein schlechtes Gewissen hat. „Wieso?“, frage ich, „ihr Papa passt doch nachmittags auf sie auf!“ Meine Freundin kann schlecht loslassen, auch weil einer der Jungs so sehr an ihr hängt. Dabei ist der Papa da, macht seine Sache primosa und das Weinen nach Mama hört auch immer auf, sobald sie aus dem Haus ist.

Meine Freundin Barbara ist froh, einen modernen Mann zu haben. Für ihn ist selbstverständlich, dass er auch nach dem Büro anpackt, denn Wäsche und Klo putzen ist auch seine Sache. Und am Freitagnachmittag macht er den Hausputz, während sie länger im Büro bleibt. „Irgendwie saugt er nicht richtig!“ sagt Barbara, und sie findet, dass das Klo nicht blinkt, wenn er die Bürste schwingt. Max meint es gut, aber er ist nicht gründlich genug, lautet ihr Fazit. Und dann, Barbara, sei mir nicht böse, aber dann könnte ich manchmal meinen Kopf in den Sand stecken.

Frauen, packt das Problem bei den Hörnern

Wir Frauen haben es heute schwer, das finde ich wirklich. Aber wir Frauen müssen auch mithelfen, dass sich daran etwas ändert. Das beudetet auch, dass wir an uns arbeiten müssen. In uns steckt noch das Erbe unserer Großmütter, dafür können wir nichts. Aber indem wir uns das bewusst machen, können wir gemeinsam daran arbeiten, dieses Erbe abzuschütteln.

Wir können als Frauen zuhause bei den Kindern bleiben, wenn das unsere freie Entscheidung ist und nicht darauf basiert, dass wir uns dazu verpflichtet fühlen. Wir können uns finanziell absichern und Vorkehrungen treffen, um im Not- oder Scheidungsfall nicht verarmen zu müssen. Sophie und ich starten dazu gerade das Projekt „Mamas und Moneten“, um dir dabei behilflich zu sein. Wir können aber auch Vollzeit zurückkehren in den Job und dem Partner zuhause das Steuer übergeben. Alles, was wir dafür brauchen ist Vertrauen in die Männer und die Einsicht, dass ein krümeliger Küchenboden und ein schlafendes Baby in Papas Armen eine ganz wunderbare und attraktive Alternative sein kann.

Wir können uns Job und Haushalt, Kinder und Küche mit unserem Partner teilen, um uns zu entlasten und Männern endlich mehr Zeit mit ihren Kindern zu schenken. Wir können es von unseren Männern stärker einfordern und miteinander einen Plan aushecken, wie das gehen könnte. Wir dürfen nur nicht untätig sein und uns nur in unserem Elend suhlen, denn so schaffen wir es niemals raus aus der Ungleichberechtigung.

Was möchte ich dir hier mit diesem Text nun sagen? Ich möchte dir vor allem sagen, dass es unmöglich ist, alles zu schaffen. Wir machen uns fertig, wenn wir Kinder liebevoll erziehen, einen Job erfolgreich und den Haushalt ordentlich machen wollen. Nebenbei gut aussehen, die Torten fürs Kindergartenbuffet selber backen und für Familie und Freunde immer ein offenes Ohr haben. Also müssen wir Frauen in uns hinein hören und erkennen, was uns wichtig ist, dann die Prioritäten setzen und gemeinsam mit der Familie Kompromisse schließen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Auf Instagram diskutieren wir morgens in der Müttersprechstunde über verschiedene spannende Themen, auch über das Thema finanzielle Vorsorge. Es geht aber auch um Erziehung und Co, Pausen im Mama-Alltag und viele andere spannende Dinge. Bist du dabei? Ich freu mich auf dich!

Warum scheitern wir oft daran, Familie und Beruf zu vereinbaren? Der Frage gehen wir seit Jahren nach und finden doch keine allgemeingültige Lösung. Das liegt wohl daran, dass dieses Thema extrem vielschichtig ist. Es gibt sie schon, die guten Bedingungen. Elterngeld, Elternzeit, Homeoffice und Kitaplätze für kleine Kinder, aber zu vieles ist immernoch im Argen. Die Kitaplätze reichen nicht, viele Unternehmen schaffen zu selten elternfreundlichen Voraussetzungen und Elternzeit über acht Wochen hinaus nehmen meist nur die Frauen.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Ich finde, es kann sich noch sehr viel tun in der Gesellschaft. Arbeitnehmer und Politiker dürfen gerne und am besten schneller bessere Bedingungen schaffen, damit wir Eltern Familie und Beruf vereinbaren können. Aber kann es sein, dass auch wir Eltern etwas tun müssen? Ich denke, ja! Und ich fange mal bei mir an, bei mir, einer Frau und Mutter. Bei einer, die in ihrem Leben ein paar Mal hätte mutiger sein können. Denn manchmal finde ich, dass wir Frauen uns nicht genug zutrauen. Folgendes möchte ich dazu erzählen:

Viel zu wenig zugetraut

In der Mittelstufe auf dem Gymnasium hatte ich anderes im Kopf als Mathe. Mein Lehrer fand mich faul und ich hielt mich schnell für unbegabt. Physik, Chemie, all die Naturwisschenschaften – dafür bin ich am Ende vielleicht zu blöd, habe ich gedacht und einfach nicht mehr zugehört. Ein paar Jahre später war ich bei einer Informationsveranstaltung der zahnmedizinischen Fakultät in Ulm. Ich dachte, Zahnärztin zu werden, das wäre doch was für mich. Als ich hörte, dass man in Chemie und filigraner Handarbeit ziemlich gut sein muss, war die Idee für mich gestorben. Habe ich mir einfach nicht zugetraut.

Am Ende landete ich bei einem großen Automobilhersteller aus Stuttgart an der Berufsakademie. Ziemlich viel Wirtschaftsmathe und Angeber-Typen, die sich schon im Vorstand sahen, haben mich abgeschreckt und ich habe hingeworfen. Literatur und Geschichte wurde es am Ende und ich bin auch froh, sowas Schönes studiert zu haben. Aber ohne Moos nix los, daher war mein Einkommen nach dem Studium als Volontärin ziemlich mies. Anton und ich wollten dennoch früh Kinder haben und so kam es, wie es kommen musste: weil er als Controller mehr als das dreifache verdiente als ich in meinem Redakteurs-Job, war klar, wer mit dem Baby zuhause bleibt. Teure Mieten in Stuttgart und Umgebung machten es schlichtweg unmöglich, von meinem Gehalt zu leben, zumal mein Vertrag befristet war.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Warum war ich so feige?

Tatsächlich frage ich mich heute, warum ich so oft gekniffen und mir viel zu wenig zugetraut habe. Ich bin ehrlich: ich habe es mir immer ein wenig einfach gemacht. Ich hatte Bammel davor, das Zahnmedizin-Studium nicht zu packen. Ich hatte nicht den Mut, mich zwischen den Angebertypen an der Berufsakademie durchzusetzen. Und ich nahm nach dem Studium ganz bequem die erstbeste Möglichkeit für einen Job wahr, anstelle darauf zu vertrauen, dass noch etwas besseres kommt. Ein Festvertrag mit einem anständigen Gehalt zum Beispiel. Ich habe mir Kinder gewünscht und wollte ein Jahr zuhause bleiben. Ein bisschen lag es auch daran, dass mir mein Job keinen Spaß gemacht hat und ich nicht ganz undankbar war, da erst einmal raus zu sein.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Wenn ich nicht so bequem, sondern ein wenig mutiger gewesen wäre, wenn ich mehr Vertrauen in mich gehabt hätte, würde ich heute ordentlich Geld verdienen. Heute traue ich mir viel mehr zu, das liegt sicher auch daran, dass ich Kinder habe. Wer einen Tag lang mit drei Kindern einen Supermarkteinkauf hinlegt und danach noch lachen kann, der kann auch auf ein Physikum lernen oder Kronen bauen, wenn er sich anstrengt.

Warum ich so oft daran denke? Ich habe mich als Frau mit schlechtem Gehalt in eine sehr ausweglose Situation begeben und für mich fühlt sich das nicht richtig an. Ich gebe die Schuld gerne meinem Arbeitgeber, der meinen Vertrag während der Elternzeit auslaufen ließ. Ich schimpfe auf den Staat und manchmal ein bisschen auf meinen Mann. Aber dass ich schlecht verdient habe und es schwer hätte, im Notfall meine Familie zu versorgen, das habe ich mir ein Stück weit selbst zuzuschreiben.

Die Sache mit dem Gehalt

Warum verdienen Frauen in vergleichbaren Berufen so viel weniger? Ich denke, oft liegt es daran, dass Frauen für Arbeitnehmer das größere Risiko sind, denn sie können Kinder kriegen und für ein oder mehrere Jahre ausfallen. Das ist dann vielleicht schon in das Gehalt miteinkalkuliert. Das Problem könnten wir lösen, wenn auch Väter länger Elternzeit nehmen, denn dann wäre das Risko der Geschlechter gleich groß. Ein anderer Grund könnte sein, dass Männer die besseren Verhandler sind. Neulich habe ich folgende Geschichte gehört: Gehaltsgespräch zwischen Bewerberin und Chef. „Wie sehen ihre Gehaltsvorstellungen aus?“ Sie: „Liegen bei ca. 60.000 Euro im Jahr, ist aber verhandelbar.“ Der Chef hat die Dame nicht eingestellt, weil ihm sowas mächtig auf die Nerven geht. Wenn die einknickt, noch bevor ich ein Gegenangebot gemacht habe, dann kann die sich ja nirgends durchsetzen, hat er vermutlich gedacht. Ehrlich gesagt, die Dame hätte ich sein können.

Rachel Ignotowsky, Frauen, die nach den Sternen greifen, mvg Verlag 2018

Geld ist nicht die Lösung

Was will ich mit meinem Text nun sagen? Alle Frauen sollen Zahnärztinnen werden und ordentlich Geld verdienen, dann wird alles gut? Nein, auf keinen Fall. Nicht immer ist ein gutes Gehalt die Lösung, auch wenn das natürlich unabhängig macht. Und es gibt einfach viele Jobs, die (leider) unterbezahlt sind. Demnach dürfte es bald keine ErzieherInnen, KrankenpflegerInnen oder Sozialpädagogen mehr geben. Aber ich will sagen, dass wir Frauen vielleicht manchmal zu wenig Mut haben. Darum stecken wir oft in einer für uns unguten Situation.

Frauen und Männer sind unterschiedlich, die einen mehr, die anderen weniger. In der Mehrzahl aber sind wir Frauen die sozialen und kommunikativen Menschen. Wir fühlen uns gut in andere ein, wir können vermitteln und Gespräche führen. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen im Allgemeinen auch etwas harmoniebedürftiger und weniger konfrontativ sind als Männer. Das hat viele Vorteile. In Sachen Gehalt, Job und Karriere ist das aber in mancherlei Hinsicht ein klein wenig nachteilig.

Wir Frauen sollten uns aber generell etwas zutrauen und mehr darauf pfeifen, was die anderen denken, meinst du nicht? Mutig zu sein bedeutet für mich übrigens nicht nur, sich zuzutrauen, einen Job zu ergreifen, der eine Familie ernährt. Es bedeutet genauso, als Frau bei den Kindern zu bleiben und den Beruf aufzugeben. Sich außerdem dafür einzusetzen, dass Care-Arbeit endlich als wichtiger und richtiger Job angesehen und entsprechend mit genug Rentenpunkten vergütet wird. Und sich von Menschen mit erhobenem Zeigefinger nicht den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. Mutig sein bedeutet genauso, einen Beruf zu ergreifen, der schlecht bezahlt ist, wie der der Erzieher oder Krankenpfleger. Diesen mit Leidenschaft zu tun und dafür zu kämpfen, dass es am Ende für die Familie reicht. Mutig zu sein kann genauso heißen, dass beide Eltern reduzieren und sich für die wertvolle Zeit in Sachen Konsum und Urlaub einschränken. Mutig sein bedeutet, für das, was wir möchten, einzustehen. Sich selbst zuzutrauen, den Wunschweg einzuschlagen und zu verfolgen.

Bist du mutig?

Nun bin ich gespannt, was du dazu sagst. Natürlich ist das hier ein wenig verallgemeinert. Es gibt haufenweise Frauen, die eiskalte Gehaltsverhandlungen führen, sich locker zutrauen, den Nobelpreis in Atomphysik zu bekommen oder vier Kinder kriegen und zuhause täglich und mit Leidenschaft ihre Frau stehen. Aber viele Frauen sind zögerlich, was ihr eigenes Leben angeht, und ab und an kommt mir der Gedanke, dass wir viel mehr Mut brauchen, um die Gleichberechtigung und die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren, voranzutreiben. Wenn irgendwas richtig schlecht läuft, schieben wir gerne den Schwarzen Peter anderen zu. Und vieles läuft für uns Frauen noch lange nicht optimal. Ein wenig können wir an uns selber arbeiten und Mut ist da ein Schlüssel für mich. Egal, ob es um Gehaltsverhandlungen, Berufswahl oder die Entscheidung geht, zuhause bei den Kindern zu bleiben.

Es gibt niemals diesen einen Grund, warum Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht gut funktioniert. Es gibt hundert Gründe und sie sind individuell. Ich hätte mir für mich gewünscht, mutiger zu sein. Ich bin die Art von Mutter, die gerne finanziell auf eigenen Beinen steht. Es kann sein, dass du eine ganz andere Mutter bist. Dass dir andere Dinge wichtig sind. Ich hoffe sehr, dass du den Mut hattest und dir zugetraut hast, die für dich wichtigen Dinge in Angriff zu nehmen. Vielleicht hast du Lust, uns davon zu erzählen?

Frauen, die nach den Sternen greifen: Gewinnspiel

Ich habe ein ganz wunderbares Buch für dich, das du hier gewinnen kannst. „Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen. 50 Portraits faszinierender Wissenschaftlerinnen“ von Rachel Ignotofsky (Affiliate Link). Darin sind 50 außergewöhnliche Frauen in spannenden Geschichten und wunderschönen Illustrationen portraitiert. Noch immer gibt es zu wenig Frauen in Vorständen und Führungsetagen, noch immer dominieren Männer Wirtschafts- und Finanzsektoren. Frauen haben es schwerer, sich in wissenschaftlichen Bereichen durchzusetzen oder in öffentliche Ämter gewählt zu werden. Aber Frauen haben schon sehr viel erreicht, das beweist dieses Buch:

Im Laufe der Geschichte haben zahlreiche Frauen im Dienste der Wissenschaft alles riskiert. Dieses Buch erzählt die Geschichte einiger furchtloser Frauen, die – ob im antiken Griechenland oder in der modernen Welt – angesichts der ihnen in den Weg gelegten Steine sagten: „Ich lasse mich nicht aufhalten.“

Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen, Einleitung, Rachel Ignotofsky, 2018

Wenn du das Buch gewinnen möchtest, um es mit deiner Tochter zu lesen, zu verschenken oder dich selbst inspirieren zu lassen, dann schreib mir einfach einen Kommentar unter den Text. Gibt es Momente, in denen du hättest mutiger sein können, oder bist du ganz anderer Meinung als ich und findest, Frauen sind keineswegs zu zurückhaltend?

Am Gewinnspiel teilnehmen darf, wer über 18 Jahre alt ist und in Deutschland wohnt. Mit der Abgabe eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass du mir im Falle eines Gewinns deine Adresse zur Weiterleitung an den mvg-Verlag mitteilst. Deine Adresse wird nur zum Versand des Buches genutzt und anschließend gelöscht. Eine Auszahlung sowie der Tausch eines Gewinns ist nicht möglich. Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigen den Ausgang des Gewinnspiels nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Gewinnspiel beginnt heute, am 08. August 2018 und endet am 15. August 2018 um 23.59Uhr. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird danach per Los ermittelt und von mir per Mail benachrichtigt.

Mehr Heute ist Musik?

Kein Problem, dann hüpf mal rüber zu Instagram. Da gibts im Insta-TV tolle Familienhacks zum Thema Ordnung und Organisation sowie ein paar Inspirationen für den Elternalltag. Kaffee, Zitate und andere Dinge, die dir den Tag versüßen!

Neulich saß ich morgens am Frühstückstisch und blätterte durch die Zeitung. Ein Artikel erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Zu sehen war ein Bild mit einem Papa, zwei Kinder auf dem Arm, im Hintergrund die Wäsche. „Was ist bloß mit den Vätern los? Von wegen Vereinbarkeit! Sich um die Kinder zu kümmern macht Männer unzufrieden, sagt der Soziologe Martin Schröder“, lautete der Titel (Die Zeit, 21, Juni 18, Nr. 26)

„Da siehst du es!“ rief ich Anton zu, der gemütlich seinen Kaffee schlürfte. „Die Väter haben eben auch keinen Bock auf die Hausarbeit und den Vereinbarkeitswahnsinn. Aber wir Frauen sollen das ohne Murren machen.“ Bei diesem Thema geht mir ja immer die Hutschnur hoch, denn mindestens einmal pro Tag fluche ich, über die Dreckwäsche oder meine ewig streitenden Kinder gebeugt, dass ich es bin, die einen Großteil des Haushalts übernehmen muss. (Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen) Dass Anton währenddessen gemütlich mit Kollegen plauscht und es sich in der Kantine mit Burger und Pommes gut gehen lässt, so stelle ich es mir jedenfalls in solchen Momenten vor, regt mich dann richtig auf und ich hadere mit meinem Schicksal. (Na klar, natürlich ist es nicht so. Anton hat einen Haufen Arbeit, Stress und manchmal keine Zeit, mittags essen zu gehen, ich weiß…)

Die schockierende Studie

Im Text ging es wirklich um eine wissenschaftliche Untersuchung. Der Soziologe Martin Schröder wertete Daten von fast 60.000 Personen aus dem Jahr 1984 bis 2015 aus. Gefragt wurde nach der Lebenszufriedenheit auf einer Skala Null bis Zehn. Demnach sind Männer mit Kindern am zufriedensten, wenn sie 50 (!) Stunden die Woche arbeiten. Besonders daran ist, dass nichts anderes so viel Einfluss auf ihr Lebensglück hat wie die Dauer der Arbeitszeit. Das findet sogar der Soziologe schockierend. Übrigens wurden dabei relevante Faktoren wie der Wohnort, die Art des Arbeitsplatzes und der Gesunsheitszustand der Männer mitberücksichtigt. Bei Müttern ist das anders, ihre Zufriedenheit hängt nicht von der Zahl der Arbeitsstunden ab. Spannend ist übrigens auch, dass die Zufriedenheit der Frauen mit der Arbeitszeit des Partners ebenfalls steigt, bis sie bei mehr als 50 Stunden außer Haus wieder sinkt.

Die Ergebnisse scheinen also all dem zu widersprechen, was viele moderne Familien progagieren: dass Mutter und Vater sich die Arbeit zuhause und außerhalb der Familie teilen sollten. Denn stell dir vor, selbst dann, wenn beste Bedingungen für Mann und Frau herrschen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheinbar optimal klappen müsste, ist dieses Muster zu erkennen, und sogar noch deutlicher als in Familien, in denen das kaum möglich ist.

Die Erklärung

Der Soziologe erklärt sich dieses Phänomen so: in Deutschland ist es bisher immer noch normal und die Regel, dass der Mann in Vollzeit arbeitet. Und wir kennen das ja alle – es lebt sich angenehmer, wenn man es so macht wie alle anderen. Jede Frau, die berufstätig ist und nicht bei den kleinen Kindern zu Hause bleibt, kennt diese (vorwurfsvollen) Fragen. Warum machst du es nicht so wie alle anderen guten Mütter und bleibst daheim? Kein Wunder, dass sich auch die meisten Väter nicht gegen das wehren möchten, was eben schon immer so war; Der Mann als Ernährer der Familie geht tagsüber zum Geld verdienen ins Büro.

Im Übrigen verweist der Soziologe darauf, dass das alles Durchschnittswerte sind und es in vielen Familien natürlich anders sein kann. Aber die Zahlen belegen nun einmal, dass sich die meisten Männer mit der Reduzierung der Arbeitszeit schwer tun. Das kann ich als Feministin natürlich ätzend finden, aber Unzufriedenheit ist nun einmal ein Fakt, der nicht wegzudiskutieren ist.

Das ist unfair!

Auch Journalist Christoph Gurk meldete sich im Newsletter des SZ Familienmagazins zu der Studie. Er ist gerade nach einem Monat Elternzeit ins Arbeitsleben zurückgekehrt und noch ganz bezaubert vom Babyglück. Dann gibt er aber zu:

„Es ist schön, wieder im Büro zu sein. Ich mag meine Arbeit und meine Kollegen. Und die Wochenbett-Höhle ist ja auch oft eine Wochenbett-Hölle. Der Schlafmangel, das weinende Baby, die fordernde Vier-Jährige: Da ist es im Büro viel entspannter.“

Ich verstehe Journalist Gurk zu gut. Ich jedenfalls hätte mir wirklich an vielen Tagen mit einem kleinen Kind gewünscht, ins Büro fahren zu dürfen. Ich hätte jedes stressige Projekt gegen ein brüllendes Baby getauscht und auch heute noch würde ich keine Sekunde zögern, wenn mich jemand fragt: Wäsche oder Meeting? Aber als Frau spüre ich, dass ich in dieser Hinsicht benachteiligt bin. Weil mich mein Arbeitgeber nach der Schwangerschaft nicht mehr wollte, hätte ich gar nicht ins Büro gehen können. Frauen, die Kinder kriegen, sind oft raus aus dem Job, die Erfahrung haben viele andere Mütter gemacht.

Was macht uns zufrieden?

Was trägt denn überhaupt dazu bei, dass wir zufrieden sind? Ich denke, da ist in erster Linie das Gefühl, selbstwirksam zu sein. Dass das, was wir tun, einen Sinn und einen Nutzen hat. Wir möchten in unserem Leben dazu beitragen, dass es uns und unserer Familie gut geht, dass wir ein Teil einer Gemeinschaft sind und etwas bewirken können, wenn Probleme auftauchen. Schlimm ist das Gefühl, nichts ändern zu können. Hier kommt der Punkt: ich selber habe manchmal das Gefühl, als Frau an meiner Situation nichts ändern zu können. Daher hadere ich auch so oft mit meiner Rolle als Mutter, die den Großteil der Hausarbeit stemmt. Wer kennt nicht das Gefühl, den ganzen Tag für die Kinder hin und her gerannt zu sein, sich Wäsche und Kochtopf gewidmet zu haben und doch am Ende des Tages zu dem Ergebnis zu kommen: „Ich habe nichts geschafft!“ Klar, das ist nicht der Fall. Kinder zu versorgen, sie in den Arm zu nehmen, wenn sie weinen, auf sie aufzupassen und nebenher zu schauen, dass die Bude nicht völlig in Chaos versinkt, das ist eine große und wichtige Aufgabe. Aber es fühlt sich nicht immer so an. Dagegen fühlt es sich schon ziemlich gut an, wenn am Ende des Monats ein Gehalt überwiesen wird, mit dem die Rechnungen bezahlt werden können. Ich verstehe die Männer ja, sogar sehr gut.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich macht das alles sauer. Es sind nicht die Männer, denen meine Wut gilt, es sind vielmehr die beruflichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Wenn du länger hier liest, kennst du meine Meinung zu diesem Thema. Frauen und Männer sollten die Wahl haben. Eine Frau, die sich freiwillig entscheidet, bei den Kindern zu bleiben und ihren Beruf aufgibt, die soll das auch tun dürfen. Genauso sollten aber auch Frauen arbeiten gehen können, wenn die das möchten. Das Mindestmaß von allem ist, dass sich Eltern gleichberechtigt für ihren eigenen Weg entscheiden, der für BEIDE passt.

Wie gehts weiter?

Ich bin optimistisch, dass sich die Verhältnisse für Luise, Jimmy und Oskar ändern werden. Wenn meine Kinder groß sind, werden immer mehr Männer länger zuhause bei den Kindern bleiben und sich mit ihren Partnerinnen Erziehung und Haushalt teilen. Wenn dieses Bild von einem Vater zur Normalität wird, werden die Männer auch zufriedener sein, da bin ich mir sicher. Insofern ist für mich die Schlussfolgerung aus dieser Studie, dass wir Eltern weiter für die Vereinbarkeit kämpfen müssen, denn ich sehe es wie der Soziologe: „Es wäre nach diesen Ergebnissen sinnvoller, den Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, auch die Chance, länger zuhause zu bleiben. Dann würde sich vielleicht auch das traditionelle Rollenbild ändern – und damit das Empfinden dessen, was uns glücklich macht.“

Lust auf Diskussion?

Und nun interessiert mich, ob es hier auch Väter unter den Lesern gibt, die zu diesem Thema etwas zu sagen haben. Versteht ihr die Ergebnisse der Studie, weil es euch ebenso geht? Fühlt ihr den Druck, wie alle Männer zu sein und so viel wie möglich arbeiten zu gehen? Oder ist es bei euch im Bekanntenkreis schon normal, sich Haushalt und Betreuung zu teilen? Ihr dürft auch ruhig sagen, wenn ihr sehr gerne ins Büro geht. Es soll keiner für sein Empfinden verurteilt werden!

In meiner Umfrage unter Eltern, die sich Job und Kinderbetreuung teilen, haben sich viele Männer gemeldet. Aber das waren immer Väter, die sich bewusst für die Kinder und gegen einen 100%-Job (gegen einen Teil des Geldes oder oft auch gegen Aufstiegschancen) entschieden haben und damit in ihrem Kollegenkreis ziemlich alleine dastanden. Wie siehst du das alles und was würdest du dir für dich und deine Familie wünschen?

Ich freue mich, wenn hier respektvoll und kräftig diskutiert wird. Vielleicht haben ja Elternblogger und -bloggerinnen Lust, das Thema aufzugreifen und ihre Texte hier zu verlinken? Besonders die Väterblogger möchte ich aufrufen, denn deren Meinung würde mich sehr interessieren! Falk vom wunderbaren Blog Papa macht Sachen ist schon mal dabei und wird demnächst einen Text veröffentlichen. Ich bin gespannt, was er zu der Studie sagt…

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Völlig out of topic, ich weiß, aber nach so viel ernster Kost muss man sich das Leben wieder etwas versüßen. Bist du zufällig auch auf Instagram unterwegs? Dann freue ich mich, wenn du auf meinem Kanal vorbei schaust! Da gibst zum Beispiel Rezepte für kleine Lecker-Schmecker-Sachen wie ein ratzifatzi Marshmallow-Nachtisch, Yummy!

Das Eltern-Hamsterrad

Ich hätte ja gerne alles! Glückliche Kinder, einen bereichernden Job, Zeit für mich, Zeit für Anton, meine Hobbys und Zeit für Nachmittage im Zoo, auf dem Spielplatz und im Freibad. Dazu natürlich das nötige Kleingeld und die Möglichkeit, mein Hab und Gut zu pflegen und sauber zu halten. Leider funktioniert das nur bei Pipilotta und nicht bei mir, denn Zeit und Geld sind leider endlich. Leider komme ich meist nicht aus, weder mit dem einen, noch mit dem anderen. Immer ist zu wenig da und ich verzweifele daran, dass der Tag 24 Stunden und mein Geldbeutel nur 30,63 Euro umfasst. Wie komme ich raus aus diesem Schlamassel, denn eigentlich möchte ich vor allem eines: ein zufriedenes Leben führen. Das ist vermutlich unser aller Ziel und ich nehme mal an, dass es auch dir oft an Zeit mangelt. Hätten wir davon mehr, könnten wir uns jeden Tag unseren Kindern widmen, um mit ihnen die Eisenbahn aufzubauen, Geschichten vorzulesen oder ins Theater zu gehen. Wir könnten außerdem in unserem Job arbeiten und die Projekte fertig kriegen. Außerdem hätten wir Zeit für die Wäsche und die Spülmaschine und danach könnten wir Sport machen, ein Bild malen oder einen Schal stricken – je nach Lust und Laune.

Stattdessen hetzen wir von A nach B und haben immerzu ein schlechtes Gewissen gegenüber Kindern, Chef, dem Haushalt und uns selbst. Wie fangen wir an, etwas zu ändern? Nun, ich habe da neulich von einer schönen Methode gehört. Anstatt uns immerzu über all das, was uns fehlt und was schlecht läuft, zu ärgern, könnten wir unser Leben mal von einer anderen Seite betrachten. Wie wäre denn eigentlich ein optimaler Tagesablauf? Wie sähe der aus und was ist uns denn eigentlich am allerwichtigsten?

Das perfekte Leben

Klar ist auch, dass sich kein Leben von heute auf morgen umkrempeln lässt. Manche Dinge lassen sich vielleicht sogar nicht in diesem oder im nächsten Jahr ändern. Aber wenn wir einen Traum von einem zufriedenen Leben haben, können wir ihm vielleicht in kleinen Schritten näher kommen. Und diesen Traum zu kennen, beflügelt uns. Außerdem tut es gut, sich klar darüber zu werden, welche Faktoren in unserem Leben zu ändern sind und welche nicht, sich mit Gegebenheiten auseinander zu setzen und sie vielleicht zu aktzeptieren.

Stand der Dinge

Ich ärgere mich sehr oft darüber, dass ich so wenig Zeit zum Arbeiten habe. Und ich könnte an die Decke gehen, wenn ich weiß, dass ich in dieser typischen Frauen-Teilzeit-Falle sitze. Toll wäre es, Anton und ich würden uns Job und Kids teilen, das geht aber nicht, weil wir einfach unterschiedlich verdienen und wir für unser Haus viel Miete bezahlen müssen. Wir sprechen regelmäßig über den Stand der Dinge und quatschen über unsere beruflichen Wünsche und Ziele, darum haben wir auch schon viele Faktoren gegeneinander abgewogen. Außerdem möchte ich in dieser Hinsicht ernst genommen werden, auch wenn mein Gehalt mit Antons nicht zu vergleichen ist. Es kommt nämlich nicht nur auf das Geld an, sondern auch auf die Freude am Job und die finanzielle Absicherung.

Fakt ist, dass ich nun in Teilzeit arbeite und selbstständig bin, an beiden Dingen gibt es derzeit nichts zu rütteln. Außerdem sind da noch die Kinder, deren Glück und Freude mir am allerwichtigsten ist. Müsste ich jetzt einen perfekten Tag zusammenbasteln, liege ich ehrlich gesagt gar nicht so weit weg davon. Denn ich arbeite vormittags, nachmittags sind die Kinder und ich zusammen. Wollte ich es anders? Nein! Warum gräme ich mich denn dann nur so?

Eigentlich ist momentan alles ganz gut so, wie es ist. Allerdings werden wir als Familie immer wieder schauen, ob sich an der Aufteilung der Arbeit nicht doch in Zukunft etwas ändern lässt. Vielleicht kann Anton irgendwann mal seine Arbeitszeit reduzieren und einen Nachmittag die Kinder betreuen. Wenn wir dann etwas weniger Geld zur Verfügung haben, werden wir schon etwas finden, woran wir sparen. Wir sind zum Beispiel nicht so große Urlauber und fahren lieber ins Allgäu statt in die Karibik zu fliegen. Dafür war uns mehr Platz für die Familie wichtig und so nimmt das Haus einen großen Teil unseres Budgets ein.

Bleibt alles anders

Es gibt doch einige Stellschrauben, an denen sich drehen lässt, wenn auch nicht sofort. Ich glaube, wir Eltern müssen uns klar darüber werden, was uns wichtig ist und in welcher Priorität. Das ändert sich natürlich auch immer mal wieder. Der nächste Schritt ist, gemeinsam nach einer guten Lösung zu suchen und sich auch Ziele zu setzen, die erst in ein paar Jahren verwirklicht werden können.

Vielleicht ist es dir am wichtigsten, ganz für deine Kinder da zu sein. Du verzichtest auf deinen Job und bleibst gerne zuhause. Oder du arbeitest in Vollzeit und siehst die Kinder seltener, dafür ist die Zeit mit ihnen intensiver. Vielleicht ist es bei dir auch eine Mischung von allem, wie bei mir. Vielleicht findest du alles toll so, wie es ist, oder du bist unzufrieden. Und natürlich spielt unsere finanzielle Situation immer eine große Rolle und wir können gar nicht anders, weil sonst das Geld nicht reicht. In jedem Fall aber ist es eine gute Idee, sich mal mit dem Traumleben zu beschäftigen.

Mutig sein

Hin und wieder könnten wir auch Dinge ändern, trauen uns aber nicht. Wir könnten uns einen anderen Job suchen, den alten kündigen. Oder uns überhaupt einen Job suchen. Wir könnten aufhören zu arbeiten und uns um die Kinder kümmern, im Gegenzug in eine kleiner Wohnung ziehen und sparsam leben. Vielleicht lässt sich Arbeitszeit reduzieren, aber wir scheuen uns, mit dem Chef zu sprechen. Oder wir fangen noch einmal an zu studieren oder einen Schulabschluss nachzuholen. Die Kinder könnten länger betreut werden, damit die Eltern mehr arbeiten. Oder aber die Kinder gehen nicht länger in die Betreuung, weil Papa ab jetzt nachmittags zuhause bleibt. Vielleicht ist ein Au Pair-Mädchen im Budegt drin oder die Freundin hilft mal aus. Vielleicht ist niemand da, der hilft, dafür brauchen Mama und Papa öfter mal eine Pause. Vielleicht lohnt sich das Ackern, weil das Haus schön und groß sein soll und Eltern unbedingt ein schickes Auto fahren möchten. Vielleicht brauchen Eltern aber auch wenig Platz und einen Fiat Panda, dafür wollen sie viel Zeit mit der Familie. Jeder hat so seine Prioritäten und sollte über die der anderen nicht urteilen.

Ich finde übrigens nicht, dass wir uns von nun an mit allem zufrieden geben sollen. Wir müssen weiter für bessere Arbeitsbedingungen, Frauenrechte und mehr Familienzeit für Männer kämpfen. Aber vielleicht finden wir jetzt schon einen Weg, um ein gutes Leben zu führen, auch wenn in unserer Gesellschaft vieles noch nicht gerade familienfreundlich ist.

Dein Traumtag

Ich drücke dir jedenfalls ganz feste die Daumen, dass du eine Idee von einem zufriedenen Leben hast und auch ein paar Schrauben drehen kannst, um diesem näher zu kommen. Zufrieden sein, das ist doch irgendwie das größte aller Ziele. Und nun wünsche ich dir viel Spaß dabei, dir mal den perfekten Tag auszudenken. Nimm Papier und Stift oder den Computer und verteile die Stunden so, wie es für dich am schönsten wäre. Vielleicht bist auch du gar nicht so weit entfernt von deinem Traum? Oder dir fallen ein paar Dinge ein, die sich ändern ließen, auch wenn sie nur ganz klein sind.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Für mehr Heute ist Musik kannst du ganz einfach auf der Facebookseite auf „Gefällt mir“ klicken oder den Blog abonnieren (hier auf der rechten Seite). Dann gibts noch dem fabelhaften Newsletter (ebenfalls rechts zu abonnieren) und einen Instagram-Kanal für mehr Glitzer im Mama-Alltag. Ich freue mich auf dich!

Klappt ja doch!

Weiter gehts mit meiner Vereinbarkeits-Reihe. Ich habe Anfang des Jahres Eltern gesucht, die beide reduziert arbeiten und sich Kinderbetreuung, Job und Haushalt teilen. Die meisten sind ja der Meinung, dass das bei ihnen einfach nicht klappt. In vielen Fällen mag das stimmen, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Aber manchmal trifft auch das Sprichwort zu: „Kann-Nicht wohnt in der Will-Nicht-Straße“. Vielleicht fühlst gerade du dich von den Lebensentwürfen dieser Eltern inspiriert und möchtest bei euch zuhause etwas ändern? Ich finde es oft schade, dass ich nicht genug Zeit für meinen Beruf habe. Mein Mann dagegen würde wirklich gerne mehr Stunden mit den Kindern verbringen. Daher freue ich mich, dass so viele mitgemacht haben und stelle euch heute zwei Paare vor, die sich Job und Haushalt teilen. Übrigens haben sich Eltern mit den unterschiedlichsten Berufen und Ausbildungen gefunden und es waren längst nicht nur Paare mit hohem Einkommen dabei.

Das traditionelle Rollenbild ist unfair: Kerstin und Andreas

Kerstin und Andreas haben sich von Anfang an für das geteilte Modell entschieden. Als Kerstin mit Zwillingen schwanger war, haben sie die Zukunft mit den Kindern geplant. Die Kinder sind nun eineinhalb Jahre alt und Kerstin arbeitet mittlerweile als Einkäuferin zu 65% und hatte nach sieben Monaten Elternzeit erst auf 40 % aufgestockt. Forschungsingenieur Andreas hat ebenfalls sieben Monate Elternzeit genommen, arbeitet jetzt 70%.

Für beide Eltern war klar, dass sie sich Elternzeit und Elterngeld teilen und dafür auch gut planen. Das ist mit Zwillingen sicher noch nötiger und in ihrem Fall war leider keine andere Unterstützung in der Nähe, mit der sie hätten rechnen können. Sie haben den Vorteil, dass sie ähnlich verdienen, so stellte sich die typische Frage nach dem Geld nicht so sehr wie bei anderen Paaren. Vor allem aber war es die Entscheidung von beiden, denn Andreas wollte sich unbedingt viel an der Erziehung beteiligen und Kerstin nicht nur den Haushalt schmeißen.

Die Eltern finden das traditionelle Rollenbild weder zeitgemäß noch fair. Die starke Einschränkung der Frau in der beruflichen Entwicklung, die finanzielle Abhängigkeit und der schwere Wiedereinstieg in den Beruf, all diese Punkte waren für sie auch ein Grund dafür, dass Kerstin nach sieben Monaten wieder arbeiten ging. Dazu kam, dass beide keine zwei unterschiedlichen Leben leben wollten. Wenn der eine acht bis zehn Stunden am Tag arbeitet und der andere sich um Haushalt und Kinder kümmert, fehlt oft das Verständnis für den Alltag des anderen. So kennen Andreas und Kerstin beide Seiten: das stressige Arbeitsleben gepaart mit harten Nächten, aber auch Tage mit den Kindern.

Andreas Arbeitgeber war nicht begeistert, als er von seinem Vorhaben erfuhr:
Die Firma ist zwar groß genug, glücklich war dort aber keiner. Aber da es einem zusteht, kann man es
nicht verhindern. Die Firma schreibt sich auf die Fahne, familienfreundlich zu sein, dann muss man es
einfach einfordern. Wichtig ist auch, dass die Rolle im Job nicht zu wichtig ist, als das man
unersetzlich wird. Einschränkungen hinsichtlich Karriere müssen hingenommen werden.

Ein bis zwei seiner Kollegen machen es ähnlich und teilen sich die Arbeitszeit mit ihren Parnerinnen sogar 50:50. Manche reduzieren ein bisschen, aber selten nehmen sie mehr als die typischen zwei Monate nach der Geburt ihrer Kinder. In der Familie von Kerstin und Andreas wird die Arbeitsteilung ganz ähnlich gehandhabt, also war die Reaktion von dieser Seite klar. Aber die Freunde der beiden leben eher das traditionelle Modell. Sie finden ein solches geteiltes Modell zwar meist gut, haben aber oft nicht den Mut, selbst Veränderungen wie diese anzustreben. Manche männlichen Freunde können sich die Arbeit zuhause auch einfach nicht vorstellen. Und natürlich gibt es wieder das klassische Problem: die Frauen verdienen viel weniger und eine Arbeitsteilung würde einfach unwirtschaftlich sein.

Andreas hat schon das Gefühl, dass seine Entscheidung Einfluss auf die Karriere hat. Aber er hat sich bewusst für Zeit mit der Famlie entschieden:
Wenn man weniger arbeitet, kann man schwer mit anderen Kollegen mithalten, man hinkt
daher erst Mal hinterher. Jedoch nicht uneinholbar. Wenn man Familie will, muss man sich immer einschränken, die Frage ist eher, was man wirklich will.

Kerstin und Andreas teilen sich den Haushalt in gleichem Maße auf und sie besprechen jeden Tag, was zu tun ist. Wenn die Kinder krank sind, wechseln sie sich ab. Sind beide der Zwillinge krank, bleiben sie manchmal auch beide zuhause.
Finanziell müssen sie sich schon etwas einschränken, denn das Gehalt ist aufgrund der Reduzierung zwangsläufig niedriger. Aber beide verdienen auch ganz gut, sodass es nicht weiter ins Gewicht fällt.

Verändert hat sich durch die Kinder für die Eltern fast alles: im Job müssen beide schauen, dass sie mitkommen, weil sie nicht mehr den ganzen Tag vor Ort sind. Meetings müssen abgesagt, verschoben oder früher verlassen werden, weil sie die Kinder abholen müssen. Sie finden, dass das Berufsleben einfach nicht auf die Work-Life-Balance ausgerichtet ist. Aber sie sehen keine Alternative zu ihrem Lebensmodell als Eltern, auch weil Kerstin keine Lust hätte, alleine für den Haushalt zuständig zu sein.

Klar gibt es ihrer Meinung nach auch Nachteile, denn alles muss ausdiskutiert werden. Sie sind immer nur halb Eltern, halb im Job. Beim traditionellen Modell könnten Eltern fokussierter das machen, für was sie zuständig sind. Sie aber haben auch beide immer ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit für die Kinder haben, sagen beide.

Beiden ist der Haushalt wichtig: Jana und Markus

Doktorandin Jana und Kommunikationsberater Markus haben ein Kind, das bald vier Jahre alt wird. Sie arbeitet 50%, er 60% in seinem Job.

Die beiden lernten sich kennen, verliebten sich und ein halbes Jahr später beschlossen sie, schwanger zu werden. Sie führten zu der Zeit eine Fernbeziehung zwischen dem Ruhrgebiet und Bern. Jana studierte, Markus arbeitete 80%. Gegen Ende der Schwangerschaft zog er zu ihr ins Ruhrgebiet und arbeitet seitdem 60%. Gut zwei Jahre lang wohnten beide mit Kind im Ruhrgebiet, bis Jana ihr Studium abgeschlossen hatte; Markus arbeitete in dieser Zeit fast ausschließlich im Homeoffice. Das Kind betreuen sie bis heute selbst. Mittlerweile wohnen sie in Bern, wo sie beide arbeiten. In der Schweiz gehen Kinder erst mit vier Jahren in den Kindergarten.

Beide haben sich nicht bewusst für das geteilte Modell entschieden, aber es war irgendwie klar, dass sich Jana nach dem Studium einen Job suchen würde. Hätte sie eine ganze Stelle gefunden, hätte Markus vermutlich noch weiter reduziert. Jana und Markus wollten unbedingt Anteil am Kind haben und den Haushalt nicht ganz aus der Hand geben.

Markus hat gute Erfahrungen mit seinem Arbeitgeber gemacht. Der hat zwar die Reduzierung erst erlaubt, als klar wurde, dass er ansonsten kündigen würde. Aber dann hat er zusätzlich zur Reduzierung auch flexiblere Arbeitszeiten bzw. Homeoffice erlaubt. Zwar arbeitet kein Kollege wie er, aber deren Reaktionen waren nicht negativ. Auch die Familie reagierte nicht weiter auf die Entscheidung des Paares. Markus hat zwar nicht das Gefühl, dass seine Karriere nun beschränkt ist, aber es ist ihm bewusst, dass er eine Neuanstellung in einer verantwortungsvollen Position mit diesem Pensun nicht finden würde.

Jana: Aufräumen und Putzen erledigen wir beide gleich oft und gleich gründlich. Wir haben es beide gern sauber und ordentlich und tun gleichermaßen viel dafür. Jeder hat aber Bereiche, in denen er „Bestimmer“ ist, weil ihm dieser Bereich wichtiger ist als der anderen Person. So kümmere ich mich zum Beispiel ums Kochen, weil mir Essen wichtiger ist als Markus. Dadurch bin ich auch für Einkäufe verantwortlich. Markus‘ Bereich ist zum Beispiel das Wäsche Waschen mit allem, was dazu gehört.

Termine, Anschaffungen und alle Themen, die das Kind betreffen, organisieren und besprechen sie gemeinsam. Durch ihre spezielle Situation müssen sie sich auch nicht finanziell einschränken, weil vor der Geburt des Kindes nur einer von ihnen gearbeitet hat. Die beiden würden alles wieder genauso machen und finden, dass das Modell keine nennenswerten Nachteile hat, außer einen, den auch Andreas benannt hat: Es ist schwierig, eine Neuanstellung in einem verantwortungsvollen Job in Teilzeit zu bekommen.

Die Gesellschaft verändert sich

Ganz lieben Dank an die beiden Paare, die so offen über ihr Lebensmodell gesprochen haben. Ich finde es unglaublich spannend, wie Familien gleichberechtigt leben. Na klar, es müssen die Voraussetzungen stimmen und die sind eben bei allen unterschiedlich. Und der Arbeitgeber muss mitziehen! In diesem Punkt sehe ich noch enorm viel Handlungsbedarf, aber ich bin auch optimistisch. Erst diese Woche habe ich ein Interview mit einer Ärztin gehört, die als Personalrekruterin arbeitet. Sie sagt, dass die jungen Leute von heute einen attraktiven Arbeitsplatz fordern, und der soll oft in Teilzeit sein. Das hat nichts damit zu tun, dass die neue Generation faul ist. Es geht viel mehr um die Familie, denn die Zeit mit den Kindern ist so wertvoll wie schnell vorbei. Wie oft sagen Männer, die heute in Rente sind, dass sie von ihren Kindern fast nichts mitbekommen und immer nur gearbeitet haben. Ich bin mir sicher, die meisten bedauern das zutiefst. Genauso gibt es heute massenhaft Frauen, deren Rente lange nicht reicht. Dabei haben sie Kinder groß gezogen und ihr Leben lang geschuftet.

Hier und hier kannst du noch mehr von Eltern lesen, die sich Job, Haushalt und Kinderbetreuung teilen.

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Mehr von Heute ist Musik! Wenn du Lust hast, öfter Beiträge von mir zu lesen, dann klick doch auf der Facebook-Seite auf Gefällt mir. Dort poste ich neben meinen Artikeln auch tolle Texte von KollegInnen und erzählen dir, wie es bei mir ziemlich oft auch mal drunter und drüber geht. Ich freue mich, dich wieder zu treffen!

Wir suchen familienfreundliche Unternehmen

Gibt es sie überhaupt, familienfreundliche Unternehmen? Vor kurzem haben wir hier zur Blogparade zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufgerufen und enorm viel Rückmeldung bekommen. Leider waren die meisten eingereichten Texte voll von negativen Erfahrungen und passten genau zu meiner eigenen: nach der Elternzeit ging es für viele Mütter mit der Karriere steil bergab. Aber damit wir nicht nur traurige Geschichten erzählen müssen, haben wir nach tollen Arbeitgebern und familienfreundlichen Unternehmen gefragt, die Vorbild für andere sein könnten. Und tatsächlich gibt es ein paar Eltern, die sich gemeldet haben.

Unternehmen familienfreundlich

Das Ergebnis zählt, nicht die Arbeitszeit

Sarah Depold vom Blog MamasKind hat einen richtig tollen Arbeitgeber. Sie beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf und hat mir ein paar Fragen beantwortet und etwas über familienfreundliche Unternehmen erzählt:

Laura: Du hast letztes Jahr im Sommer die Aktion #AGformHell gestartet. Wie kam es dazu? Hast du selbst schlechte Erfahrungen gemacht?

Sarah: Ich habe aus dem näheren Bekanntenkreis einige Geschichten erfahren, so vieles lief schief. Ob Eltern in Startups oder kleineren Familienbetrieben: Mutterschaft ist nicht überall gut angesehen. Öffentlich will natürlich niemand drüber reden – Angst um den Job besteht. Und – das fällt mir vor allem bei Frauen auf – man muss dankbar sein, dass man trotz (!) Kindern eingestellt wird. Das wollte ich gerne auch anonym öffentlich machen. Nicht alle Arbeitgeber und Kollegen sind bereit, Eltern zu beschäftigen. Sie könnten ja öfter fehlen oder weniger Leistung zeigen.

Laura: Hast du auch von guten Erfahrungen und familienfreundlichen Unternehmen gehört und wenn ja, was haben Arbeitgeber für Familien getan?

Sarah: Tatsächlich mein jetziger Arbeitgeber, die KleineFabriek. Dort stieg ich nach der 2. Elternzeit ein. Ich kann Homeoffice machen, sehr flexibel arbeiten und meine Stimme zählt. In der Firma meines Mannes gibt es sogar bezahlten Urlaub nach der Geburt – eine tolle Idee!

Laura: Was würdest du einem Personaler sagen, der immer wieder die gleiche Leier von den Müttern erzählt, die so unflexibel sind und dauernd kranke Kinder versorgen müssen?

Sarah: Dass das vollkommen überholt ist. In der Zeit, in der ich für Kleine Fabriek arbeite, musste ich nicht einen Kinderkranktag einreichen. Ich konnte die Zeit nacharbeiten und auch Stunden für diese Fälle ansparen. Klar werden Kinder krank, aber wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber entgegen kommen, sorgt das für ein gutes Arbeitsklima und gute Ergebnisse. Sicher sind Eltern an gewisse Zeiten gebunden – allein die Öffnungszeiten der Kitas und Schulen – doch das muss nicht zum Problem gemacht werden. Wichtig ist der Inhalt der Arbeit.

Laura: Kannst du noch zum Schluss formulieren, was dein Arbeitgeber von seiner Familienfreundlichkeit hat? Wieso macht er es so vorbildlich und wieso kommen nicht andere darauf, dass es so gehen könnte? Hast du dazu eine Erklärung?

Sarah: Homeoffice geht natürlich nicht in alles Jobs. Doch hier liegt der Vorteil darin, dass man weniger Fehltage der Homeoffice-Mitarbeiter zu erwarten hat. Glückliche Mitarbeiter sind zufriedener und vermutlich auch eher bereit, Zeit nach zuarbeiten, anstelle sich krank schreiben zu lassen. Das ist leider noch nicht überall angekommen. Den Eindruck habe ich von größeren Berater-Firmen, in denen Anwesenheitspflicht sehr hoch angesehen ist. Wichtig ist zudem das Arbeitsergebnis, nicht die Anwesenheitszeit. Man kann auch in vielen Stunden im Unternehmen sitzen und nichts schaffen. Mein Mann bekommt in seinem (weltweit agierendem) Unternehmen sogar Kinderkranktage voll bezahlt. Das ist die richtige Richtung. Das müsste nur noch in den Köpfen anderer Arbeitgeber vorkommen. Und aus Sicht des Arbeitnehmers: warum sollte ich zu einem Arbeitgeber gehen, der mir diese Dinge nicht ermöglicht?

Familienfreundliche Arbeitgeber

Herzlicher Empfang nach der Elternzeit

Eine Leserin des Blogs hat mir folgende Nachricht geschickt, die Hoffnung auf mehr familienfreundliche Unternehmen macht:

Mein Arbeitgeber ist das Traunmed Sport-und Rehazentrum. Es ist schon immer ein Familienunternehmen und dementsprechend ist die Stimmung trotz der fast 60 Mitarbeitern sehr familiär. Als ich im Herbst 2015 sagte, dass ich schwanger bin, wär die Reaktion meiner Chefs unglaublich: „super, toll, wir freuen uns für euch, das kriegen wir auch noch groß usw.“ Man muss dazu wissen, dass ich als Physiotherapeutin mittlerweile zu einer bedrohten Spezies gehöre…unser Beruf hat richtige Nachwuchssorgen, die Wartezeiten bei uns für Krankengymnastik sind ewig lang. Trotzdem haben mich meine Chefs und auch die Kollegen geschont und beschützt, wo immer es notwendig war. Ich habe bis zum Mutterschutz gearbeitet und mich immer wohl gefühlt. Als meine Maus 3 Monate alt war (ich war trotz Mutterschutz und auch nach der Geburt mind. 1x wöchentlich zum Brotzeit bringen und ratschen dort), hab ich meine Chefs gefragt, ob sie mich für ein paar Stunden wieder haben wollen – ich wurde empfangen wie nach einer ewig langen Reise! Und als ich jetzt zum Wiedereinstieg von 39 auf 36,5 Wochenstunden reduzieren musste, weil ich sonst die Prinzessin in der Krippe nicht abgeben kann, waren sie auch sofort dabei und haben sich riesig gefreut, dass ich wieder komme. Mein Gehalt ist deutlich mehr als vorher und ein Firmenauto bekomme ich auch. Ich kann also echt nur schwärmen!

Wie stellen wir uns familienfreundlichen Unternehmen vor?

Nina und ich haben via Social Media dazu aufgerufen, Texte zum Thema #arschcoolerArbeitgeber einzureichen. Die Zahl der Antworten war bombastisch, allerdings haben die meisten erzählt, warum sie keine coolen Arbeitgeber haben. Familienfreundliche Unternehmen – Fehlanzeige! Dennoch bin ich mir sicher, dass es schon viele Firmen gibt, die da mit tollem Beispiel voran gehen. Aber was erwarten Eltern denn von einem familienfreundlichen Unternehmen? Eine Leserin hat diese Punkte genannt:

  • ohne Probleme nach der Elternzeit zurück in den Job kommen, egal ob Eltern drei Monaten oder drei Jahre weg waren
  • dass Männer Elternzeit nehmen dürfen, auch gerne länger als die üblichen „Vätermonate“
  • Eltern bekommen mehr Kinderkranktage und müssen nicht am schon ersten Tag mit dem fiebernden Kind zum Arzt

Ich selber habe mir natürlich auch Gedanken gemacht und möchte drei Punkte auflisten, die ich mir von einem familienfreundlichen Unternehmen wünschen würde

  • zunächst einmal: Verständnis für Eltern. Wir sorgen nicht nur für uns alleine, sondern wir sorgen uns um mindestens ein Kind. Im Gegenzug aber sollten Vorgesetzte und Eltern Verständnis für Nicht-Eltern aufbringen. Die Kollegen ohne Kinder dürfen sich nicht ungerecht behandelt fühlen, weil immer nur der Familienvater im August in den Urlaub geht oder nur die Mitarbeiterin mit den zwei Kindern den Brückentag frei hat. Der Vorgesetzte hat die Aufgabe, Streitigkeiten zu schlichten und dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen, ob mit oder ohne Kind
  • wichtig ist mir vor allem, die unsägliche Sitte der befristeten Verträge abzuschaffen. Wenn ein Mitarbeiter nicht zum Unternehmen passt, findet das der Chef in der Probezeit raus, und darf diesen dann auch kündigen. Noch schlimmer als ein befristeter Vertrag sind mehrere hintereinander. Hier erwarte ich Lösungen von der Politik. Denn Verträge auf Zeit sind die besten Verhütungsmittel in einer Gesellschaft, die dringend Kinder braucht
  • Ich wünsche mir eine Veränderung in der allgemeinen deutschen Unternehmenskultur. Wie können Abteilungen, die nicht aus Herzchirurgen und Anästhesisten bestehen, Freitags um 16 Uhr einen Termin in den Kalender setzen? Dass das für Eltern schwierig ist, ist wohl klar. Arbeit muss Eltern möglich gemacht werden, denn sie machen es so gut oder so schlecht wie Nicht-Eltern auch. Skype-Konferenzen, Home-Office, menschliche Zeiten für Besprechungen und die Abschaffung der Formel „möglichst viel Zeit im Büro absitzen = guter Mitarbeiter“ sind gute Ideen, um mal generell etwas zu ändern. Das kommt dann auch Nicht-Eltern zugute, die vielleicht mal einen kranken Verwandten oder Partner betreuen müssen oder einfach eine Auszeit brauchen. Das Konzept des „atmenden Lebenslaufs“ könnte da ganz neue Türen öffnen.

In den letzten drei Jahren meiner Selbstständigkeit habe ich übrigens mit meinen Kunden nur gute Erfahrungen gemacht. Ich hänge meine Elternschaft in meiner Agentur nicht an die große Glocke, aber natürlich ist es Thema, weil ich nur vormittags im Büro zu erreichen bin. Bisher hatte jeder einzelne Kunde Verständnis für diese Tatsache. War mal kurzfristig „Land unter“, weil die Kids krank oder der Kindergarten zu war(en), haben wir immer eine Lösung gefunden. Meine Kunden haben Rücksicht auf mich und meine Kinder genommen, ich habe im Gegenzug verlässlich und gut gearbeitet (und auch öfters mal ne Nachtschicht eingelegt). So haben wir alle Projekte erfolgreich gewuppt. Letztlich waren immer alle zufrieden und ich konnte meinen Kindern gerecht werden, wenn sie mich brauchten. Denn am Ende ist die menschliche Seite doch für alle das wichtigste! Das wäre doch eine tolle Unternehmenskultur für familienfreundliche Unternehmen, oder?

Familienfreundliche Unternehmen

Ich freue mich auf eure Kommentare. Wie sieht für euch familienfreundliche Unternehmen aus? Habt ihr gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?

Merken

Merken

Merken

Kein Happy End: Wiedereinstieg in den Beruf nach Elternzeit

Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben wir hier schon oft diskutiert: Erst hat Nina eine Antwort auf die frechen Kommentare unter Anwältin Sandra Runges Text auf Xing geschrieben, dann habe ich einen Brief an meine Tochter Luise verfasst. Nun fiel mir auf, dass ich selbst noch gar nichts über meine Erfahrungen mit meinem Wiedereinstieg in den Beruf nach Elternzeit geschrieben habe. Ich wünschte, es wäre anders und ich wünschte, ich könnte hier ein wunderschönes Märchen erzählen, in dem am Ende alles gut wird. Leider ist meine Geschichte aber so bitter wie tausende andere auch.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Festanstellung ausgeschlossen

Nach dem Studium wollte ich echte Verlagsluft schnuppern und habe auch tatsächlich einen heiß begehrten Volontariatsjob bekommen. Mit dem Lohn eines Bäckerei-Azubis im dritten Lehrjahr trotz Master-Abschluss hatte ich gerechnet, nicht aber mit einem Unternehmen, das jungen und gut ausgebildeten Leuten wie mir keinerlei Zukunftsaussichten bieten möchte. Zum Beispiel bin ich von einer Festanstellung nach dem Volontariat ausgegangen, sofern der Verlag und ich von einer guten Zusammenarbeit überzeugt seien würden. Ich denke, das ist ein ganz normaler Anspruch. Außerdem wollten wir in den nächsten Jahren eine Familie gründen und ich machte mir keine Gedanken über einen Wiedereinstieg in den Beruf nach Elternzeit. Putzig, diese Naivität einer Frau, die denkt, nun hielte die Zukunft einen feinen Job UND kleine Kinder bereit.

Wiedereinstieg in Beruf nach Elternzeit

Die Endlos-Befristung bei meinem Arbeitgeber, der sich selbst als familienfreundlich bezeichnete, hatte System, wie ich von meiner Kollegin am Schreibtisch gegenüber mitbekam. Nach ihrem Volontariat bekam sie einen“Assistentenvertrag“ angeboten, befristet auf zwei Jahre. Warum ein kluger Mensch mit Ende 20 nach einem Magisterabschluss und einer verlagsinternen Ausbildung zum Redakteur als „Assistent“ bezeichnet wird, das begreife, wer mag. Dass es aber ganz nett ist, über ein wenig finanzielle Sicherheit in Form einer Festanstellung zu verfügen, damit sich Menschen eine Zukunft aufbauen können, das sollte klar sein. Die Aussicht, dass ein Wiedereinstieg in den Beruf nach der Geburt eines Kindes unmöglich ist, weil Mutter oder Vater überhaupt keinen Arbeitsvertrag haben und auf der Straße stehen, ist echt mies.

Wenigstens haben die armen Trottel, die unbedingt ein Baby wollten, am Ende keine Schulden bei der Bank, denn mit einem befristeten „Assistentenvertrag“ lacht sich der Bankberater einen Ast, wenn er nach einem Kredit für die eine kleine Wohnung gefragt wird. (Nur mal eine Frage am Rande: könnte das der Grund sein, warum viele Frauen lieber erst mal Karriere machen und Geld verdienen wollen und erst sehr viel später als früher und vielleicht sogar gar keine Kinder bekommen möchten?)

Zurück in den Job nach Elternzeit – denkste!

Angesichts der Aussicht, dass nach dem zweiten befristeten Vertrag der dritte wartete, ging ich auf volles Risiko und meldete mich mit meinem Mutterpass in der Personalabteilung. Die Personalerin dort war freundlich und wir vereinbarten zusammen mit meiner Chefin, dass ich zwei Jahre Elternzeit einreichen, aber nach einem Jahr in Teilzeit zurückkommen würde. Regelmäßig blieben wir in Kontakt, aber leider verließen Personalerin UND Chefin innerhalb eines Jahres das Unternehmen. Pech für mich: Die beiden Damen, die nun an besagten Stellen saßen, konnten sich an keinerlei Vereinbarung erinnern. Meine ehemalige Kollegin und neue Vorgesetzte meldete keinen Bedarf für meine Arbeitskraft und die Personalerin verwies darauf, dass auf meiner Stelle eine Elternzeitvertetung sitze (übrigens eine Dame, die mit diesem Vertretungs-Vertrag nun auch die dritte Befristung auf ihrem Konto hatte). Ich könne mich gerne einklagen, das würde mir nichts bringen, denn sie sitze am längeren Hebel. Schlussendlich durfte ich eine Aushilfsstelle in einer anderen Abteilung antreten. Ich wurde zum zweiten Mal schwanger, ging in Elternzeit und in dieser lief mein Vertrag dann endgültig aus.

Ich habe die Schuld bei mir gesucht, war traurig und enttäuscht. Wieso scannte ich stundenlang Dokumente ein, weil ich ein Kind bekommen hatte, obwohl ich doch so gut ausgebildet und mein Kind den ganzen Vormittag in der Kita war? Waren sie dort nicht zufrieden mit meiner Arbeit gewesen? Und wieso wurde ich auf einmal so unrühmlich, still und leise und ohne jegliches Recht auf einen Arbeitsplatz arbeitslos?

Aber an mir alleine kann es nicht gelegen haben, denn eine Kollegin und Freundin, erfolgreich und wahnsinnig gut in dem, was sie in diesem Laden getan hatte, wurde nach dem ersten Kind und drei befristeten Verträgen auf die gleiche Weise vor die Tür gesetzt.

Arbeitende Menschen müssen Eltern werden können

Ich finde, ich passe mit meiner Geschichte sehr gut in die Reihe von Bloggerin Sarah Depold, die unter dem #AGfromHell schlechte Erfahrungen von Eltern sammelt. Für mich war das damals eine unangenehme Zeit, denn ich habe alles versucht, in meinen alten Job zurückzukehren.  Nina Katrin Straßner vom Blog Die Juramama fragt in ihrem empfehlenswerten Buch „Keine Kinder sind auch keine Lösung“, warum sich Familien- und Arbeitsmarktpolitik nicht auch darauf konzentrieren, wie es arbeitenden Menschen ermöglicht wird, Eltern zu werden. (S. 65) Denn dass wir mehr Kinder brauchen, um unsere Gesellschaft, das Sozialsystem und den Generationenvertrag aufrecht zu halten, dass sollte sich herum gesprochen haben. Mein damaliger Arbeitgeber hat dafür die denkbar schlechtesten Voraussetzungen geschaffen. Befristete Verträge ohne Zukunft auf einen sicheren Job offerieren und Mütter, die aus der Elternzeit kommen, im Stich lassen – das sind für mich zwei harte Fakten, die ich dem Unternehmen bitter ankreide. Wer keine guten Voraussetzungen dafür schafft, dass seine Mitarbeiter ohne Angst um den Job Eltern werden können, der lässt nicht nur seine Leute im Stich, sondern eine ganze Gesellschaft.

Aufruf zur Blogparade

Und nun rufen wir auf zur Blogparade: erzählt uns eure Geschichten zum Thema Vereinbarkeit. Habt ihr positive oder negative Erfahrungen mit Arbeitgebern gemacht? Hattet ihr wie ich Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Beruf nach Elternzeit oder lief es ganz geschmeidig? Kennt ihr #arschcoolearbeitgeber, die es Eltern ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren? Welche Art von Unterstützung habt ihr erfahren?

Ich werde die unten aufgeführte Liste an eingereichten (oder schon geschriebenen) Texten bis Ende Juni vervollständigen und sie kräftig über die Social Media-Kanäle teilen. Bitte helft doch dabei mit und verbreitet Artikel, die sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie befassen.

Elternblogger, erhebt eure Stimme!

Erhebt eure Stimmen dafür, dass wenigstens unsere Kinder eine bessere Arbeitswelt vorfinden, in der sich Frauen zwischen Kind und Karriere entscheiden können, aber nicht müssen! In der Familienväter eine Chance haben, beim Großwerden ihrer Kinder teilzunehmen. In der es Homeoffice und Teilzeitstellen wie Sand am Meer gibt. In der es in den Unternehmen nicht nur um Profit, sondern um ein sozialverträgliches Miteinander geht. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Kinder zu bekommen ist nun einmal die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft. Wer schon einmal vom Generationenvertrag gehört hat, der weiß, dass unsere Rente auf wackeligen Beinen steht.

Wir Eltern bekommen beruflich nach wie vor eine dicke Rechnung, wenn wir uns für Kinder entschieden haben. Das ist ungerecht und unsozial. Und hiermit möchte ich alle Elternblogger aussdrücklich auffordern, sich mit ihrer Stimme für politische Themen einzusetzen, ob für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Aktion #dubistdemokratie, damit solche Ätz-Artikel wie neulich in der Frankfurter Rundschau (nein, ich verlinke hier nicht), die Familiebloggern Oberflächlichkeit und Trivialität vorwerfen, einfach weggebügelt werden können.

Texte zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zum #ArschcooleArbeitgeber

Blogparade von Alu zum Thema Vereinbarkeit und das schlechte Gewissen der Eltern

Serie vom Blog Mamirocks zum Thema Vereinbarkeit

Text vom Blog Mamaskind zum Thema Vereinbarkeit

Text vom Blog Mutterseelesonnig: Vereinbarkeit heißt nicht Doppelleben

Auf dem Blog Glucke und so schreibt Dani: Ich möchte wieder einsteigen, bitte!

Mama will Schoko schreibt: Job mit Kleinkind, geht das überhaupt?

Blogprinzessin regt sich in ihrem Text Mama muss nur ein paar Abstriche machen auf, weil sich Menschen gegen Kitas mit Übernachtungsmöglichkeit aussprechen. Wie sollen auf andere Weise Menschen im Schichtdienst Beruf und Familie vereinbaren?

8xTeilzeit erzählt eine wirklich haarsträubende Geschichte von einem Job, der trotz Festanstellung Vereinbarkeit sehr schwierig macht

Tanja schreibt über Vereinbarkeit und die vielen dummen Sprüche, die sie sich als Mutter anhören muss.

Sophie vom Blog Kinder haben… und glücklich leben schreibt, wie sie aus dem Hamsterrad ausgestiegen ist und sich selbstständig gemacht hat.

Isa vom Blog LariLara erzählt, dass das mit der Vereinbarkeit bei ihr gar nicht so einfach ist und sie manchmal an sich zweifelt.

Julia von Juliliest berichtet von ihrem unguten Vorstellungsgespräch und hat einen klasse Buchtipp.

Julia von JunaimNetz beschwert sich darüber, wie wenig die Gesellschaft die Leistung von uns Müttern anerkennt.

Susanne von HalloliebeWolke schreibt, wie sie Karriere macht. Nicht. Und verbindet das direkt mit der Aktion #dubistdemokratie

Katharina von Kinderleute schreibt über Abstellgleis und Ambitionen und fordert faire Arbeit für Mütter

Mona schreibt auf Marasgedanken, wie sie dem Mythos der Vereinbarkeit aufgesessen ist und nun mehr arbeitet für weniger Geld.

Auf Jessis Blog Feiersun schreibt Denise 20 Fakten über Familie und Karriere auf.

Jane schreibt auf Regenbogenmutti über ihre Erfahrungen mit der Vereinbarkeit. Klingt auch nicht so doll…

Was Fräulein Nullpunktzwo passiert ist, kommt meiner Erfahrung ziemlich nahe

Januarmami sitzt frustriert zuhause. Warum? Das lest ihr hier. Außerdem hat sie über ihre Erfahrungen mit dem Job und mit aktuellen Berwerbungen geschrieben – kein Zuckerschlecken!

Ewa gibt auf ihrem Blog ein paar Denkanstöße, wie Vereinbarkeit gelingen könnte.

Auf Impressionsoflifesite findet die Autorin, dass Vereinbarkeit eine Blase ist, die zu 80 % platzt.

Barbara erzählt, warum für sie das Thema Vereinbarkeit eine Lüge ist. Ich kann sie so gut verstehen.

Sonja erzählt ihre Geschichte: Eine Familie mit vier Kinder und ihre Hürden zum Thema Vereinbarkeit

Jette berichtet auf ihrem Blog Halbe Sachen, was sie nach der Elternzeit an ihrem neuen Arbeitsplatz erwartete. Auch nicht gerade die besten Bedingungen, die sie da vorfindet….

Wie ihre Elternzeit-Pläne ruiniert wurden erzählt Yasmin vom Blog DieRabenmutti.

Verena vom Blog Mamirocks hat beschrieben, warum sich Mütter Feierabend selbst verordnen müssen. Sonst klappt das gar nicht mit der Vereinbarkeit – Lesenswert!

Isa vom Blog LariLara flatterte nach der Elternzeit die Kündigung auf den Schreibtisch. Oh mein Gott, wieso gibt es nur so viele solcher Geschichten? Das macht mich fassungslos!

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Ein Brief an meine Tochter

Liebe Luise,

ich möchte dir ein paar Dinge über das Leben erklären, denn ich habe mit meinen 33 Jahren schon so einiges an Erfahrung gesammelt. Ich weiß zum Beispiel, dass du immer einen Schirm in deiner Tasche haben solltest, wenn du im April rausgehst. Ich weiß, dass Zucker und Weißmehl schlecht für die Haut sind. Ich weiß auch, dass viele Männer es nicht mögen, wenn Frauen laut darüber reden, dass sie immer noch in vielen Bereichen benachteiligt sind. Und ich habe begriffen, dass in Märchenbüchern immer nur der Prinz sein Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Karriere mit Kind ist nicht drin!

Aber nun gebe ich dir den wichtigsten Rat von allen: im Leben musst du dich entscheiden, und zwar für Kind oder Karriere. So ist das nämlich bei uns in der Welt. Denn eine gute Mutter kann nicht gleichzeitig drei Kinder betreuen und nebenher auch noch Geld verdienen. Das geht nicht, denn die Kinder tragen einen Schaden davon, wenn Mama immerzu ihr Business vorantreibt, anstatt zuhause Brei zu kochen und Türme zu stapeln. Das kannst du gerne im Intenet nachlesen. Gib doch mal bei Google „Kleinkindbetreuung und nachhaltige Beeinträchtigung“ ein. Siehst du!

Du hast neulich gesagt, dass du Tierärztin oder Pilotin werden möchtest. Tja, das ist ja heutzutage machbar. Aber dann kannst du eben keine Kinder haben. Super, dass du das schon so früh weißt, oder? Die Generation vor dir, ich und all die anderen Mütter, die hier auf dem Spielplatz rumhängen, wir waren noch so blöd und haben eine aufwändige Ausbildung oder ein schweineteueres Studium gemacht. Dein Opa hat den Wert eines mittelgroßen Mercedes in mein Studium gesteckt, nur damit ich mit Ende 20 ein Kind bekomme, mir mein Arbeitgeber in der Elternzeit kündigt und ich nun zuhause sitze, weil dein Papa mehr Geld verdient. Hätte Opa mir mal lieber so gute Ratschläge gegeben wie ich dir jetzt, wäre ich nach der zehnten Klasse vom Gymnasium abgegangen, hätte deinen Papa einfach früher kennengelernt und dich schon mit 21 Jahren bekommen. Dann wärst du nun nicht vier, sondern 12, Opa hätte sich von dem gesparten Geld ein Segelboot gekauft und ich könnte, während du in der Ganztagsschule bist, eine Yogalehrerinnen-Ausbildung machen.

Als Frau kannst du nicht alles haben

Aber gut. Wir waren bei deiner Ausbildung. Bin ich froh, dass du Tierärztin werden willst. Noch besser wäre, du machst was mit IT. Dann kannst du nämlich richtig Moos machen. Oder du wirst Unternehmensberaterin. Aber eins sage ich dir: Papa und ich zahlen dir kein Tiermedizinstudium, damit du dann doch den Traumtyp kennenlernst, mit dem du dann Kinder haben möchtest. Wie gesagt, du musst dich entscheiden, denn als Frau kannst du nicht beides haben. Erst neulich habe ich wieder einen Artikel bei Xing gelesen. Da hat eine Anwältin geschrieben, dass sie einen Stapel von Klagen auf dem Tisch hat. Da haben sich doch tatsächlich Frauen beschwert, weil sie nach der Elternzeit den Job verloren haben oder nun eine Tätigkeit im Keller-Archiv ausüben, der nicht ihren Qualifikationen entspricht. Sie haben ja schließlich lange und erfolgreich irgendwas mit PR und Literatur studiert, motzen die Damen. Tja, selbst schuld, sage ich da nur. Dann hätten sie sich eben nicht von diesem charmanten Typen schwängern lassen sollen.

Zum Glück haben bei Xing dann viele Menschen nette Kommentare geschrieben und der frechen Anwältin mit den aufsässigen Klientinnen mal ein bisschen was vom Leben erzählt. Nämlich, dass sich diese Mütter das mal vorher hätten überlegen können, weil – du weißt es ab jetzt besser – sie sich zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen.

Eine andere, sehr kluge Frau mit dem Herz auf dem richtigen Fleck hat im Internet zu diesem Thema geschrieben:

Wer soll es den Personaler verübeln? Wenn ich (rein Logisch bitte!) eine Stelle besetzen soll,

stelle ich auch die flexiblere und evtl. auch kürzlich besser geschulte Kraft ein. That’s life!

Recht hat sie, denn im Arbeitsleben gehts am Ende um das, was im Betrieb hinten rauskommt, nämlich die Kohle! Wenn dabei Arbeitnehmer drauf gehen, sei es, weil sie krank werden oder schwanger, muss man das im Prinzip als Kollateralschaden betrachten. Wenn ich Personaler wäre, würde ich generell nur männliche, gesunde und bestens geschulte Menschen ohne Elternzeit-Lücken einstellen. That´s life, wie das Liebchen hier so schön formuliert hat.

Luise, lern dich in Bescheidenheit

Ich kann gar keinen Beruf lernen, wenn ich mal eine Familie gründen möchte, fragst du mich vielleicht? Nun, irgendetwas kannst du schon machen, so zum Zeitvertreib. Damit du was zu tun hast, wenn die Kinder größer sind. Aber es muss ja nicht unbedingt was Aufwendiges und Teueres sein und du musst es auch nicht zwangsläufig gerne machen, denn du hast ja schließlich die Kinder, den Mann und das Haus. Wenn du also eine besondere Leidenschaft für Tiere hast, täte es ja auch ein Hund oder ein Meerschweinchen. Oder wenn du so gerne fliegst, könntest du dir von deinem gut verdienenden Liebsten einen Heißluftballonflug wünschen. Große Träume zu verwirklichen und beruflich durchzustarten ist dir als Mutter eben nicht möglich, bitte akzeptiere das mal und beschwerde dich nicht dauernd. Und eines sage ich dir: Eure Schmutzwäsche zu säubern und die Hemden von deinem Papa zu bügeln kommt meinem Traum vom Glück schon ziemlich nah. Also, sei bitte ein wenig bescheidener, wenn du dir eine Familie wünschst.

#ArschCooleArbeitgeber

Damned if you do and damned if you don`t

Achso, auf Kinder zu verzichten kann ich dir im Übrigen auch nicht so ganz empfehlen. Spätestens ab 33 werden dir alle Bekannten und Freunde Geschichten von tickenden Uhren und Einsamkeit im Alter erzählen, hinter dem Rücken über dich sprechen und solche Sachen sagen wie „warum sucht die sich nicht endlich mal einen Mann?“ Oder sie fragen dich, ob es nicht irgendwie egoistisch ist, auf Kinder zu verzichten und dann vom fetten Monatseinkommen nicht einmal etwas zu spenden. Krasse Karrierefrauen sind den Menschen nicht geheuer und du wirst dich sowieso nur ärgern, wenn du rausfindest, dass dein Piloten-Kollege 10 Mille mehr im Jahr macht.

Also, liebe Luise. Letztendlich ist es deine Entscheidung. Ich will nur nicht, dass es hinterher heißt, ich hätte dich nicht gewarnt. Und noch ein letztes Wort dazu, warum ich diesen Brief nicht an deine Brüder schreibe. Die müssen sich nicht entscheiden, und zwar deshalb, weil sie ein Y in ihrem Chromosomensatz haben. Das findest du ungerecht? Tja, thats life, Liebchen!

Deine Mama

Ps.: Liebe Luise, in der Zeit habe ich mal einen schönen Artikel über Ironie gelesen. Da hat ein kluger Mann namens Matthias Kalle gesagt, dass Ironie zeigt, dass einem etwas nicht gleichgültig ist. Ironie helfe, Distanz zu überwinden und sie erfordere ein genaues Hinsehen auf die Dinge. Vor allem aber ist Ironie ein Ausdruck zum Veränderungswillen: „Ohne Ironie zu leben heißt, die Dinge, wie sie sind, als gottgegeben zu nehmen.“ Und eines will ich nicht hinnehmen: dass irgendwelche dummen, uninspirierten Menschen von dir verlangen, sich zwischen Kindern und Beruf entscheiden zu müssen. Deshalb kämpfe ich mit Nina zusammen, die auch einen Artikel dazu verfasst hat, in Form von Worten für dich und für alle kleinen Mädchen. Ich kämpfe dafür, dass ihr euch niemals entscheiden müsst, wie sich auch Männer niemals entscheiden müssen. Dafür haben wir die Aktion #ArschCooleArbeitgeber ins Leben gerufen. Wir wollen zeigen, dass es im Arbeitsleben auch anders geht. Dass es Unternehmen gibt, die sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen.

Ich unterstütze hiermit die

Forderung von Anwältin Sandra Runge

  • Alle Mütter müssen eine Chance auf einen fairen Wiedereinstieg haben
  • Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Eltern sollten verbessert werden
  • Neue Diskriminierungsmerkmale könnten Benachteiligungen sanktionieren

Für dich, für meine starke Luise, die alles schaffen kann, wenn sie will!

Merken

Das Vereinbarkeits-Problem

Neulich beim Besuch bei meiner Freundin Rike: Die Kinder spielten im Garten, wir genossen unseren Cappuccino und zehn Minuten Ruhe. Endlich hatten wir Zeit für ein Gespräch unter Frauen – unbezahlbar und äußerst selten. Rike erzählte, wie chaotisch der letzte Sonntag ablief, als der Familienvater mit der Bande allein zuhause war. „Als ich wiederkam, sah es schrecklich aus. Der Boden war mit Spielzeug übersät, die Wäschekörbe standen gefüllt im Flur. Mittags hatte Thorsten nur Pommes gemacht und kein Stück Gemüse. Und der Große hatte seine Hausaufgaben nicht erledigt“, erzählte sie. „Kenn ich“, habe ich geantwortet. „Wenn Anton mit den Kindern spielt, entstehen die tollsten Lego-Bauten. Aber die Wäsche bleibt liegen.“ So beklagten wir uns und erfreuten uns weiterhin an der Schilderung, wie gut organisiert und aufgeräumt alles ist, wenn WIR das Zepter in der Hand haben. Kurz bevor sich die Jungs in die Haare kriegten und wir unser Gespräch unterbrechen mussten, rief ich noch laut: „Wenn die Männer für den Urlaub packen müssten, würde die Hälfte fehlen“ und wir lachten ganz, ganz laut.

Lasst die Männer machen

Habt ihr was gemerkt? Und kennt ihr Gespräche wie diese? Ein bisschen verraten sie etwas über uns Frauen. Und sie verraten auch ein bisschen über das Grundproblem, das wir haben. Nein, das sind nicht unorganisierte Männer oder unvollständig gepackte Koffer. Es ist der hohe Anspruch an den perfekten Haushalt, den viele von uns haben, und mit dem wir uns das Leben im Grunde genommen viel zu schwer machen. Denn ganz ehrlich, viele Männer und Familienväter sind äußerst bemüht um ihre Kinder und um das, was der Volksmund unter „dem bisschen Haushalt“ versteht. Es gibt viele Papas, die mit Sohn und Tochter spielen, sich an den Herd stellen, den Einkauf übernehmen und den Staubsauger schwingen. Oft haben diese tollen Typen eine äußerst anspruchsvolle Frau, die in allen Bereichen glänzen möchte, weil sie denkt, dass sie es muss. Und sie hat ihr Revier, dass sie eigentlich nicht abgeben möchte: die Familien-Organisation. Die hat sie im Griff. Und möchte der Mann unterstützend helfen und schickt sie gar zum Ausspannen aus dem Haus, hat sie bei ihrer Rückkehr einiges zu beanstanden. Sie meckert dann, dass die Legoburg zwar gigantisch und die Kuschelhöhle traumhaft ist, aber der liebe Mann doch in der Zeit wenigstens mal die nasse Wäsche hätte verarbeiten können. Sie sieht lieber richtig viel Gemüse auf dem Teller, und nicht die eben in den Ofen geschobenen Fischstäbchen aus der Gefriertruhe. Sie beschwert sich, dass Milch und Joghurt aus dem Supermarkt nicht bio oder demeter sind und kritisiert den Zustand des Flurbodens, den der Liebste beim Saugen vergessen hat.

Viel zu hohe Ansprüche

In der Zeitung von dieser Woche las ich über besagtes Problem, auch „gatekeeping“ genannt. Die Soziologin Karin Jurczyk erklärte im Wirtschaftsteil, warum Eltern so erschöpft sind und wie sie Job und Familienarbeit besser organisieren könnten. Ich verschlinge alle Artikel zu diesem Thema und habe auch schon oft darüber geschrieben. Ich finde viele Schuldige, die es uns Familien schwer machen, ein entspannteres Leben zu führen. Aber bisher habe ich noch nie darüber geschrieben, dass es manchmal auch an uns Müttern selbst liegt. Viele von uns, das höre ich in Gesprächen mit Freundinnen, haben einen sehr hohen Anspruch an Organisation und Haushalt. Leider ist es nun mal aber so, dass wir auch nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung haben. Wir erziehen unsere Kinder, kümmern uns um den Haushalt, kaufen ein, haben einen Halb- oder Ganztagsjob und organisieren Urlaube, Familienfeiern und Geburtstagsgeschenke. Nebenbei müssen wir auch die ein oder andere Stunde in der Nacht schlafen. Daneben sind wir um unser Äußeres bemüht, gehen zum Sport und ernähren die Familie gesund, bio und nachhaltig. Am Ende des Tages sind wir platt wie eine Flunder, mies gelaunt und hundemüde. Die Männer, die uns raten, doch mal fünfe gerade sein zu lassen und sich zu ihnen aufs Sofa zu fläzen, ernten ein bissiges „und wer macht dann die Wäsche?“.

Jurczyk schreibt im Artikel, dass Frauen zwar von ihrem Partner Unterstützung in der Hausarbeit erwarten, aber die Hoheit über Küche und Co nur ungern aus der Hand geben. Wenn sie das dann überhaupt mal tun, sind sie verärgert, dass ihr hoher Standard nicht eingehalten wird. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Da sind die Kinder falsch angezogen und die Küchenplatte nicht sauber genug geschrubbt. Aber ist das eigentlich so schlimm? Und ist die hohe Legoburg nicht eigentlich viel, viel wichtiger als ein Kind mit fleckenloser Kleidung?

In Gelassenheit üben – so gehts:

Eines sollten wir Frauen mit hohen Ansprüchen tun: lockerer werden. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir können in kleinen Schritten anfangen. Ich schlage folgende Übung für besonders schwierige Fälle wie mich vor:

Schritt 1: Setzt euch mit einem Buch auf die Terrasse, OBWOHL der Abwasch wartet.

Schritt 2: Lasst jeden Tag einen Korb Schmutzwäsche in der Wohnung stehen.

Schritt 3: Lasst den Staubsauger drei Tage am Stück in der Ecke und ignoriert den krümeligen Boden.

Schritt 4: Geht spontan mit den Kindern raus und lasst das gesamte Equipment an Wechselklamotten, Apfelschnitzen und Klopapier zuhause.

Klar, manchmal geht dann was schief, aber Improvisation ist alles, das können wir von den Männern lernen. Wir lernen außerdem, Schmutz auch mal zu übersehen, und trotzdem GLÜCKLICH und ENTSPANNT zu sein. Wir leihen uns im Notfall Kleidung von einer anderen Mutter, kaufen Sprudel für 3 Euro beim Bäcker oder nehmen ein altes Tempo, wenn das Kind mal muss.

Ganz mutige Frauen gehen über zu Schritt 5: Sie lassen vor dem Urlaub die Männer packen. Sonnencreme, drei Kinderunterhosen und einen Schirm gibt es auch im Urlaubsort zu kaufen, das ist kein Beinbruch.

Dieser Appell geht auch an mich selbst: Lasst uns die Hoheit über den Haushalt abnehmen, hören wir auf, die Väter für ihren eigenen, lässigen Weg zu kritisieren und legen wir endlich mal die Beine hoch! Rike und ich jedenfalls haben es uns fest vorgenommen. Wir kämpfen weiter für Vereinbarkeit und akzeptieren, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Was sind schon Wäscheberge und blanke Arbeitsplatten gegen einen tollen Mann, der mit den Kindern riesige Burgen baut? Genau, Nebensache! Und wir spielen nicht länger Wachhund, der in der Küche das Revier verteidigt. Gatekeeping ist out, wenn wir Frauen wirklich an Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie glauben.

Merken