Mein Kind stärken: 10 Dinge, die ein Vorschulkind nicht verpassen darf

Wie kann ich mein Kind stärken?

Bei uns beginnt eine spannende Zeit. Jimmy kommt nach den Sommerferien in die Schule und war somit das ganze letzte Jahr im Kindergarten ein Vorschulkind. Erst neulich habe ich hier von einem Elterninformationsabend berichtet, bei dem sich viele Eltern sehr besorgt über die bevorstehende Zeit zeigten. Bei uns ist noch alles cool. Richtig viel verändert hat sich noch nichts und das finde ich auch gut so. Denn außer meiner Überlegung, wie ich mein Kind stärken kann, um für die Grundschulzeit fit und gewappnet zu sein, haben wir in der Familie alles gemacht wie bisher.

Konsti vom Blog Große Köpfe hat sich erst neulich über das Thema Förderung von Vorschulkindern Gedanken gemacht und mich darauf gebracht, selbst darüber zu schreiben.

Förderung Vorschulkinder

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Wie viel Förderung braucht ein Vorschulkind?

Vor ein paar Jahren tingelte ich durch ein Spielwarengeschäft auf der Suche nach Sandspielzeug für Baby Jimmy. Da entdeckte ich ein riesiges Regal im Eingangsbereich mit Material, um Vorschulkinder zu fördern. Es gab Hefte, mit denen Kinder Zahlen, Bögen und Kreise malen lernen konnten, Malbücher, die auf die Schule vorbereiten sollten, Fachliteratur für Eltern, wie Kindergartenkinder richtig gefördert und für die Schule fit gemacht werden sollen. Seltsam habe ich das damals empfunden. Für die Schule fit machen? Wozu soll das gut sein? Als Kind habe ich im Kindergarten bis zuletzt gespielt und erst in der Schule begonnen, Bögen, Zahlen und Buchstaben zu schreiben. Klar gab es da ein paar Dinge, die für uns Vorschüler anders waren als für die Kleinen. Wir waren die Großen und sollten uns auch ein bisschen so verhalten. Wir durften mit der Kindergärtnerin in den Supermarkt gehen, übten Schuhe binden und eigenständig auf die Toilette zu gehen. Das war`s aber auch schon.

Was ich vom Kindergarten erwarte

Genau so läuft es bei Jimmy auch ab. Er besucht eine kleine Gruppe und ist das einzige Vorschulkind. Soweit ich weiß, üben die Erzieherinnen mit ihm länger zu sitzen und sich zu konzentrieren. Bibi, Jimmys Lieblingserzieherin, zeigt ihm an seinen Fußballschuhen, wie er eine Schleife binden kann. Er darf ein paar Dinge, die die „Kleinen“ nicht dürfen und er übt, im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Mein Kind stärken – ich bin überzeugt davon, dass der Satz von Maria Montessori gilt: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Vorschulkinder fördern

In anderen Kindergärten wird fleißig gemalt und gezeichnet, Zahlen geschrieben und Schule in klein geübt. Vorschulkinder treffen sich einmal in der Woche und erhalten eine spezielle Förderung. Pädagogen beschäftigen sich mit Möglichkeiten, um aus den Fünfjährigen „Kleine Forscher“ zu machen und ihnen die ersten Schritte in den naturwissenschaftlichen Fächern aufzuzeigen. Ich habe überlegt: ist es der richtige Weg, wenn Jimmy ein Jahr vor der Schule einfach nur ein normales Kindergartenkind ist? Kann ich mein Kind stärken und es auf die Schule vorbereiten, wenn es an keinen Forschungsexkursionen mit anschließender Dokumentation in Portfolio-Ordnern teilnimmt, keine kleine Schule übt und stundenlang Bögen malt? Ich bin keine Pädagogin, aber naiv wie ich bin denke ich, dass all diese Frühförderung für uns nicht notwendig ist. Natürlich kann ich das auch deshalb so sehen, weil Jimmy keine Probleme mit der Konzentration hat, sogar freiwillig lange still sitzt und allgemein nicht auf den Kopf gefallen ist. Wenn mal eines der beiden anderen Kinder ein Hans Dampf sein wird und ein Jahr vor der Schule nur Flausen im Kopf hat, mag ich das anders sehen.

Mein Kind stärken, was heißt das?

Jetzt aber bin ich froh und denke, dass ich mein Kind stärken kann, indem ich ihm einfach vertraue. Es wird die Schule packen, da bin ich mir sicher. Wenn Schwierigkeiten auftreten, werden wir Eltern helfen und unterstützen. Wir haben ihm beigebracht, Erwachsene, Kinder, Lehrer und Erzieher mit Respekt zu behandeln, weil wir ihm denselben Respekt entgegenbringen. Wir möchten, dass er viel eigenständig tut, sich anzieht, ein Brot schmiert, an den Rucksack denkt – oder es zumindest versucht. Wenn etwas daneben geht, helfen wir aus und er probiert es beim nächsten Mal erneut alleine.

Keine Angst vor der Schule!

Ich erlebe häufig, dass sich andere Eltern vor der Schulzeit ängstigen. Die Gedanken, das Kind könne Schwierigkeiten mit dem Stoff oder den Lehrern haben, lässt bei vielen Müttern die Nerven flattern. Na klar, Schule ist anders als Kindergarten. Ganz so unbeschwert wird es sicher nicht mehr sein und auch das klasseninterne Miteinander müssen unsere Söhne und Töchter erst einmal lernen. Was ich mir denke ist folgendes: wir werden die Schulzeit schon schaukeln. Zur Not gibt es ne Extrarunde oder einen Schulwechsel. Das ist für das Kind nicht schön, aber das haben schon viele andere gechafft. So lange die Kinder uns Eltern haben, auf die sie zählen können, wird das schon schief gehen. Schließlich geht es am Ende darum, dass unsere Kinder lernen, groß und selbstständig zu sein. Es geht nicht um unseren eigenen Ehrgeiz und um die Gymnasialempfehlung, sondern darum sie fit zu machen für das Leben da draußen.

Mein Kind stärken

Zehn Dinge, die Vorschulkinder und Eltern nicht verpassen dürfen

  • so viel spielen, toben und flitzen wie möglich. Auf Stühlen wird Jimmy lange genug sitzen.
  • wir wissen es zu schätzen, dass wir noch ein paar Wochen auch mal ein wenig zu spät im Kindergarten sein dürfen
  • das nutzen wir aus: unter der Woche abends nochmal lange aufbleiben, gemeinsam einen Film schauen und dabei Popcorn essen
  • mit dem Kind üben, sich selbst anzuziehen. Das kann besonders bei kleinen Jungen schwierig sein. Aber ich habe noch nie einen Elfjährigen gesehen, der sich von seiner Mama anziehen lässt
  • Schuhe binden lernen. Das gehört zum Schulanfang irgendwie dazu. Ich befürchte, dass das bei uns sehr, sehr knapp wird und übe mich schon einmal in Geduld. Denn das wird mit dem Vokabeln lernen in den nächsten Jahren wahrscheinlich ähnlich sein
  • die Urlaubsbuchungen außerhalb der Ferien ein letztes Mal zu schätzen wissen. Leere Skilifte, bezahlbare Ferienwohnungen, flexible Buchungen, das ist bald Geschichte
  • dem Kind ganz viel Selbstvertrauen geben und es bestärken: du schaffst das schon mit der Schule. Ob das erste Mal Fußballtraining, alleine Brötchen holen oder schwimmen lernen: Wenn die Kinder wissen, dass die Eltern Zutrauen in ihre Fähigkeiten haben, tut das ungemein gut
  • bloß nicht zu viel von der Schule reden und wenn, dann nur positiv
  • die Kinder viel mit anderen spielen lassen. Viel anspruchsvoller als den ersten Satz lesen ist, sich in eine neue Gruppe einzufügen. Das können Kinder mit anderen auf dem Spielplatz, beim Ball spielen oder beim Lego bauen mit den Freunden zuhause am besten üben
  • Streitereien zulassen. Auch das wird in der Schule nicht ausbleiben und dann wird keine Mama zur Stelle sein, die sich einmischt nach dem Motto: „der Jan hatte das Auto aber zuerst“

Ich bin mir sicher, dass diese zehn Punkte, eine positive Grundeinstellung und ganz viel Vertrauen in unsere Kinder alles sind, was sie für die Schule brauchen. Mein Kind stärken kann ich auf diese Weise am besten – für die Schule und für das ganze Leben!

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Laura

3 Comments

  1. Schön geschrieben und vor allem wichtig zu betonen, wie bedeutungsvoll spielen und Kind sein dürfen ist. Schule und Arbeitsleben beanspruchen jeden früh und lange genug. Andererseits möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass die meisten Kinder gefördert werden wollen! Die Welt der Buchstaben ist wahnsinnig spannend, Namen schreiben und lesen lernen einfach toll, extra Aufgaben nur für große – super! Als Logopädin und Mutter habe ich diese Erfahrungen gemacht und auch zu meinen Kolleginnen der Ergotherapie kommt der Großteil der Kinder mit Begeisterung. Denn es gibt 1000 Möglichkeiten, Kinder spielerisch und kindgerecht im alltag zu fördern statt „stundenlanges Bögen malen üben“ . Es ist natürlich mehr Einsatz von uns Erwachsenen gefragt, aber es lohnt sich absolut, sich dem Wissensdrang der Kinder immer wieder geduldig zu stellen 🙂 wenn man dabei den Kindern und ihren aktuellen Interessen folgt und auf ihre Bedürfnisse eibgeht , ist es zudem in meinen Augen am erfolgreichsten und bestimmte Kurse müssen nicht sein. Da kann das Kuchen backen, der gemeinsame wocheneinkauf oder der schwimmbadbesuch teilweise mehr „bringen“ als Musikunterricht für Babys oder wassergymnastik für 2jährige.

    • Liebe Franka, da gebe ich dir absolut recht. Natürlich sollten wir die Kinder in ihrem Forscherdrang unterstützen. Sie saugen Wissen auf wie ein Schwamm. Jimmy zum Beispiel liebt Zahlen, Flaggen und hat sich das Lesen selber beigebracht. Wir haben eine Menge Spaß daran, uns gemeinsam Wissen anzueignen und sind angesteckt von seiner Neugier. Bögen malen hingegen findet er furchtbar und so lange er nicht in die Schule geht, lasse ich ihn damit in Ruhe. Die Frage, ob das richtig ist, hat mich zu diesem Artikel veranlasst. Ich bin absolut einverstanden mit allem, was du schreibst. Danke für diesen Aspekt, der sicher ein wenig zu kurz kam im Text! Liebe Grüße von Laura

  2. Sehr schön geschrieben!
    Der um sich greifende „Förderwahn“ macht mir ziemlich Bauchweh – und da haben auch schon viel versiertere Menschen als ich was dazu gesagt (Gerald Hüther u.ä.). Es mag Kinder geben, die in bestimmten Bereichen spezielle Förderung brauchen – aber auch das wird nur gelingen, wenn man sie zusätzlich stärkt, so wie du geschrieben hast. Ansonsten: die Kinder bitte Kinder sein lassen!! Ich bin überzeugt davon, dass ihr das schaukeln werdet!

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