Urlaub für Eltern: Warum Mamas und Papas auch mal für sich sein müssen

Ich habe dir hier neulich von meiner geplanten Mutter-Kur erzählt. Im Herbst fahre ich drei Wochen lang nach Oberschwaben in eine Kurklinik. Dort habe ich mein eigenes Zimmer, morgens und abends ein leckeres Buffet, Sportangebote und Zeit für mich. Neulich aber stand das Vorhaben auf der Kippe.

Schreckliches Heimweh

Als ich für die große Bloggerkonferenz Blogfamilia in Berlin war, also echt weit weg von zuhause, kamen mir große Zweifel. Zwei Tage lang habe ich die Reise in die Wahnsinssstadt genossen. Alleine abends durch die Straßen zu ziehen, Herr meiner Zeit zu sein, mich um Niemanden kümmern zu müssen, dazu diese fantastische Stadt mit ihrer Lebendigkeit – ich war selig. Sonntags dann, einen Tag vor der Abreise, bekam ich unglaubliches Heimweh nach Anton und den Kindern. Ich kam mir so alleine vor, ich habe die Kinder schmerzlich vermisst und ich wollte endlich von Anton in den Arm genommen werden. Ich hätte mich am liebsten heulend an den Straßenrand gesetzt, Berlin kam mir laut und gruselig vor und ich überlegte kurz, mich einfach sofort in den Zug zu setzen.

Wie soll ich es nur aushalten, drei Wochen lang weg von meinen Lieben zu sein? Dieser Gedanke traf mich wie der Blitz und die Kur erschien mir nicht länger wie ein großes, fernes und schönes Ziel, sondern wie ein schrecklicher Fehler.

Alleine verreisen, dürfen Eltern das?

Wenig später schrieb meine Bloggerkollegin Alu vom Blog Grosse Koepfe von ihrer kleinen Auszeit in Griechenland. Die Überschrift lautete: In den Urlaub fahren ohne Kinder, darf man das?  Na klar, darf man das, schoss es mir sofort in den Kopf und ich beteiligte mich ein wenig an der Diskussion auf Facebook. Man muss sogar, rutschte es mir heraus, worauf mich eine andere Mutter fragte: „Ja, warum denn?“

So habe ich mir Gedanken gemacht, warum wir Eltern meiner Meinung nach auch mal alleine sein müssen. Ich finde wirklich, das müssen sie. Nicht gleich drei Wochen, wie bei einer Kur, aber ab und an ein paar Stunden sind meiner Meinung nach unerlässlich. Mütter und Väter müssen ganz oft ziemlich stark sein. Das Leben mit Kindern ist anstrengend und nervenzehrend. Es gibt alleinerziehende Eltern, Eltern von sehr kranken Kindern, Eltern, die selber krank sind, Familien in Armut oder mit Schicksalsschlägen anderer Art, die verdaut werden müssen. Und auch Familien, die gesund sind, genug Unterstützung, einen Arbeitsplatz und Freunde haben, kämpfen doch tagtäglich mit Vereinbarkeit, Schulproblemen, Streit mit den Kindern oder ihrer Wohnsituation. Diese Kraft, die wir als Eltern brauchen, können wir nur aufbringen, wenn wir Zeit für uns selber finden. Ein Abend alleine auf dem Balkon, eine halbe Stunde Laufen, Ausgehen mit der besten Freundin, ein Wanderwochenende mit der alten Clique, Wellness zu zweit oder sogar ein ganzer Urlaub alleine, das lädt die Akkus auf und lässt die Seele baumeln. Und noch was anderes passiert dabei: wir kommen dazu, über uns selbst nachzudenken. Das ist nicht immer leicht, aber es ist nötig. Wenn wir uns mit uns selbst nicht auseinandersetzen, gährt da etwas in uns. Jeder hat Ängste und Sorgen, kann sich mal selbst nicht leiden, fragt sich, ob der jetzige Weg der richtige ist. Wenn wir diese Dinge mit Arbeit und Emsigkeit zuschütten, holen uns diese Sorgen irgendwann ein.

Wege zu mir

Ich merke das vor allem, wenn ich Stress habe. Wenn viel zu tun ist und ich nicht weiß, wie ich diesen turbulenten Alltag schaffen soll. Wenn dann auch noch größere Sorgen hinzukommen, sagen wir mal über die finanzielle Zukunft meiner Selbstständigkeit, dann werde ich von Tag zu Tag aufbrausender. Dahinter stecken all die Ängste, mit denen ich mich nicht auseinandersetze. Gehe ich dann eine Runde laufen und habe Zeit, ein wenig nachzudenken, oder teile bei einem Glas Wein meine Sorgen mit Anton, dann geht es besser.

Ich komme zurück zum Thema: von der Mutter-Kur verspreche ich mir, ein wenig näher zu mir selbst zu finden. Das macht nicht immer Spaß und ich werde auf Stolpersteine stoßen. Aber Zeit mit mir alleine wird mir gut tun, das weiß ich. Ich stelle oft zu hohe Ansprüche an mich, der Stress, den ich mir dann mache, ist auch für meine Familie spürbar. In der Kur werde ich die Gelegenheit haben, etwas an mir selbst zu ändern. Dazu brauche ich Zeit und Abstand, auch wenn dieser Abstand schmerzen wird.

Insofern bin ich der Meinung, dass alle Eltern Zeit für sich selbst brauchen. Das Heimweh macht mir Kopfzerbrechen, aber ich werde mich davon nicht abbringen lassen. Manchmal schleicht sich in mir der Verdacht ein, dass man sich auch hinter seinen Kindern verstecken kann. Ich brauche sie und sie brauchen mich, darum kommt eine Kur nicht in Frage, könnte ich sagen. Klar, wenn einer in der Familie für eine Zeit lang weg ist, wird das für alle schwierig. Andererseits werden alle davon profitieren: Mama kommt erholt nach Hause und mit etwas Glück rettet sie die Erholung in den Alltag. Papa schafft den Haushalt auch, vor allem dann, wenn alle mitanpacken. Die Kinder vermissen die Mama und es ist nicht schön ohne sie. Aber auch diese Zeit geht rum und jeder hat etwas Neues dazu gelernt.

Angst vor der eignen Courage

Auch Alu hat in ihrem schönen Text beschrieben, wie sie sich Gedanken machte. Geht es allen gut zuhause, darf ich die Kinder überhaupt alleine lassen? Aber irgendwann konnte sie ihren Urlaub genießen:

Ich habe Angst mich manchmal selbst wieder zu entdecken ohne das Label Mutterschaft im Hintergrund. Ich tue mich schwer mit dem Loslassen und dem Dasein im Moment und bin lieber in Strukturen gebunden als zu frei. Nach 48 Stunden geht es dann doch irgendwie, der Schalter kippt um, ich sitze allein am Strand und schaue aufs Meer. Ich genieße die Zeit ohne Logistik, ohne Termine und ohne Plan. Ich sehe mich selbst an und sehe noch viel mehr als nur eine Mutter oder eine Freundin. Ich sehe mich.

Wir Mütter sind nicht ersetzbar, keine Frage. Aber für eine Zeit lang geht es auch mal ohne uns, da bin ich mir sicher. Vielleicht hast auch du den Mut, eine Kur zu machen oder mal ein paar Tage wegzufahren. Mach dich wieder auf den Weg zu dir selbst nach einer langen Zeit, in der du dich tagtäglich gekümmert hast. Du bist vor allem Mutter, aber eben nicht nur. Du bist auch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Träumen. Ich denke, es ist ein wenig so wie mit der alten Weisheit: nur wenn wir uns selbst lieben, können wir von ganzem Herzen Liebe verschenken. Und nur wenn wir mit uns selbst ganz zufrieden sind, können wir diese Zufriedenheit auch zuhause weitergeben. Ich war zuhause oft genug unzufrieden und habe gemeckert. Das möchte ich ändern.

Deshalb bin ich der Meinung, dass Eltern unbedingt auch mal Urlaub alleine machen dürfen. Wenn es bei dir im Moment nicht für mehr reicht als einen Abend alleine auf dem Balkon: auch das kann eine kleine Mutterkur sein. Und von meiner Kur werde ich dir im Herbst berichten. Vielleicht können wir gemeinsam etwas lernen!

Bleib fröhlich und unperfekt, deine Laura

Laura

2 Comments

  1. Ich glaube, du fährst in die gleiche Einrichtung, in der ich vergangenen Monat war. Freu dich drauf. Es ist soooo toll dort. Ich bin wieder voll im Alltag und mich, wie man wenigstens einen seiner Vorsätze aus der Zeit umgesetzt bekommt 🙂

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